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Orient Express III: Von Italien nach Zagreb
Von André Wiesler

Rezension erschienen: 29.06.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Frank Heller (Hrsg.), Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: Mai 2005, Preis: 19,95 €


Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Auch der dritte Teil der "Horror im Orient-Express"-Kampagne ist wieder ein echter Hingucker und prallvoll mit Informationen. Auf 176 formschönen Seiten liefert der Band für rund 20 Euro neben der Fortsetzung der eigentlichen Kampagne umfassende Hintergrundinformationen zu Italien und seinen Einwohnern. Und - ebenfalls wie immer, darum aber nicht weniger bemerkenswert - der Anhang strotzt vor stimmungsvollen Handouts.

Auch einen Qualitätstest ganz anderer Art konnte der Band in Punkto Verarbeitung für sich entscheiden: Nach einem Tauchgang im heißen Schaumbad (wie es dazu kam, möchte ich hier nicht ausbreiten - das Wissen könnte den geschätzten Leser Stabilität kosten) präsentiert sich das Buch etwas gewellt, aber mit tadelloser Bindung und ohne aneinanderpappende Seiten.

Was allerdings die schmucken Uhren am oberen Seitenrand angeht - wir erinnern uns: Im Orientexpress ersetzen sie die Seitenzahlen - so hege ich mittlerweile ernste Zweifel an der Praxistauglichkeit. Schon wenn man zwei oder drei Sachen nachschlagen möchte, macht sich der zusätzliche Zeitaufwand der Umrechnung von Zeitangabe (13:30) zu analoger Uhr und dann die Suche nach dem richtigen "Uhren-Bild" deutlich bemerkbar. Reminiszenzen an die Grundschule flammen auf: "Der Große auf der Zehn ..."

Inhaltlich begeistert der Band diesmal vor allem durch das Setting: Mailand, die Skala, Venedig im Karneval, das sind Orte, die das Herz des Spielleiters höher schlagen lassen. Die Szenarien selbst sind jedoch vergleichsweise gradlinig und mehr als einmal werden sich die Spieler gegängelt fühlen, wenn der Spielleiter nicht behutsam vorgeht. Ohne zuviel zu verraten: Auch vor übernatürlichen Wegweisern macht die Geschichte nicht halt, die im Zuge dessen leider stark profanisiert und ihres Grusels beraubt werden.

Nichtsdestoweniger wird auch der dritte Teil der Kampagne die Spieler unvergessliche Momente in Mailand, Venedig, Triest und Zagreb erleben lassen, und wenn der Spielleiter die Szenarien etwas "entamerikanisiert" und einfühlsam zu leiten versteht, fügen sie sich qualitativ nahtlos in das Gesamtbild ein.

Diesmal ist es das nur locker mit der Kampagne verbundene Szenario "Der große Zugraub" von Peter Schott, dem mein Herz zufliegt, da es eine originelle Idee mit ebenso pfiffigen Lösungsvorschlägen verbindet. Aber auch die Überarbeitung des Venedig-Kapitels durch Robert Maier hat deutliche Glanzlichter hinzugefügt.

Die von Tim Scharnweber und Jan Christoph Steines verfasste Regionalia über Italien weiß vollständig zu überzeugen und liefert neben den notwendigen Grundinformationen auch eine formschöne "Kür". So erfährt man von italienischen Zeitungen, der Rolle der katholischen Kirche in Cthulhu-Abenteuern oder dem italienischen Aberglauben, um nur Einiges zu nennen.

Fazit: Unterm Strich braucht sich der dritte Band der Kampagne nicht hinter den ersten Teilen zu verstecken, was vorrangig an der hervorragenden Überarbeitung der deutschen Autoren liegt. Die Abenteuer sind etwas weniger raffiniert und frei als die vorhergehenden, bleiben aber trotzdem auf einem hohen Qualitätsniveau. Kurzum: Wieder einmal eine reife und empfehlenswerte Leistung der deutschen Cthulhu-Redaktion unter Frank Hellers Führung.




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