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Dunkle Himmel
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 15.12.2000, Serie: Belletristik, Autor(en): Manfred Weinland, Timothy Stahl, Verlag: Zaubermond Verlag, Seiten: 344, Erschienen: 2000, Preis: 29,80 DM


Die Romanreihe "Das Volk der Nacht", dem dieses schmucke Bändchen entstammt, ist eine Horrorsaga, die laut Klappentext "Maßstäbe im Bereich der modernen Phantastik-Literatur" setzt.

Das tut sie in der Tat! Fassungslos blättert sich der Leser durch die hanebüchene Story: Eine übellaunige Vampirrasse trachtet danach, die Menschheit zu unterwerfen. Schon haben sie wichtige Schaltzentralen der Macht in ihre Klauen gebracht. Nur die Halbvampirin Lilith Eden und der Hexer Robert Craven können die geifernde Brut jetzt noch aufhalten; zudem steht ihnen der Zwillingsbruder von Jesus (den die vier Evangelisten bei der Niederschrift des Neuen Testaments mutwillig übergangen haben) zur Seite.

All das ist freilich nichts Neues; Horrorelegien dieser Art gibt es spätestens seit Anne Rice in Hülle und Fülle, und das Autorenduo versucht erst gar nicht, dem Genre etwas Originelles abzugewinnen. Nun, das erwartet man bei einem solchen Pulproman auch nicht. Was man jedoch erwarten kann, ist eine einigermaßen schlüssige und nachvollziehbare Handlung. Die aber sucht der Leser, der (so wie ich) von den vorangegangenen Bänden der Reihe verschont geblieben ist, vergebens. Planlos irrt ein Troß unzähliger Nebenfiguren durch die wirre Handlung - vom sarkastischen Leichenbeschauer über den Werwolf bis zur lasziven Vampir-Lolita ist alles dabei, was wir bereits aus anderen Büchern des Genres kennen.

Angesiedelt ist die Geschichte in einem "apokalytischen Szenario" (Klappentext) - einer Art Billigvariante der "World of Darkness". Voller Staunen erfahren wir, daß im Vatikan eine Päpstin residiert und daß in England die Queen nach einer Regierungskrise das Commonwealth in den Schoß der autokratischen Monarchie zurückgeführt hat. Außer diesen nun wirklich abgeschmackten Plattheiten ist den Autoren jedoch nichts eingefallen, um uns für ihre "apokalytisches Szenario" zu begeistern. Stattdessen holen sie den Hexer Robert Craven aus der Versenkung hervor, der weiland noch für den Lohnschreiber Wolfgang Hohlbein cthuluoide Kreaturen jagte, und setzen ihn auf die Spur der "düsteren Päpstin" Rahel I., eine Ausgeburt der Hölle, die schließlich auch den Hauptgegner der Protagonisten darstellt.

Das alles könnte ja noch als trashiges Potpourri der üblichen Versatzstücke des Groschenromans durchgehen, wäre da nicht der unerträgliche Stil der Autoren. Zielsicher wählen sie in jeder Beschreibung das unpassende Adjektiv (etwa wenn Gesichter wie "aus altem Käse" modelliert erscheinen), schwelgen in Kitsch und Übertreibung. Doch vor allem die Dialoge hauen dem Faß den Boden aus. Der schnoddrige Ramyond Chandler-Tonfall ("Ja, Ma'am!"), den die Autoren zu imitieren versuchen, greift nicht, und manchmal nehmen die Gespräche der Figuren fast surreale Züge an - siehe folgenden Dialog (S.110):

"Ich bin Roscoe. Und du?"
"Mmmaddy..." [...]
"Maddy." Roscoe versuchte sich in einem Lächeln, das kläglich mißlang.
"Hübsch." [...]
"Was tust du hier, Maddy", fragte er weiter. "Bist du -" [...]
"Wo - ?", stieß sie atemlos hervor.
"Wo was?", wollte Roscoe wissen. [...]
"Weg", stieß sie hervor [...]
"Weg?", echote Roscoe. "Was ist weg?" [...]
"Ich! Du ... Wir!"

Gefallen hat mir höchstens die Szene, in der die Päpstin im Vatikan ein CNN-Kamerateam vor laufender Kamera zerreißt. Doch solche überdrehten Einfälle, die für einen Pulproman unverzichtbar sind, sind leider zu selten, und so kann man "Dunkle Himmel" getrost der Kategorie "Zeitverschwendung" zuordnen.




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