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Orient Express I: London
Von André Wiesler

Rezension erschienen: 09.01.2005, Serie: Rollenspiel, Autor(en): u.a. Marion Anderson, Thomas Ligotti, Richard Watts, Frank Heller, Robert Maier, Matthias Oden, Verlag: Pegasus Spiele GmbH, Seiten: 96, Erschienen: 2004, Preis: 14,95 €


Ich gehöre noch zu der Generation, der die Ehre zuteil wurde, die Cthulhu-Kampagne Horror im Orientexpress in der Erstauflage zu spielen. Die Neuauflage, deren erster Band mir nun vorliegt und deren zweiter Band bereits im Januar erwartet werden darf, hat darum zwei Empfindungen in mir erweckt. Zum Einen die Erkenntnis, wie alt ich geworden bin, zum Anderen das Verlangen, die damals grandiosen Abende erneut zu erleben. Diesmal aus der Sicht des Spielleiters.

Und schon der erste Blick in den Band London hat mich in meinem Bestreben bestärkt. Wieder einmal hat Pegasus ein liebevoll und sorgfältig layoutetes, was sag ich, ein sorgfältig designtes Quellenbuch geschaffen, mit einer großen Zahl (beängstigend) passender Fotos und stimmungsvoller Handouts. Dazu gehören unter anderem die Innenpläne des Zuges, die zusätzlich auch noch mal als Poster beigelegt sind.

Es sind auch die kleinen Dinge, die beweisen, dass hier nicht nur die alte Kampagne in neue Buchdeckel geklatscht wurde, sondern dass man sich viele Gedanken gemacht hat. Die Seitenzahlen wurden beispielsweise durch eine Uhr ersetzt, die zum einen dafür sorgt, dass alle Bücher durchgehend "durchgezählt" werden können, zum anderen, dass einen beim Inhaltsverzeichnis das Gefühl beschleicht, den Fahrplan des Zuges vor sich zu sehen.

Die Charaktere werden im London des Jahres 1923 von einem alten Freund auf eine folgenschwere Reise - wie der Titel richtig vermuten lässt: mit dem Orient-Express - geschickt und werden auf ihrem Weg mehr als einmal mit dem Mythos in Kontakt kommen. Mehr soll, vor allem wegen der genialen Spannungsbögen der Kampagne, an dieser Stelle nicht verraten werden.

Der erste Band widmet sich weitgehend der Exposition, also der Vorstellung der wichtigen NSCs sowie des Zuges und seiner Hintergründe. Er gibt einen Überblick über den Verlauf der Kampagne und zeigt auf, was in der deutschen Neuauflage ergänzt wurde. Und das kann sich sehen lassen: Zwei neue Szenarios und eine ganze Reihe erweiterter Regionalbeschreibungen und Hintergründe erwarten den Spielleiter in diesem und den kommenden Bänden.

Leider enthält der Band London keine nennenswerten Informationen über die Stadt London. Hier wird allenthalben auf das verlagseigene Quellenbuch London verwiesen, was verständlich ist, aber zumindest einen kurzen Abriss hätte man dem Spielleiter als Service am Kunden liefern können.

Die in Band I enthaltenen spielbaren Teile sind noch etwas spärlich gesät (das Intro und ein Szenario) und werden die Charaktere wohl nur ein bis zwei Abende beschäftigen. Bei regelmäßigen Runden empfiehlt es sich darum, das Erscheinen des zweiten Bandes abzuwarten, bevor man mit dem Spiel beginnt. Aber spielen sollte man die Kampagne auf jeden Fall! Sie gehört zu dem Besten, was das Cthulhu-Universum bisher zu bieten hat.

Die folgenden drei Bände sollen im Abstand von zwei Monaten erscheinen.

Fazit:Bis auf das "fehlende London" ist der Band rundum gelungen. Er legt mit viel Material (Informationen, Handouts und Bildern) ein solides Fundament für die kommenden Bände und kann stilistisch und formal, wie bei Pegasus schon fast Standard, voll überzeugen.




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