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Envoyer 12/2000
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 24.02.2001, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Christian Fischer (Hrsg.), Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer, Seiten: 81, Erschienen: 2000, Preis: 3,00 DM


Auf dem Cover dieser Ausgabe prangt eine große, gelbe 50. "50 Jahre Envoyer", so steht es jedenfalls gleich daneben auf der Umschlagsseite. Aber weit gefehlt: wie man im dazugehörenden Artikel feststellen wird, ist dies die 50. Ausgabe des Envoyers. Es wäre sehr verwunderlich, denn der Envoyer Nummer 1 erblickte das Licht der Welt November 1996 und kostete damals noch 2 DM. Mittlerweile hat sich die Seitenanzahl gut verdoppelt und der Envoyer ist innerhalb von vier Jahren nur um eine Mark teurer geworden.
Wie nicht anders zu erwarten finden sich hier und da noch die Nachwehen der SPIEL in Essen. So zum Beispiel im News-Bereich. Hier werden noch weiterhin die Neuheiten der SPIEL 2000 vorgestellt. Im Gegensatz zur den letzten Ausgaben finden sich hier auch Rezensionen zu den Produkten, wenn man mal vom Myranor-Special absieht, dass in der November-Ausgabe bereits erschien ist (und im Index der Jubiläumsausgabe wieder auftaucht). Wie nicht anders zu erwarten bringt der Envoyer nun auch einen ausführlichen Bericht zum ADRV/Envoyer-Stand auf der SPIEL mit ihrer bekannten Auktion.
Im Musiktipp wird der Soundtrack von "Waterworld" vorgestellt. Die Rezension ist gut, nur leider wird nicht gesagt, wer sie verfasst hat. Im Rezensionsbereich finden sich Artikel zu MageKnight Rebellion, dem D&D Starter Set, dem Abenteuer "Spuren der Vergangenheit" für Midgard, zum "Arkanum", ebenfalls für Midgard und dem Arsenal 2060, einem Zusatzband für Shadowrun. Die Rezensionen schwanken zwischen gutem Mittelmaß bis zu einer durchweg gelungenen Kritik. Auffällig ist bei allen Rezensionen, dass keine bei der Gesamtwertung weniger als 70% verteilt.
Bei einer Jubiläumsausgabe, so kann man annehmen, versucht die Redaktion ein besonders anspruchsvolles und gelungenes Abenteuer auszuwählen, um die Qualität noch ein wenig mehr zu unterstreichen. Die Envoyer-Redaktion entschied sich für "Verloren im Paradies" für TRI. Worum geht's? ... zunächst einmal gibt es eine Warnung, die den Leser darauf aufmerksam macht, dass in diesem Abenteuer Sex, Sadismus und sonstige Perversionen vorkommen. Der Autor übernimmt keine Haftung für psychische und physische Störungen und von der Politik distanziert man sich gleich auch noch. Ein "guter" Anfang für ein Abenteurer. In diesem Abenteuer geht es um einen Bürgermeister, der die Charaktere zu sich auf seine Privatinsel einlädt um dort einen kleinen Urlaub zu verbringen. Auf dieser Insel können die Charaktere zunächst nichts anderen tun, als auf ihrer faulen Haut zu liegen und mit den gleich mitgebrachten fünf weiblichen und fünf männlichen Angestellten ihre perversen Triebe auszuleben. Zusätzlich befinden sich noch vier weitere NSC's auf der Insel, um ebenfalls ihren Trieben zu frönen. Ein großer Mangel bei den NSC's ist jedoch, dass sie mehr oder minder durchweg auf Clichees reduziert wurden, die man sich vorstellen kann. Dadurch verliert sich die Tiefe des Abenteuers. Wenn diese zweidimensionalen Charaktere umkommen, bedauert das sicher kein Charakter. Das Abenteuer an sich weist auch vom inhaltlichen Aspekt mehrere Mängel auf, die nicht von der Hand zu weisen sind: so wird zum Beispiel ein mächtiger NSC unbeabsichtigt auf die Insel gebracht, der nach und nach einen NSC nach dem anderen umbringt um später zu den Spielercharakteren überzugehen. Dies macht er auf eine bestimmte Art und Weise die sich nach dem Lebenswandel des Opfers richtet. Da er aber zu dem Zeitpunkt, wo die NSC's ihre Triebe auslebten nicht zugegen war, kann er eigentlich kaum wissen, was sie taten wo er doch keine Möglichkeit hatte an dieses Wissen heranzukommen? Um es kurz zu fassen: dieses Abenteuer ist schwach, sehr schwach. Es versucht die Dekadenz der reichen Oberschicht durch Perversion und Sex auszudrücken, doch gibt es für den Spielleiter sicherlich bessere Mittel und Wege Dekadenz auf einem anderen Weg darzustellen. Die Umsetzung dieser, zugegebenermaßen guten Grundidee ist nur in Ansätzen gelungen. 24 Seiten, die man sicher hätte besser füllen können.
Im Envoyer gibt es eine neue Rubrik: Internetpages, oder auch in Zukunft "Wuddi's Webtipp - Library Of RolePlaying, die virtuelle Rollenspielbibliothek". Tyrfing wird hier in kommenden Ausgaben Internetpräsenzen vorstellen, immer passend zu einem Oberthema. Diese erste Ausgabe von Wuddi's Webtipp ist gewissermaßen eine Vor-Premiere und Tyrfing präsentiert hier gleich mehrere größere Rollenspielportale. Wie so oft schon gesehen wird auch hier erst einmal lang und breit auf den DRoSi eingegangen, dem Deutschen RollenspielIndex. Nach gut anderthalb Seiten werden nun noch schnell drei Projekte erwähnt: Helden.de, X-Zine und die LORP.de. Zum Abschluss werden dann noch die Dienstleistungen der ADRV-Seiten präsentiert: KOOP und die Pinnwand. In dieser Ausgabe fällt etwas ganz groß auf: Im Artikel selber fehlen fast immer die Namen des gerade vorgestellten Projektes, so dass man raten darf, welches nun gemeint ist.
"50 Jahre Envoyer...", so lautet der Name des nun folgenden Artikels. Wie bereits gesagt: der Envoyer existiert erst seid 1994. Im Untertitel wird dies zwar angedeutet, leider erweckt aber dieser Titel auf dem Cover einen völlig falschen Eindruck. Christian Fischer, seinerseits Chefredakteur spricht hier von dem Werdegang der Hauszeitschrift des ADRV, von zukünftigen Plänen und von angestrebten Veränderungen. Wer immer noch auf ein Wiedersehen mit den Weltenrettern hofft, der wartet im Envoyer selber wohl vergebens. Aber es soll ein Sonderband erscheinen, mit allen bisher publizierten Comics. Geplanter Erscheinungstermin: Juni 2001.
Stylo plaudert in dieser Ausgabe ein wenig aus dem Nähkästchen und erzählt ein wenig über den Hintergrund der Hassecke und beklagt sich über seine Erkältung und den Chefredakteur, der ihn trieb diesen Artikel zu schreiben. Das Stylo krank gewesen sein muss, merkt man schnell: von einer Hass-Ecke ist hier nicht viel zu merken, nur Jammern und Wehklagen. Wo die Anspielungen und stichigen Bemerkungen geblieben sind weiß wohl keiner. Mit dieser Rubrik hätte man sicher wieder dem ein oder anderen Rollenspieler oder Verlag mal sagen können, was Sache ist.
Nach diesem hasslosen Artikel folgt sogleich der neue Comic des Envoyers: Necrocore. Auf vier Seiten eine bloße Darstellung von Gewalt. Worum es in dem vom Leser nicht begründbarem Gemetzel geht erfährt man nicht. Der Zeichenstil erinnert an das, was man in seiner Schulzeit im Unterricht aus Langeweile gekritzelt hat. Was den "Helden" Havoc, Puck und Grim hier widerfahren ist, wird man es noch erfahren ... wollen?
"Das Zaubermosaik", so lautet der verheißungsvolle Name des nächsten Artikels. Nett beschrieben wird hier aber lediglich ein bekanntes Schachproblem, natürlich mit einem netten Zusatzfeature. Wer das Damenproblem vom Schach her kennt, wird auch das "Zaubermosaik" kennen. Das "Zaubermosaik" ist ein allhergebrachtes Rätsel nur in einer neuen, phantastisch angehauchten Fassung.
Zum Abschluss folgt noch eine Einführung für Interessierte in die Welt von Pendragon: "Pendragon für Nicht-Pendragon-Spieler". Dieser längere Artikel von Norbert Franz gibt einen guten Einblick in die Welt von Pendragon, ebenso vom Regelntechnischen Aspekt. zusätzlich werden noch verschiedene Quellenbände inhaltlich kurz angerissen. Alles halt, was man für einen überblick über das System benötigt.
Der Envoyer wird 50. Für eine Jubiläumsausgabe hätte man sicher mehr erwarten können. Mit einem anderen Abenteuer vielleicht und einen anderen Comic wäre es sicher möglich gewesen die über 30 Seiten mit besserem Inhalt zu füllen.
Auffällig war mal wieder die hohe Zahl an Fehlern: Bei den News ging es sogar soweit, dass neben einem falsch geschrieben Titel und einem nicht dazugehörenden Cover der Inhalt des Artikels völlig sinnentfremdend wurde.
Erfreulich hingegen war in dieser Ausgabe, dass der Envoyer sich an der Aktion Fandom #10 beteiligt hat, nur sollte man nicht versuchen dem Leser seine Meinung aufzuzwängen, indem man Einträge vorselektiert. Vielleicht hat er ja eine ganz andere Meinung?
Wenn man dieses Ausgabe mit nur einem Wort beschreiben müsste, so könnte es "durchschnittlich" sein, den der Envoyer hat sicherlich schon Besseres geleistet.


Stefan Sauerbier

Preis/Leistung: 5/10
Idee: 6/10
Layout: 6/10
übersichtlichkeit: 5/10
Gesamt: 6/10




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