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Shadowrun: GMBH
Von Michael Mingers

Rezension erschienen: 23.06.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Christian Riesslegger, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 400, Erschienen: 2006, Preis: 9,00 Euro


Tja, diesen Roman zu rezensieren ist schwierig. Sehr schwierig sogar. GmbH ist ein Shadowrunroman, der in Österreich des Jahres 2063 spielt, was bedeutet, dass sich die Charaktere jener exotischen Sprache bedienen, die dort unten als Deutsch durchgeht. Aber nicht nur die Charaktere benutzen diesen Dialekt, auch der Autor Christian Riesslegger lässt in Aufbau, Wortwahl und allgemeine der ganzen Konstruktion des Romans eine sehr österreichische Sprache anklingen. Das mag den ein oder anderem Shadowrunfan bereits aus Wiener Blut bekannt sein, welcher die gleichen Stilmittel verwendete. Das sorgt natürlich für Autentizität, bringt aber auch einige Probleme mit sich und nicht wenige haben damit ein Peroblem. Doch dazu später mehr.

Der Roman wurde zweigeteilt, da die schiere Textmenge des Autors wohl einen Band gesprengt hat. Die Fortsetzung Cash Flow wird aber bald nachfolgen. Leider merkt man dem Roman deutlich an, dass es eigentlich als ein einzelner Roman konzipiert war und nicht als Fortsetzung. Die Handlung bricht ohne Cliffhanger und mit enorm vielen losen Enden einfach ab, was sehr unbefriedigend für den Leser ist. Denn worum sich die Geschichte des Autors Christian Riesslegger nun wirklich dreht, wird auf den ganzen 400 Seiten vom GmbH nicht deutlich. Es gibt eine Reihe von Charakteren, welche ihre eigene Agenda verfolgen und die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Riesslegger nimmt sich sehr viel Zeit für seine Figuren, etabliert sie mit viel Ruhe. Sehr viel Ruhe. So viel Ruhe, dass der Leser sich bisweilen fragt, inwieweit diese Figur überhaupt die Handlung des Romans weiterbringt. Die einzelnen Geschichten und Figuren sind an sich interessant, doch fragt sich der Leser immer wieder, ob man hier eigentlich eine Sammlung von Kurzgeschichten liest, welche sich Kapitel für Kapitel abwechseln, oder einen wirklichen Roman. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch die ständigen Rückblicke zu zwei Charakteren aus dem Jahr 2032, die sich als Geheimagenten für das Wohl Österreichs im Schatten der drohenden islamische Invasion betätigen. Auch diese Kapitel lesen sich gut, was sie aber mit dem Rest der Handlung des Jahres 2063 zu tun haben, bleibt unklar. Manche Figuren tauchen etwa nur in der ersten Hälfte des Romans auf, um dann im Anschluss keinerlei Erwähnung mehr zu finden. Für den Leser ist völlig unklar, was z.B. die Handlung um den kranken Möchtegernrunnern Gonzo überhaupt für den Roman leistet, oder wie die Handlung um ihn überhaupt endet, denn in der zweiten Hälfte des Romans kommt er nicht mehr vor. Dazu kommt, dass die Charaktere allesamt nicht sonderlich beeindruckende Namen haben. Wieso nennt sich der Rigger Topolino (italienisch für Mäuschen),die Orkschamanin Pepperoni oder der Möchtegernrunner Gonzo? GmbH scheint mehr wie eine, mit 400 Seiten ziemlich extrem ausgefallene, Einleitung für Cash Flow.

Dazu kommt noch, dass der Autor seinen Roman sehr oft nutzt, um in politische Themen abzudriften. Er ergeht sich regelrecht in Exzessen darüber, dass er es liebt, sein Heimatland zu hassen. Immer wieder wird mit triefendem Sarkasmus die Politik Österreichs, dessen Geschichte und die ganze Lebensweise dieses Landes beschrieben und kritisiert. Dies mag zwar stimmen und gut recherchiert sein, doch es reißt den Leser aus dem Lesefluss und der sowieso eher dünne Spannungsbogen des Romans sackt dabei merklich ab.

Der Autor versteht sein Handwerk an sich. Wer mit der österreichischen Konstruktion des Satzbaus und der bisweilen sehr exotisch anmutenden Wortwahl zurecht kommt, wird GmbH flüssig lesen können. Neben der Akzeptanz der Sprache sollte man sich aber auch eine sehr langsame Erzählweise einstellen. Da man zum Ende des Romans noch nicht weiß, welche Handlungsstränge sich im Folgeroman noch wie auswirken werden, kann man hier nur bedingt kritisieren. Als einzelner Roman funktioniert GmbH vorne und hinten nicht, was jedenfalls ein großes Manko ist. Bei einer derartigen Textmenge hätte sich der Autor Gedanken machen sollen, wie er den Roman dramaturgisch besser beenden könnte. Die Fortsetzung Cash Flow wird dadurch zu einem Muss, ohne die GmbH keinen Sinn ergibt. Sehr ärgerlich.

Deswegen ist ein endgültiges Urteil zu diesem Roman schwierig, da man ihn endgültig erst im Zusammenhang mit Cash Flow beurteilen können wird.




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