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Die Artefakt CD
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 04.01.2006, Serie: Zeitschriften, Autor(en): , Verlag: Förderkreis innovatives Spiel e.V., Seiten: , Erschienen: August 2005, Preis: 3,00 Euro


Ein beachtliches Paket schnürt der Förderkreis innovatives Spiel mit seiner Artefakt-CD. Insgesamt mehr als 400 Seiten des Vereinsmagazins "Artefakt" finden sich in fünf pdf-Dokumenten auf dem Silberling. Es handelt sich um die Ausgaben acht bis zwölf mit jeweils zwischen 70 und knapp unter hundert Seiten.

Jedes Magazin enthält neben Editorials, Anekdotensammlungen und Rezensionen vor allem mehrere umfangreiche Abenteuerszenarien und Hintergrundbeschreibungen, insbesondere für das eher düstere Genre.

Artefakt 8: Im Dokument fehlt leider das Titelbild. Außerdem verursachte es mitunter Probleme mit dem Acrobat Reader. Der herausragende Beitrag ist "Wild Weasel", ein Star Wars-Abenteuer. Die Spieler haben die schwierige Mission, einen Rebellenoffizier aus einem Gefangenenlager des Imperiums zu befreien. Die Aufgabe ist knackig schwer, was nicht zuletzt auf die gut durchdachte Struktur der imperialen Verteidigung zurückzuführen ist. Die Helden können nur dann Erfolg haben, wenn sie mit einem guten Plan und listenreich vorgehen. Offensive Taktiken führen in den sicheren Untergang. Ein wirklich kniffliges Abenteuer. Wer es meistert, kann sich mit Recht über die erbrachte Leistung freuen.

"Once upon a time" ist der erste Teil eines Changeling-Abenteuers, das mit seiner stimmungsvollen Beschreibung zahlreicher schnell wechselnder Schauplätze die Welt des mystischen Irland lebendig werden lässt. Auf der anderen Seite sind die Einflussmöglichkeiten der Helden auf die vorgegebene Handlung leider gering. Noch deutlich dünner sind diese Chancen der Charaktere, im Vampire-Abenteuer "Narreteien", das sich um die Belagerung einer mittelalterlichen Burg entfaltet. Der Ansatz ist jedoch durchaus als Grundlage für ein spannendes Abenteuer geeignet. Unter Streamlining leidet auch das Abenteuer "A dream within a dream" für Cthulhu 1920, darüber hinaus ist die Darstellung der Charaktere nicht immer besonders glaubwürdig, beispielsweise, was einen umgangssprachlich polternden Scotland Yard-Beamten angeht. Außerdem finden sich in dem Magazin der zweite Teil einer Battletech-Zeitleiste sowie ein ganz amüsanter Abenteuerbericht von einer Fading Suns-Gruppe, die so ziemlich alle Möglichkeiten nutzt, um sich möglichst ungeschickt zu verhalten.

Artefakt 9: Im AD&D-Abenteuer "Kessel der Tränen" begeben sich die Helden auf die Suche nach einem verschollenen Prinzen und geraten unter anderem an einen weit überlegenen Ork-Trupp, den es mit List auszumanövrieren gilt. Am Ende der Geschichte steht ein klassischer Dungeon, das von der Architektur her zwar nicht besonders kreativ aufgebaut, dafür aber mit einigen netten Begegnungen ausgestattet ist. Insgesamt also ein durchaus spielenswertes Abenteuer.

Bei "Forscher wider Willen" kommen die Charaktere in arktischer Umgebung dem cthuloide Grauen auf die Spur. Allerdings bleibt die Handlung stellenweise etwas wirr und da die Abenteurer in die Forscherrolle gezwungen werden, gibt es eigentlich überhaupt keine Motivation für sie, "am Ball zu bleiben". Im zweiten Teil von "Once upon a time" verstärkt sich der Eindruck, dass die Helden nur Zaungäste am Rand größerer Ereignisse sind, auf die sie keinen echten Einfluss haben. Mit "Mechball" und "Mechsaufen" werden zwei alternative Spielvarianten für Battletech geboten, die wohl nicht nach dem Geschmack jedes Spielers sind.

Artefakt 10: "Der Sandmann" stellt zur Abwechslung mal ein gelungenes Cthulhu-Szenario dar. Auf der Fährte eines skrupellosen Arztes gelangen die Charaktere in eine stimmungsvoll ausgearbeitete, verstörende Traumwelt, wo sie nicht nur einige Rätsel lösen, sondern auch einen Weg zurück in die Wirklichkeit finden müssen. Die zweite Stärke dieser Artefakt-Ausgabe ist "Kulmbach bei Nacht". Der Hintergrundtext steht am Anfang einer Serie, die Szenarien für Vampire - The Dark Ages im mittelalterlichen Franken bietet. Im ersten Teil geht es um die Herrscher der Stadt, unter denen sich natürlich zahlreiche Kainskinder finden.

"Abgefahren" - nur so lassen sich die Deadlands-Szenarien beschreiben, die sich rund um Tequilla drehen und nicht so ganz bierernst gemeint sind. "Falsche Freunde, falsche Feinde" ist ein Abenteuer für Legend of the Five Rings und spielt vor dem Hintergrund einer Belagerung. Allerdings scheine einige der Taktiken der Angreifer wenig durchdacht, so dass die Helden mit der Situation schnell fertig werden dürften. Im Werwolf-Abenteuer "Schneegestöber" hat man allerdings wieder einmal den Eindruck, dass die Handlung einfach so an den Helden vorbeizischt, ohne dass sie effektiv eingreifen können.

Artefakt 11: "Kulmbach bei Nacht" geht in die nächste Runde. Diesmal stehen die düsteren Charaktere der Stadt selbst und ihre geheimen Verflechtungen im Mittelpunkt. Das spannende Szenario schließt nahtlos an die hohe Qualität des ersten Teils an. Eher eine humoristische Einlage, aber durchaus spielenswert ist ein Shadowrun-Szenario, bei dem die Runner Sozialstunden leisten und für eine gebrechliche alte Dame einkaufen müssen. Einige Szenen dürfte jeder aus dem alltäglichen Supermarkt-Wahnsinn kennen, aber die groteske Überzeichnung macht den besonderen Reiz aus.

Darüber hinaus wird eine Art schottisches "Cthulhu-Hogwarts" vorgestellt. "Die Bücher der Alten" ist gewissermaßen nur ein halbes Cthulhu-Abenteuer. Denn es beschreibt zwar den Weg zu einem mysteriösen Ort detailliert, die eigentliche Handlung wird jedoch nur grob umrissen. Auch "Das Auge Gottes" für Fading Suns reißt nicht gerade vom Hocker, sondern ist eine herkömmliche Dschungel-Tour mit anschließendem Fallen-Parcours in einer Alien-Pyramide. Ein Shadowrun-Soloabenteuer führt schließlich sowohl in die Zukunft als auch in die sagenhafte Vergangenheit Coburgs.

Artefakt 12: Die Franken-Serie geht mit "Würzburg bei Nacht" weiter. Das Cthulhu-Abenteuer "Spurensuche" besticht durch seine lebendige Vermittlung der schottischen Stimmung sowie durch die zahlreichen Fotos, die der Autor anscheinend aus seinem Urlaub mitgebracht hat. Leider fehlt, wie bei vielen anderen Abenteuern, eine Einleitung, die dem Spielleiter kurz und bündig vermittelt, worum es eigentlich geht. Außerdem ist der eigentliche Kern der Geschichte doch recht dünn gestrickt. Im Endeffekt vollführt ein schottisches Dorf grausame Menschenopfer, damit bei den Nachbarn Vieh verschwindet. Wenn man sich jedoch einen glaubhafteren Hintergrund überlegt, könnte aus "Spurensuche" eine sehr spannende Rundreise im verregneten Schottland werden. Das Deadlands-Abenteuer "Familienangelegenheiten" scheint durchaus spielenswert. Allerdings besteht in der Geschichte um eine Ranch und auf seltsame Weise umkommendes Vieh je nach Spielstil entweder die Gefahr, dass die Helden die Story frühzeitig zu einem Ende bringen oder dass sie weitgehend außen vor bleiben, wenn der Spielleiter den Plot mit Gewalt durchziehen will.

"Angelins Liste", ein Piratenabenteuer für Gurps, überzeugt nicht gerade mit Logik, da der Auftraggeber die Helden gegen sich selbst einsetzt. In einem längeren Artikel werden schließlich die asiatischen Vampire der Welt der Dunkelheit vorgestellt, die wenig mehr als den Namen mit ihren westlichen Vettern gemein haben.

Die Illustrationen sind sehr vielfältig, je nachdem, wer an den einzelnen Fanzine-Ausgaben mitgearbeitet hat, und erreichen eine große Bandbreite von Computergrafiken bis zu klassischen Zeichnungen.

Fazit: Die Artefakt-CD enthält eine Fanzine-typische Mischung aus brauchbaren bis zu weniger empfehlenswerten Abenteuern. Herauszuheben sind die Franken-Reihe, "Wild Weasel" und "Der Sandmann". Insgesamt bekommt man aber eine Menge Material für sein Geld, in dem zumindest einige Plots und Schauplätze enthalten sind, aus denen sich mit eigenen Ideen viel machen lässt.




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