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Envoyer Spezial: Gnorkl's Gimmicks
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 27.02.2001, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Christian Fischer (Hrsg.), Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer, Seiten: 74, Erschienen: 2000, Preis: 8,80 DM


Wer bisher den Envoyer regelmäßig mitverfolgt hat, der wird sich an die Rubrik "Gnorkel's Gimmicks" erinnern. Nun hat sich die Envoyer-Redaktion zusammengesetzt und ein gleichnamiges Special mit den besten Artikeln zusammengestellt. Auf insgesamt 74 Seiten werden 39 Gimmicks vorgestellt, welche "einfallsreiche Kuriositäten beschrieben" sind, "die auch die eingefleischte Spielgruppe immer wieder überraschen wird!"
Ob nun der Anspruch "die phantasievollsten und verrücktesten Ideen [...] einer wohlgesonnenen Leserschaft anzubieten" diesem Heft gerecht wird, wage ich zu bezweifeln. In "Gnorkel's Gimmicks" werden von Artefakte präsentiert, die teilweise als obskur zu bezeichnen sind, viele wirken aber wie 'an den Haaren' herbeigezogen. Die Wirkungsweisen und Eigenschaften der Gegenstände sind an manchen Stellen selbst für Fantasy-Welten auf denen Magie existiert derart unrealistisch und abgedreht, dass Vieles einfach nicht verwendbar ist, es sei denn man spielt auf Prattchet's Scheibenwelt. Nehmen wir ein Beispiel: Die Folie. Sie ist ein Gegenstand, gefertigt aus pflanzlichen Stoffen und auf einer Seite klebrig. Da diese Beschichtung aber nur mit anderen Stoffen verkleben kann, ist ein Transport problemlos möglich. Hängt man diese Folie nun in eine Tür und ein Charakter läuft hinein, so stellt sie für ihr Opfer eine große Gefahr dar, denn wenn man einmal hineingelaufen ist, kann man sich aus eigener Kraft nicht mehr lösen. Reißt man sie ab, so häutet man das Opfer und es kann auch vorkommen, dass es in ihr erstickt. Wo bleibt hier der Realismus?
Viele der hier vorgestellten Gegenstände sind nur für den Spielleiter interessant, wenn er die Charaktere bestrafen möchte, andere haben derart verheerende Nachwirkungen, dass ein Charakter lieber die Finger davon lassen sollte, und der restliche Teil ist schier geschmacklos bis hin zu diskriminierend: so zum Beispiel die magische "Taschenprostituierte", eine Figur aus Zinn, die bei Kontakt mit Wasser auf menschliche Größe wächst und sich auf den nächsten Mann mit dem höchsten Charismawert stürzt um ihn zu "beglücken". Nachdem sie ihre "Pflicht" getan hat, schrumpft sie wieder auf Miniaturengröße. Dabei kann es für ihr Ziel sehr schmerzhaft werden wenn er sich noch in engen Kontakt mit ihr befindet. Ein weitere Beispiel ist die Analphabetenbrille. Bei der Lektüre findet sich folgende Passage: "Die Analphabetenbrille soll denen helfen, die zu faul (oder zu blöd) sind, das Lesen zu erlernen." Bedenkt man, dass viele Fantasyrollenspiele auf mittelalterlichen Vorbildern basieren, so werden sich viele auf diesen Welten lebenden humanodien Wesen über eine derartige Wertschätzung und Klassifizierung freuen, denn die große Mehrheit konnte im Mittelalter nun einmal weder lesen noch schreiben.
Wer meint, "Gnorkel's Gimmicks" könne man mit Publikationen wie "Exotische Waffen" von Tyr Games vergleichen, liegt hier leider vollkommen falsch. Bei der Lektüre kommt keinerlei Stimmung auf, da die meisten Gegenstände derart vulgär beschrieben sind, so dass sie die Grenzen des guten Geschmacks immer wieder überschreiten: "Frewlynn's Schleuder - Ach ja, mit Tränen in den Augen denke ich an den Tag zurück, als meine liebe Großmutter mir zum sechsten Geburtstag dieses Spielzeug zum Geschenk machte. Und zwanzig kleine Hundewelpen, deren winzigen Köpfchen bei Beschuss so putzig zerplatzten."
Die Gestaltung dieses Hefts kann man aber durchaus als gelungen ansehen. Sie ist im Ganzen besser, als das übliche Envoyer-Niveau und die sonst üblichen Rechschreibfehler stechen hier nicht ins Auge. Die Innenillustrationen sowie das Cover von Roland Simon sind ganz nett und vermitteln den Leser ein passendes Bild von den anbei beschriebenen Artefakten. Leider sind an manchen Stellen die Titelüberschriften mit ihren Kurzbeschreibungen stellenweise so groß, dass sie eine gesamte oder einen Großteil einer Seite einnehmen oder die Illustration eines Artefakts benötigt derart viel Platz. Die Tatsache, dass am Ende des Heftes ganze acht Seiten einfach leer sind ("Raum für Notizen") wirft die Vermutung auf, dass man mit dem vorliegenden Material versucht hat, soviel Platz wie möglich zu füllen.
Wie bereits erwähnt, war "Gnorkel's Gimmicks" mal eine Rubrik im Envoyer in der die verschiedensten Autoren ihre Ideen veröffentlichen konnten. Jetzt, in diesem "Best of" fehlen aber sämtliche Angaben der Autoren. Sie wurden vielmehr im Impressum zusammengefasst mit den Worten "Eigene und aus Einsendungen". Für jeden Autor, der sein Artefakt hier veröffentlicht hat, ist dies schlicht und ergreifend ein Schlag ins Gesicht, da er nicht einmal durch eine Urheberangabe gewürdigt wird.

Für jeden Spielleiter, der gerne in seinen Abenteuern mit magischen Artefakte nur so um sich wirft und dabei keine Wert auf die Qualität der jeweils zugrunde liegenden Ideen legt, dem sei für seine Gruppe "Gnorkel's Gimmicks" empfohlen. Wer hingegen auf Stimmigkeit und Realismus im Rollenspiel Wert legt, der sollte lieber seine Finger von diesem Heft lassen, bevor er sich nach Erwerb nur noch ärgert, da er die hier vorgestellten Artefakte zu einem großen Teil nicht oder nur mit starken Veränderungen verwenden kann.


Preis/Leistung: 3/10
Idee: 5/10
Layout: 6/10
übersichtlichkeit: 6/10
Gesamt: 5/10




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