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Ys
Von Peter Rennert

Rezension erschienen: 07.05.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Cyril Demaegd, Verlag: Ystari Games, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 32,95 Euro

"Es war einmal... eines Tages vor langer Zeit ließ der König Gradlon für seine Tochter Dahut die herrliche Stadt Ys errichten. Große Deiche schützten die Stadt gegen das Wüten der Gezeiten. Dahut beschloss, Ys zum mächtigsten Ort der Bretagne zu machen. Hierzu sandte sie ihre Drachen los, um sich der Handelsschiffe zu bemächtigen, die beladen mit Edelsteinen die Küste von Ys passierten..."

So heißt es in der Vorgeschichte zum Brettspiel Ys. In diesem Spiel hat man die Aufgabe, als Händler die günstigen Stadtverhältnisse auszunutzen und unter Zuhilfenahme von mächtigen Bürgern und eigenem Spekulationsgeschick das meiste Geld anzuhäufen. Dazu hat man unterschiedlich gute Mittelsmänner zur Verfügung, die man auf bestimmte Aufgaben "ansetzen" kann. Dabei gibt es die Raffinesse, dass einer der Mittelsmänner verdeckt und einer offen gespielt werden muss. Somit sind Bluffs und taktischen Vorgehensweisen Tür und Tor geöffnet. Man sollte sie nutzen.
Der Spielplan ist in zwei große Bereiche geteilt, dem Markt und der Stadt: Auf dem Markt kann man Edelsteine kaufen und deren Marktwert beeinflussen. Auf einer praktischen Schiebetafel wird dann nach jeder Runde der neue Wert eingestellt. In der Stadt wiederum gibt es vier gleich aufgebaute Viertel, für jedes wird am Anfang der Runde eine Karte (Schiff) gezogen, welche die kaufbaren Edelsteine bestimmt. Alle Mittelsmänner, die man in ein Viertel setzt, arbeiten nun dafür, das man sich die besten Edelsteine aussuchen darf. Der Spieler mit den höchsten Werten darf sich als erstes Edelsteine aus dem Viertel auswählen. Danach ist der Zweitplatzierte an der Reihe und darf sich vom noch vorhandenen aussuchen, als letztes der Drittplatzierte, der Vierte geht leer aus. Interessant ist, dass auch die Viertel unterteilt sind, in Hafengegend, Geschäftsgegend und Palast.
Auch hier gilt: Wer die meisten Mittelsmänner gesetzt hat, bekommt Boni. In der Hafengegend kann man spezielle Edelsteine erwerben, deren Wert sich danach richtetet, wie viele man am Ende des Spiels besitzt. In der Geschäftsgegend kann man direkt Geld (also Siegpunkte) erwerben, im Palast erreicht man die Gunst eines Bürgers. Die Bürger und ihre Fähigkeiten sind zu beginn der Runde bekannt, sodass man nicht auf die Katze im Sack setzen muss und sich starke taktische Möglichkeiten ergeben. So gibt es beispielsweise den Kapitän, welcher die Schiffe mit den Edelsteinen für die Viertel vertauschen kann oder den Kardinal, welcher es erlaubt alle Mittelsmänner in einer Runde verdeckt zu spielen.

Das Spiel ist komplett und durchdacht strukturiert. Es gibt vier Runden, zu Anfang jeder Runde wird die Spielerreihenfolge bestimmt. Man muss zwei seiner Mittelsmänner setzen, und wer die höchste Summe hat, darf sich als erstes einen Platz aussuchen. Dann folgen die Setzphasen, in denen die Mittelsmänner eingesetzt werden. Danach wird ausgezählt und die Edelsteine vergeben. Erst nach der vierten Runde wird der Wert der Edelsteine bestimmt und die Siegpunkte (Geld) vergeben.

Ys ist ein Spiel, dass komplett ohne Würfel oder andere zufällige Ereignisse auskommt. Selbst Gleichstände werden immer gerecht aufgelöst (mit den Mittelsmännern, mit denen man die Spielerreihenfolge ermittelt hat). Falls es doch einmal zum absoluten Gleichstand kommt, gewinnt der, welcher in der Spielerreihenfolge eher an der Reihe war.

Die Anleitung ist gut geschrieben, wenngleich die Beispiele beziehungsweise die Anschauungsbilder etwas schlecht gewählt sind. Die Regeln an sich sind etwas komplizierter, was vor allem der Schachtelung des Spielplans geschuldet ist. Das System ist aber bald durchschaut und danach spielt sich das Spiel sehr intuitiv.

Das Spielbrett ist für zwei bis sechs Spieler konzipiert, es sind aber nur die Regeln für zwei bis vier Spieler enthalten. Erweiterungen werden dann Varianten für den fünften und sechsten Spieler enthalten. Diese kann man sich kostenlos im Internet herunterladen oder auch kaufen.
Das Gesamtdesign ist ansprechend, übersichtlich und ebenfalls stark intuitiv. Vor allem bei den Karten für die Bürger muss man ein großes Lob aussprechen. Anhand einfacher Symbolik kann man sofort erkennen, welche Effekte man mit den Bürgern erzielen kann.

Fazit: Gerade Spieler die dem ewigen Glücksfaktor in Spielen stark abgeneigt sind und sich auf taktisches Spielen mit Familie und Freunden freuen, werden bei diesem Spiel nicht zu kurz kommen. Ein tolles Spiel, dass man nur empfehlen kann!




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