Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Gesellschaftsspiele » Brettspiele » Cluedo Live

Cluedo Live
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 22.06.2005, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Parker Spiele, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 59,95 €

Vielen ist »Cluedo« ein Begriff und im Laufe der Jahre wurden immer wieder Neuauflagen zu diesem Spiel veröffentlicht. Jetzt hat Parker »Cluedo Live« vorgestellt.
Wie auch andere Spielehersteller, hat Parker die Möglichkeiten eines interaktiven, computergesteuerten Spiels erkannt und versucht nun mit »Cluedo Live« an den Erfolg des Klassikers anzuknüpfen sowie ihn damit auch an die Bedürfnisse der heutigen Spielerschaft anzupassen.

Wie schon beim Klassiker, ist es die Aufgabe der Spieler, einen verzwickten Mordfall aufzuklären. Graf Viktor Eutin hat auf Schloss Neubrunn eine Gartengesellschaft veranstaltet. Nach einer privaten Unterredung mit Herrn Wiesental wurde sein Gesprächspartner aufgefunden: tot.

Im Gegensatz zum Klassiker spielt man hier nicht mehr die Verdächtigen, sondern lediglich Besucher des Schlosses, die in die Aufklärung des Falles verwickelt werden. Insgesamt gibt es acht Verdächtige, wobei vier davon alte Bekannte sind, die übrigen aber sind neu.
Die möglichen neun Tatorte liegen um Schloss Neubrunn herum verteilt, man spielt also nicht mehr im Schloss, sondern auf der gesamten Anlage. Die sechs möglichen Tatwaffen wurden ein wenig an die neue Umgebung angepasst. Und so wundert es nicht, dass es zwar kein Seil mehr gibt, dafür aber zum Beispiel ein Hufeisen und eine Baumschere.

Nachdem nun der Spielplan aufgebaut und der auf dem Spielbrett fest installierte Minicomputer hübsch hinter der Fassade von Schloss Neubrunn verschwunden ist, können die Karten verteilt werden.
Je eine Karte aus den gemischten Stapeln von Verdächtigen, Tatwaffen und Tatorten werden in die Geheimakte gesteckt und diese verschlossen zur Seite gelegt. Die übrigen Karten werden gemischt. Da die Spieler nicht die Verdächtigen spielen, ist gleich ein weiteres neues Element hinzugekommen: Jedem Verdächtigen wird eine Indizkarte zugeteilt und in einen mit seinem Namen versehenen, blickdichten Umschlag gesteckt. Die restlichen Karten werden gleichmäßig unter den Spielern aufgeteilt. Durch geschicktes Fragen gilt es im Spielverlauf herauszubekommen, welche drei Karten sich in der Geheimakte befinden.

Eine tragende Rolle spielt der auf dem Spielfeld fest installierte Mikroprozessor mit Sprachausgabe. Die Regie im Spiel selbst hat James, der Butler des Grafen. Die Spieler wandeln nun mit ihren Figuren auf dem Gut des Grafen und können die einzelnen Tatorte besichtigen und eventuell dort anwesende Verdächtige befragen.
Dazu zieht man zu einem gewünschten Tatort und drückt seine Figur leicht auf die Spielfläche. Der Computer registriert diesen Zug und informiert den aktiven Spieler über mögliche Anwesende, die der Spieler dann "befragen" kann. Dazu nimmt er sich die Umschläge der entsprechenden Personen und schaut bei jedem hinein. So kann man prüfen, welche Karte auf keinen Fall in der Geheimakte sein kann. Die auf den Karten dargestellten Verdächtigen, Tatwaffen und Tatorte sind somit außer Verdacht. Diese Chance sollte man wahrnehmen, denn die Verdächtigen wandern auf dem Spielfeld herum. Es wird durch keine Figur angezeigt wo sie sich befinden; allein der Butler gibt Auskunft darüber wo sie sich gerade aufhalten.

Im Anschluss daran hat der aktive Spieler eine von drei Möglichkeiten: Er kann sich am Tatort weiter umsehen, ob sich nicht vielleicht doch noch ein Verdächtiger dort rumtreibt. Falls dem so sein sollte, kann der Spieler auch den Umschlage dieser Person öffnen und sich den Inhalt notieren.
Alternativ kann er aber auch eine Verdächtigung aussprechen. Auf diese Weise kann man versuchen, weitere Informationen von seinen Mitspielern zu bekommen. Man benennt dazu einen möglichen Täter, die Tatwaffe und den Ort. Sofern ein Spieler mindestens eine der genannten Karten besitzt, muss er genau eine dem fragenden Mitspieler zeigen. Hat einer keine, so braucht er auch nichts zeigen. Durch geschicktes Fragen kann man so die Karten seiner Mitspieler in Erfahrung bringen.
Nach einer gewissen Zeit tritt ein neuer Charakter auf den Plan: Kommissar Braun. Da der Kommissar genau wie die Verdächtigen durch die Anlage läuft, gilt es zuerst, ihn zu finden. Sobald der Kommissar vor Ort ist und der aktive Spieler auf dem gleichen Feld steht wie er, kann man Anklage erheben. Wenn ein spieler zu wissen glaubt, welche drei Karten übrig bleiben und Anklage erhoben hat, benennt er seinen Verdacht laut vor seinen Mitspielern. Liegt man richtig, zeigt man die Karten in der Geheimakte und man hat gewonnen. Ist die Anklage falsch, so scheidet man aus und legt die Karten zurück in den Umschlag. Die restlichen Spieler haben jetzt noch die Möglichkeit den Fall zu lösen.

Mit »Cluedo Live« hat Parker nach zahlreichen Neuauflagen nun das Spielprinzip grundlegend verändert. Mit dem Mikroprozessor kommt eine dem aktuellen Trend entsprechende Neuerung ins Spiel. Die Sprachausgabe ist gegenüber allen bisher erschienenden Spielen qualitativ hochwertig und vor allem deutlich verständlich. Die Verwendung unterschiedlicher Stimmen und die Einbindung von den Orten entsprechenden Geräuschen bringt Abwechslung ins Spiel.
Wem der Zug eines Mitspielers zu lange dauert, der kann eine Sondertaste betätigen. Der Butler macht den Spieler dann mehr oder minder deutlich darauf aufmerksam und fordert ihn auf, mal endlich in die Gänge zu kommen. Für Kinder ist dies bestimmt eine recht witzige Angelegenheit. Für Erwachsene wohl aber eher ziemlich überflüssig.
Eine weiterer Clou ist die Spielerverwaltung durch den Prozessor. Dieser bestimmt die Reihenfolge aller Spieler zufällig und so kann es dauern, bis man wieder an die Reihe kommt. Dabei wird aber kein Spieler vernachlässigt.

Die Grafiken des Spiels wurden allesamt moderner gestaltet und präsentieren sich wie von Parker gewohnt in einem ansprechenden Design. Die Spielmaterialien sind allesamt sehr hochwertig. Lediglich die beigelegten Notizzettel wirken unübersichtlich und die Spielkarten hätten ruhig ein wenig stabiler sein können.

Durch geschicktes Fragen kann man schnell seine Möglichkeiten für Täter, Tatwaffe und Tatort eingrenzen. Wenn man nun noch auf die Aktivitäten seiner Mitspieler achtet und dessen Verdächtigungen mit einbezieht, kann man den Kreis noch weiter einengen.
Durch die Prozessorsteuerung der Verdächtigen und des Kommissars muss jeder beständig dem Spiel aufmerksam folgen. Verlässt ein Spieler kurz das Spiel (um zum Beispiel etwas zu holen) ruht das gesamte Spiel, da man nichts verpassen möchte.

Etwas unglücklich gewählt ist wohl die Funktion des Kommissars. Nur wer ihn antrifft, kann Anklage erheben und eventuell das Spiel für sich entscheiden. Mit ein wenig Pech muss man aber erst lange nach dem Kommissar suchen und dann kann durch das Zufallsprinzip ein anderer Mitspieler noch kurz vorher drankommen. So kann sehr leicht ein informativer Vorsprung durch etwas Pech eliminiert werden und einem eigentlich zurückliegenden Spieler zum Sieg verhelfen.

Fazit:
Abgesehen vom "Kommissar-Problem" ist »Cluedo Live« eine gelungene Alternative zu seinem altbewährtem Klassiker. Während die Sprachausgabe Vielspieler doch recht schnell ermüdet, werden Gelegenheitsspieler und Familien mit Kindern an diesem Spiel viel Freude haben.




LORP.de Copyright © 1999 - 2020 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.