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Eberron: Die träumende Finsternis Band 1: Die Stadt der Türme
Von Michael Mingers

Rezension erschienen: 18.05.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Keith Baker, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 526, Erschienen: 2006, Preis: 12,95 Euro


Feder & Schwert hat sich ja vor einiger Zeit nicht nur die Rechte für Dungeons & Dragons gesichert, sondern auch für die dazugehörige Spielwelt Eberron. Wer allerdings nicht mit dem dicken Grundregelwerk zu Eberron beginnen oder sich weiter in die atmosphärische Spielwelt vertiefen möchte, der kann zu dem Eberron-Roman greifen, der ebenfalls bei Feder & Schwert erschienen ist.
Mit seinen mehr als 500 Seiten wirkt das Buch zunächst einmal möglicherweise auf den einen oder anderen etwas einschüchternd. Der eigentliche Roman nimmt aber nur etwa 450 Seiten ein. Mehr als 80 Seiten sind einem sehr umfangreichen und erfreulicherweise stimmungsvoll geschriebenen Anhang gewidmet, der Namen, Orte und Begriffe der Welt Eberron erläutert.

In diese Welt führt Keith Baker, der Erfinder Eberrons, den Leser nun mit Die Stadt der Türme. Und er beweist, dass er nicht nur viele gute Ideen für ein Setting hatte, sondern auch einen lesenswerten Roman abliefern kann.

Der große Kontinent, auf dem die meisten zivilisierten Rassen lebten, litt die letzten hundert Jahre unter einem fürchterlichen Erbfolgekrieg. Von den Historikern hoffnungsvoll "Der Letzte Krieg" genannt, endete er erst vor wenigen Jahren mit der Verwandlung eines ganzen Königreiches von einem fruchtbaren Landstrich zu einer magisch verdorbenen Ödnis. Es herrscht nun Frieden, doch die Auswirkungen sind immer noch zu spüren. Alte Feindschaften sind nicht leicht beizulegen und die Kriegsgeschmiedeten, eine künstlich erschaffene Rasse von intelligenten, humanoiden Maschinenwesen sucht nach dem Ende des Konfliktes einen neuen Daseinszweck.

In dieser angespannten Lage reisen vier Überlebende des nun verödeten Königreichs in das Land ihrer ehemaligen Feinde, um ein neues Leben zu beginnen. Daine, ein Offizier ohne Armee, der Halblingsheiler Jode, der kriegsgeschmiedete Späher Stoß und die Magieschmiedin Lei d’Cannith. Jode und D'Cannith sind beide Träger eines Drachenmals, einer erblichen Befähigung, besondere Zauber sehr effektiv einzusetzen. Drachenmalhäuser haben während des Krieges weitestgehend die politische und wirtschaftliche Macht übernommen und sind etwa mit den Großkonzernen unserer heutigen Zeit zu vergleichen, außer das anstatt von Technik in allen Bereichen Magie angewendet wird. Lei d'Cannith ist nun nach Sharn, die Stadt der Türme, gekommen, um ihren Verlobten zu treffen und für sich und ihre Freunde ein neues Zuhause zu finden. Doch leider muss sie feststellen, dass ihr Verlobter ermordet und sie aus ihrem Haus ausgestoßen wurde. Doch das sind nur die ersten Probleme, mit denen sich die Gruppe herumschlagen muss.

Baker schildert Sharn, Eberron und seine Bewohner sehr detailreich und schillernd. Auf jeder neuen Seite kann man Erstaunliches, Frisches und Neues entdecken, das Eberron von anderen Welten unterscheidet. Dabei gelingt es dem Autor aber, diese ganzen Informationen nicht einfach grundlos dem Leser zu präsentieren, sondern webt sie geschickt in eine sehr weit verzweigte Kriminalhandlung ein. Obwohl fast in jedem Kapitel neue Charaktere, Orte und Namen auftauchen, wirkt das ganze nicht verwirrend oder überladen. Fast jeder Handlungsfaden wird bis zum Ende des Buches aufgegriffen und verknüpft. Für einige der losen Enden ist in den Folgeromanen sicherlich noch Platz, denn Die Stadt der Türme ist der erste Teil der Trilogie Die Träumende Finsternis. Der Autor spielt immer wieder mit seinem Leser und wenn die verschiedensten Handlungsstränge auf die Charaktere losgelassen werden, dann geben die sich bisweilen auch einfach dem komplizierten Leben in Sharn geschlagen und verziehen sich zu einem Bier in die nächste Kneipe. Die Charaktere sind ebenso neu in der Stadt wie der Leser. Sharn ist das kosmopolitische Zentrum des Kontinents, hier finden sich Vertreter aller Rassen, aller Kulturen und aller sozialer Schichten. Von den reichen Drachenmalträgern in den gigantischen Türmen der Hochstadt, bis hin zu den armen Goblin-Kanalräubern schildert der Roman das gesamte Leben in dieser schillernden Stadt.

Wer eine komplexe Geschichte mit vielen interessanten Charakteren, schillernden Orten und großen Ereignissen sucht, sollte bei Die Stadt der Türme unbedingt zugreifen. Eberron ist eine faszinierende Welt und Keith Baker präsentiert sie in seinem Roman ausgezeichnet. Einziger Wermutstropfen ist der hohe Preis von fast 13 Euro.




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