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Giftmischer
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 13.08.2005, Serie: Belletristik, Autor(en): Stephen Kenson, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 325, Erschienen: Juni 2005, Preis: 9,00 €


Eigentlich ist es keine atemberaubende Geschichte aus dem Shadowrun-Universum: Eine junge Magierin hat Stress mit ihrem Lehrmeister und möchte ihr eigenes Können unter Beweis stellen. Da kommt die Gelegenheit für ihren ersten, selbst organisierten Shadowrun gelegen. Den Auftrag verpatzt das Team aber ganz gewaltig und kann am Ende mit viel Mühe lediglich den Schaden eindämmen. Was Stephen Kenson mit Giftmischer aus dieser kleinen Geschichte gemacht hat, ist jedoch unbestreitbar einer der besten Shadowrun-Romane überhaupt. Vielleicht gelang ihm dieser große Wurf gerade weil er die Story in einem vernünftigen Rahmen hält und kein Weltrettungsszenario oder zumindest den Untergang eines Drachens oder eines Megakonzerns in ein Taschenbuch quetschen will.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Magierin Kellan Colt. Sie ärgert sich maßlos über ihren Lehrmeister, den Troll Lothan den Weisen. Sie fühlt sich bevormundet, nicht ernst genommen und außerdem finanziell ausgenutzt. Da kommt der Hinweis eines Informanten auf ein angebliches Waffenarsenal der ehemaligen Vereinigten Staaten sehr gelegen: Mit der dort vermuteten militärischen Hardware ließe sich eine hübsche Summe Geld machen, auch wenn die Waffen schon etwas älter sein dürften. Dazu kommt, dass Kellan als Organisatorin des Runs beweisen könnte, was sie drauf hat. Der Haken an der Sache: Das alte Lager liegt mitten in den von den schwer bewachten Stammesgebieten.
Noch während Kellan über das Zusammenstellen eines Teams nachdenkt, wird ihr Informant ermordet. Das stachelt ihren Ehrgeiz nur noch mehr an. Schnell findet sie ihre Leute, macht sich auf die gefahrvolle Tour zum Ort des versteckten "Schatzes" und findet dort tatsächlich etwas. Nur ist jemand anderes schneller, und dieser jemand ist beträchtlich mächtiger als die Shadowrunner-Gruppe. Nur knapp kommen Kellan und ihre Begleiter mit dem Leben davon. als sich dann auch noch ein Konzern einschaltet, scheint alles verloren. Jedoch bekommt die Gruppe genau dadurch die Chance, ihren Gegner zu stellen.

In diese Haupthandlung eingewoben sind eine ganze Reihe von Handlungssträngen. Da ist zum einen Kellans eigene Vergangenheit: Sie sucht ihre verschollene Mutter. Einige der Gestalten in ihrem Umfeld scheinen mehr über Kellan und ihre Herkunft zu wissen, als diese selbst. Der Leser erfährt so viel, dass mehrere Machtgruppen ein Spiel mit ihr treiben, doch auch ihm wird nicht vollkommen klar, was sie vorhaben. Kenson enthüllt geschickt, dass bedeutende Mächte im Hintergrund am Werk sind, aber er begeht nicht den Fehler, sie vollkommen zu enthüllen. Ähnlich geht es im Shadowrunner-Team zu, das mit Kellan zur Schatzsuche aufbricht. Die Begleiter misstrauen einander und fast jeder hat etwas zu verbergen, das zumindest für den Leser aber halb enthüllt wird. Und auch die Gründe für das Eingreifen des Konzerns werden nicht endgültig enträtselt. Man erfährt nur, dass da noch etwas mehr sein muss, als sofort ins Auge springt. Diese geschickte Inszenierung des Intrigenspiels ist die große Stärke des Romans. Es erzeugt nicht nur die Spannung der Story, sondern liefert einige Anknüpfungspunkte für eine Fortsetzung. Einziger Kritikpunkt: Das "große Finale" wirkt ein wenig blass. Aber vielleicht soll dieses verhaltene Ende ja gezielt darauf hinweisen, dass die Story um Kellan Colt noch lange nicht zu Ende ist.

Fazit: Einer der besten Shadowrun-Romane überhaupt. Die Spannung entspringt dabei nur zum Teil aus der eigentlich Handlung. Mindestens ebenso interessant ist das, was die Charaktere voreinander verbergen.




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