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Engel: Traumsaaten
Von André Domke

Rezension erschienen: 12.12.2003, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Oliver Graute, Oliver Hoffmann, Kai Mayer, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 120, Erschienen: 2002, Preis: 22,95


Der Verlag Feder&Schwert hat für sein hochgelobtes Rollenspielsystem »Engel« ein Sourcebook herausgebracht, das sich mit dem Grauen der postapokalyptischen Erde beschäftigt: den Kreaturen des Herrn der Fliegen.

So, wie sich das Rollenspielsystem (sofern man dafür die Arkana-Regeln verwendet) und seine Hintergrundwelt grundlegend von den Systemen anderer Anbieter unterscheidet, ging man denn auch bei »Traumsaaten« eigene Wege. Das Quellenbuch ist als Reihe fortlaufender Tagebucheinträge des Fra Domenico, eines ergebenen Dieners der angelitischen Kirche gestaltet,der seine Erlebnisse auf einer mehrere Jahre währenden Beobachtung der grauslichen Geschöpfe des Bösen schildert.

Das Cover des Bandes ist eng an die Gestaltung des Grundregelwerks angelehnt. Die Illustrationen sind sehr gelungen, auch wenn sie von so hoher Qualität sind, dass sie als Tagebuch-Malereien eher Fehl am Platz scheinen.
Die gewählte Schriftart für den Haupttext ist gut zu lesen; die auf handschriftlich getrimmten Bemerkungen am Seitenrand lassen sich dagegen nur mühsam entziffern. Da sie auch kaum Wichtiges beinhalten, ist man geneigt, sie immer öfter zu überlesen. Die zweispaltige Anordnung des Textes auf jeder Seite kann bei unglücklicher Anordnung der Überschriften der Tagebucheinträge den Lesefluss ebenfalls kurzzeitig stören.

Um das ganze Ausmaß des gebotenen Stoffes ausschöpfen zu können, muss der Spielleiter das ganze Buch von vorne bis hinten lesen, denn auf eine Gliederung nach bestimmten Wissensgebieten wurde leider verzichtet. Lediglich im Anhang werden die Kraturen nochmals für das optionale D20-System gebündelt aufbereitet. Die dort aufgeführten Werte dürften für die meisten »Engel«-Spielleiter allerdings höchstens ein Anhaltspunkt für die Stärke der jeweiligen Kreatur sein.

Die Lebensgewohnheiten, Angriffstaktiken und auch das Aussehen der Kreaturen der »Traumsaat« werden sehr detailliert dargestellt und durch die schon erwähnten hervorragenden Grafiken noch besser veranschaulicht.
Die Engel, als Sendbooten und Armee der Kirche, tauchen dagegen nur am Rande auf und geben bestenfalls weitere Informationen. Häufiger wird hingegen der Kampf der »normalen« Menschen gegen die Brut des Bösen beschrieben. Dabei werden allerlei »Gemeinheiten« geschildert, mit denen der Spielleiter seine Gruppe konfrontieren könnte.

Die Tagebuchschreibweise ermöglicht es, einzelne Auszüge als Handouts zu verwenden, um die Spieler vor bevorstehenden Gefahren zu warnen oder ihnen nähere Informationen über die »Traumsaat« zukommen zu lassen.

Abenteuerinspirationen können bestenfalls erfahrene Spielleiter aus den Tagebuchaufzeichnungen gewinnen. Am naheliegendsten wäre da noch das Nachspielen eben jener Reise des Fra Domenico und seiner Gefährten, die selbst einen Besuch des Brandlandes nicht auslässt; also eine Kampagne ohne von Spielern geführte Engel. Eine gewisse Auswahl an Charactertypen für normale Menschen wird durch die Begleiter des Tagebuchschreibers angeboten.

An Kartenmaterial wird allerding nur eine einzige Karte in kleinem Maßstab und ohne größere Anhaltspunkte geboten, die lediglich den geographischen Verlauf der Reise veranschaulicht. Auch auf nähere Beschreibungen der durchquerten Gebiete und Siedlungen wurde größtenteils verzichtet.

So sei denn als Fazit dieses Quellenbuch allen erfahrenen »Engel«-Spielleitern empfohlen, die ihren Spielern die Grausamkeiten der Kreaturen des Herrn der Fliegen nicht ersparen, und daher auch detailliert veranschaulichen wollen.
Diejenigen, die eine Abenteueridee suchen, die einen schnellen Einstieg in die Welt ermöglicht, oder die ein Nachschlagewerk erwarten, werden bei den »Traumsaaten« allerdings nicht fündig werden.




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