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Cuanscadan - Tor nach Erainn
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 24.02.2006, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Karl-Georg Müller, Manfred Roth, Jürgen E. Franke u.a., Verlag: Verlag für F&SF Spiele, Seiten: 144, Erschienen: Dezember 2005, Preis: 21,95 Euro


Den Cuanscadan-Quellenband eine "Stadtbeschreibung" zu nennen, wäre deutlich untertrieben. Zwar bietet das Midgard-Buch eine umfassende Vorstellung des "Hafen des Herings", wie die lebendige Hafenstadt übersetzt heißt, doch bekommt der Leser darüber hinaus eine kompakte und stimmungsvolle Einführung in alle Länder des Volks der Schlange.

Sowohl die Stadt als auch ihre Umgebung sind von den elfischen Ursprüngen dieses Halbmenschenvolks geprägt. Und so zieht sich durch das ganze Buch eine an den keltischen Kulturkreis der Erde erinnernde Atmosphäre. Nach einem einleitenden Überblick über das Fürstentum Cuanscadan, dessen Zentrum die Hafenstadt darstellt, wird nach einer kurzen geschichtlichen Zeittafel und der Liste der örtlichen Feiertage erst einmal die Stadt im Überblick dargestellt. Allerdings vermittelt dieser recht trockene Text ein viel unschärferes Bild der Siedlung, als der später im Buch abgedruckte Bericht eines Reisenden, der als Einleitung viel besser geeignet gewesen wäre.

Die detaillierte Stadtbeschreibung stellt die Viertel nacheinander vor und geht auf wichtige Bewohner ein. Dadurch erhält der Spielleiter eine Menge vorgefertigter Orte und Personen, mit denen Spieler beim Einkaufen oder während Stadtabenteuern in Berührung kommen können. Zugleich sind in viele Beschreibungen mehr oder minder düstere Geheimnisse oder auch nur Eigenheiten eingearbeitet, die die Stadt lebendiger werden lassen und als Ansatzpunkte für Abenteuer dienen können. So arbeitet ein Gelehrter an einem wenig Vertrauen erweckenden Tauchboot, eine Parfümerie hilft dem Absatz ihrer Produkte mit magischen Tricks nach und die alte Wahrsagerin ist in Wirklichkeit viel jünger, als man denkt, hat aber auf eine bestimmte Art schon mehrere Generationen überlebt. Detailliert beschrieben werden die Kultstätte der druidenartigen Weisen Frauen, die Bardenschule, ein benachbarter Magierturm und natürlich die Burg des Fürsten, ebenso die Verwaltungsstrukturen und die verschiedenen Geheimgesellschaften, die in der Stadt ihre Pläne verfolgen. Etwas mehr Informationen hätte man sich über die Schifffahrt gewünscht, die in einer Hafenstadt eine wichtige Rolle spielen sollte. Außerdem fehlt die konkrete Einwohnerzahl Cuanscadans.

Den zweiten Teil des Bandes nimmt die Beschreibung des Landes Erainn ein. Dabei bleibt die Geografie auf eine kompakte Liste mit Ortsnamen beschränkt. Wichtiger sind Kultur und Gesellschaft des Volks der Schlange. Der Autor hat sich offenbar ordentlich Mühe gegeben und sich genau mit den keltischen Kulturen der Erde befasst. So ist ein stimmiges und dichtes Bild Erainns entstanden, wobei das komplexe Rechtssystem vielleicht nicht ganz in dieser Breite hätte ausgebreitet werden müssen. Insgesamt ist aber eine ganz hervorragende Landesbeschreibung herausgekommen.

Vier Kurzszenarien und ein etwas intensiver ausgearbeitetes Abenteuer komplettieren den Band. Die Szenarien schicken Helden auf die Jagd nach einer Diebesbande, befassen sich mit Sport und Mord, einem Einbruch in ein Gefängnis und mysteriösen Entführungen. In dem ausgearbeiteten Abenteuer müssen die Spieler sich mit einem düsteren Kult herumschlagen, der es auf sie abgesehen hat.

Zusätzlich zu vielen Zeichnungen gibt es eine farbige Karte des gesamten Fürstentums und eine Stadtkarte in Schwarzweiß.

Fazit: Eine hervorragende, atmosphärisch dichte Stadt- und Regionalbeschreibung, auch wenn hier und da die Schwerpunkte etwas anders hätten gesetzt werden können. Mit dem Buch hat der Spielleiter einen faszinierenden Hintergrund für spannende Abenteuer bestens im Griff.




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