Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Computerspiele » Ground Control II

Ground Control II
Von Gregor Mascher

Rezension erschienen: 31.07.2004, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Massive Entertainment, Verlag: Sierra, Seiten: , Erschienen: 2004, Preis: 39,99 €


Im Echtzeit-Taktikspiel »Ground Control II« verteidigt man die heimatliche Kolonie gegen Imperatorin Vlaana und schlägt in der Rolle des Kommandanten Jacob Angelus fordernde 3D-Bodenkämpfe ohne Basisbau.
»Ground Control II« strotzt vor Klischees: ein edler Held, ein Zigarren qualmender General und ein Veteran mit Augenklappe gehören zum üblichen Kriegsdrama-Fundus. Dennoch motiviert die Handlung durch überraschende Wendungen.
Im Zuge der beiden Kampagnen mit je zwölf Missionen befehligt man zunächst die Kolonisten-Armee NSA und danach die Viron-Aliens. Als Gegner halten Virons und das (nicht spielbare) Imperium her.
Fast alle Aufträge drehen sich um die Einnahme neutraler Kontrollpunkte: Je mehr Ziele man erobert, desto stärker fließt das Geld für frische Truppen. Je mehr Truppen man im Einsatz stehen hat, desto langsamer erhält man neue Geldmittel.
Per Iconleiste bestellt man Nachschub, den ein Dropship zu annektierten Landeplätzen bringt. Dieses stets gleiche Grundprinzip verpacken die Designer in die verschiedensten Einsätze. Beispielsweise stürmt man unter Artilleriebeschuss einen Strand oder eskortiert eine Forscherin durch die Alien-verseuchten Straßenzüge einer Ruinenstadt. In drei Missionen schleicht man ähnlich wie in »Commandos« mit einem kleinen Soldatentrupp. Skriptsequenzen sorgen für Spannung: So sieht man zum Beispiel, wie Späher die Flucht ergreifen, um ihre nahen Verbündeten zu warnen. Im Gegensatz zu »Ground Control«, dem Vorgänger-Spiel, darf man bei »Ground Control II« jederzeit speichern.

Raketen oder Schild?
Die NSA führt 15 Einheiten ins Feld, die Viron-Armee 18. Jeder dieser Truppentypen verfügt über einen alternativen Feuermodus. NSA-Raketenwerfer etwa erzeugen auf Knopfdruck einen Energieschild, der nahe Einheiten vor Artilleriebeschuss schützt. Dicke Menschenpanzer hingegen transformieren in den Festungsmodus - dann sind sie zwar unbeweglich, aber schwer zu knacken. Nur wenn man die Modi taktisch klug nutzt und auf die richtige Mischung aus Infanterie, Fahrzeugen und Fliegern setzt, hat man in den Schlachten eine Chance.
Viele Einheiten der außerirdischen Virons unterscheiden sich kaum von ihren menschlichen Gegenstücken - der Raketenwerfer der Aliens dient beispielsweise ebenfalls als optionaler Schutzschildgenerator. Dabei haben die Entwickler eine interessante Idee eingebracht: Zwei Viron-Einheiten gleichen Typs dürfen verschmelzen. So entsteht etwa aus zwei Schwebepanzern ein riesiger Stahlkoloss - natürlich mit Festungsmodus. Bei Bedarf lassen sich die Truppen wieder trennen.

Füße und Flieger
Das Dropship bringt nicht nur Nachschub, sondern bleibt auf Wunsch nach der Lieferung für kurze Zeit vor Ort und greift in die Schlachten ein - Nachschub gibt es solange natürlich nicht, wobei sich über ein Upgrade-Menü der Flieger aufrüsten lässt und so zum Beispiel seine Geschwindigkeit oder seinen Treibstoffvorrat gesteigert werden können, damit er künftig länger übers Schlachtfeld schweben kann.

Granaten von hinten
Dank realistischer Sichtlinien lässt sich das 3D-Terrain auch für Hinterhalte nutzen: Hinter Häusern und Anhöhen kann man Truppen verstecken, um Feinden in den Rücken zu fallen. Der Kamera-Winkel ist stufenlos wählbar und lässt sich mit ein paar schlichten Mausbewegungen einstellen.
Einheiten auf Hügeln richten zudem mehr Schaden an. Wettereffekte sind spielerisch sinnvoll: Regen, Schneefall und Sandstürme verringern die Sichtweite - ideal für Überraschungsangriffe.

Intelligenzschwäche
Die Computergegner haben leider häufig Aussetzer. Soldaten bleiben zum Beispiel selbst auf dem höchsten der drei Schwierigkeitsgraden unter Scharfschützen-Beschuss regungslos stehen. Außerdem greifen die Widersacher meist an derselben Stelle an und umgehen nur ab und zu Vorposten, um Kontrollpunkte im Hinterland zu erobern. Allerdings erledigen die gegnerischen Einheiten auf der höchsten Schwierigkeitsstufe selbst schwere Panzer mit wenigen Schüssen - das sorgt schnell für Frust und nur wirklich abgehärtete Spieler werden bei solchen Schwierigkeiten durchhalten.
Die eigenen Einheiten nehmen häufig Umwege oder bleiben an Hindernissen hängen. So umgeht Infanterie manche Gebäude nicht sondern läuft ständig dagegen und so manches Fahrzeug umfährt Hindernisse nicht sondern bleibt einfach stehen.

Fazit
Ein sehr schön gemachtes Spiel, das durch seine Detailverliebtheit und das gute, taktische Gameplay überzeugt. Mit den KI-Schwächen kann man leben und einige schöne Stunden am Rechner verbringen, auch wenn die stellenweise Übermacht des Computers manchmal recht frustrierend sein kann. Aber wer »Ground Control« gespielt haben sollte, wird über diese Schwierigkeit nur müde lächeln. Für Echtzeit-Strategen und alle, die es werden wollen eine echte Kaufempfehlung.




LORP.de Copyright © 1999 - 2019 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.