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The Psychedelic Avengers and the curse of the universe
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 18.06.2004, Serie: Auditorium, Autor(en): The Psychedelic Avengers, Verlag: Keine Angabe, Seiten: Laufzeit 76:16 Minuten, Erschienen: Juni 2004, Preis: 12,50 €


Das Universum ist groß – unfassbar groß, so dass es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass irgendwo dort draußen eine von Blutdämonen bewachter Raumschifffabrik namens Kraam Crezuum oder ein von lesbischen Teenager-Vampiren bewohnter Planet namens Veneris Prime existiert.
Die Psychedelic Avengers, ein musikalisches Projekt vorwiegend deutscher Musiker, erschließen diese obskuren Orte auf ihrer ersten CD – ein "psych-o-phonic in-head science fiction b-movie for inner-eye listening pleasures", wie die Band ihr Album selbst bezeichnet. Tatsächlich surft die skurrille Space-Odyssee so elegant zwischen musikalischem Experiment und trashigem Klang-Hörbuch hin und her, dass einem Hören und Sehen vergeht. Inspirieren ließen sich die Avengers dabei von der nicht totzukriegenden Science-Fiction-Serie »Perry Rhodan«, wie bereits das Cover des Perry-Rhodan-Illustrators Alencover ankündigt. Mir selbst kam eine andere Assoziation: Hielt ich hier den inoffiziellen Soundtrack zu Douglas Adams' Kultroman »Per Anhalter durch die Galaxis« in den Händen?

Erzählt wird die intergalaktische Reise des Raumschiffs Silver Wing, das in undurchsichtiger Mission durch den Weltraum taumelt. Sein Flug führt durch die gefährlichen Asteriodenfelder von Jugon, durch das Zeit-Raum-Vortex des Eisplaneten Vistar 7 bis hin zu den verlassenen Nebelfeldern von Neveria. Skurrile Abenteuer erlebt die Besatzung, und das triste Leben an Bord wird gelegentlich durch psychedelische Partys aufgelockert, in denen etwa zwei "teenage psycho nymphs from Bebula 5" und mehrere "orgasmatron pills" im Mittelpunkt stehen (Track 6). Die Geschichte lässt sich anhand der Tracknamen nachverfolgen. Die klingen so als wären sie dem Inhaltsverzeichnis eines Groschen-SF-Romans entnommen worden. Tatsächlich gelingt es der Musik, die durchgeknallte Story zu vertonen – in einem wilden Stilmix! Die Avengers servieren in erster Linie spacige Elektronik, doch die Loops der Drummaschine zerfasern immer wieder in den galaktischen Nebeln, wandeln sich zu metallischen Industrial-Klängen (Track 9) oder geben überraschend einer wehmütigen Gitarre Raum, die wie aus einem Italo-Western durch den Weltraum hallt (Track 8).

In drei Großkapitel hat die Band das Album unterteilt. Während am Anfang noch etwas inspirationslos die Klischees der Elektro-Musik bedient werden – unterfüttert mit ein paar SF-Soundeffekten, die man schon aus den 90er Jahren kennt und die einen nicht mehr überraschen können – steigert sich das Album mit Beginn des zweiten Kapitels. Die Tracks werden vertrackter, experimenteller, abwechslungsreicher. Großartige Überleitungen federn die transporierten Stimmungen ab und leiten wie gute Cliffhänger zum nächsten Titel über. Auch die Atmosphäre ändert sich: Während das Raumschiff 'Silver Wing' ersten Kapitel noch etwas unmotiviert, ja, ziellos durch die Galaxie zu schweben scheint, ist das zweite Kapitel energetischer, frecher; und das dritte öffnet sich schließlich dem Pathos: Nach einem Angriff der 'Decterian blood demons', eine verschachtelte Noise-Attacke auf das Gehör, wird im vorletzten Track das Schicksal des Universums besungen – mit traurigem, elegischem Gesang und einer verzerrten Gitarre, so als hätte sich Leonard Cohen in die endlosen Weiten des Weltraums beamen lassen. Großartig!

Mehrere Bands haben an diesem faszinierenden Album mitgewirkt. Dies erklärt den abwechslungsreichen Stil und die gelegentlichen – aber keineswegs gravierenden – Qualitätsunterschiede der einzelnen Tracks. An manchen Stellen vermisst man als Hörer ein musikalisches Leitmotiv, einen Ariadnefaden durch die verschlungenen Routen der Galaxie. Doch dies wird durch den Mut zu musikalischen Experiment und die innovativen Überleitungen wettgemacht, so dass die Songs tatsächlich zu einer Einheit verschmelzen.

Entstanden ist somit ein hervorragendes, in sich geschlossenes Konzeptalbum, das trotz seiner vielen Zutaten ('space, psych, teen, mutant, love, trash, porn, noize and scifi' – siehe Covertext) niemals in den Kitsch abdriftet und in seinen besten Momenten tatsächlich zum 'Wegträumen' in psychedelische Universen einlädt.




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