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Lodland
Von Mira Sauerbier

Rezension erschienen: 12.03.2004, Serie: Rollenspiel, Autor(en): André Wiesler, Stefan Bogdanski u.a., Verlag: Image 3033 Verlag und Werbeagentur GmbH, Seiten: 226, Erschienen: 2003, Preis: 29,80 Euro


" ... 770, 780 ... ein lautes Krachen schüttelt den Rumpf, rote Warnlampen leuchten auf. Das Schiff sackt schlagartig einige Meter ab und Wasser bricht ein ..."

Eine mögliche Szene in der Welt von LodlanD, die für Spannung in der Runde sorgt. Die schon heute währenden massiven Klimaveränderungen gaben den Autoren dieses Rollenspiels eine reale Vorlage zur Umsetzung Ihrer Idee. Die Entstehung ihrer neuen Welt unter Wasser begründen sie mit einem wissenschaftlichen Fehlschlag. Der Versuch, die fortwährende Erderwärmung aufzuhalten, geriet außer Kontrolle und führte zu einer globalen Abkühlung. Die Ozeane blieben als einziger Ausweg zum Überleben... Dieser Gedanke hat für das Team von "Image 3033" viel Aufwand bedeutet. Sie haben nicht nur ein atmosphärisches Rollenspiel geschaffen, sondern dieses auch mit wissenschaftlicher Beratung auf einen festen Boden gestellt.

Wohnkuppeln sind zur Herberge für die letzten Überlebenden geworden und hieraus entstanden völlig neue Zivilisationen. Auf engstem Raum leben nun Millionen von Menschen allein von den Meeresressourcen. Ein Leben, wie wir es kennen, ist unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Die Bewohner Lods ernähren sich hauptsächlich von Fisch, Meeresfrüchten, Soja- und Algenprodukten. Der Verzehr von Fleisch gilt als seltene Delikatesse und Luxus. Doch nicht nur die vorhandenen Lebensmittel sorgen für eine ganz andere Lebensqualität. Aufgewachsen unter Sonnenlichtlampen mit einer Betriebszeit von 24h, kennt ein Bewohner Lods weder Tag noch Nacht. Stattdessen hat sich durch die beengten Räumlichen Möglichkeiten ein Leben und Arbeiten in Schichten von 8-12 Stunden eingebürgert.

Die Nutzung des engen Raumes ist eine Herausforderung für alle Völker Lods. Die dem Rat der Länder (RDL) anhängenden Gemeinschaften stehen täglich vor den gleichen Schwierigkeiten, die das Leben unter Wasser mit sich bringt. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um primitive oder hochentwickelte Kulturen handelt. Den Alltag bestimmt die Arbeit in Fabriken, genauso wie das Durchleben von Handelsreisen oder das Überleben von Piratenüberfällen. Auch einem Klon oder einem PSI-Begabten gegenüber zu stehen beunruhigt längst niemanden mehr.

Diese Welt mit Ihren Kuppelstädten und U-Booten zieht den Leser leicht in ihren Bann. Neben der detailgetreuen Darlegung des Settings präsentiert sich LodlanD mit einem gut zu handhabenden W100 System. Von der Erschaffung der Charaktere bis zur Erklärung der Regeln findet der Leser greifbar ausformulierte Beispiele, die das Spiel schnell näher bringen. Nach exzessiv ausgearbeiteten Kampfregeln hingegen sucht man in diesem System vergeblich. Kampfhandlungen, wie wir sie aus anderen Systemen kennen (mit Schusswaffen jeglicher Art), wären in einer Kuppelstadt unter Wasser auch mehr als nur "ungesund". Somit schenkten die Autoren dem Schiffskampf ein größeres Augenmerk und widmeten diesem zwei Varianten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.

Allerdings zeigen nicht nur die auf einige Seiten beschränkten Regeln, dass dem Spielleiter weitestgehend freie Hand gelassen werden soll. Die Autoren LodlanDs haben auch durch das Schaffen sogenannter "weißer Flecken" absichtlich Freiraum zur Gestaltung von Abenteuerideen gelassen. So ist es dem Spielleiter problemlos möglich, eine länger währende Kampagne zu planen, ohne Angst vor folgenden Quellenbänden haben zu müssen.

Das Layout LodlanDs bietet dem Betrachter eine Vielfalt von weiteren Informationen und Eindrücken. Das Artwork beinhaltet Illustrationen von Charakteren, Spielszenen, Fahrzeugen und Unterwasserkarten. Von technischen Zeichnungen bis hin zu ausdrucksstarken Charakterdarstellungen lässt LodlanD auch im visuellen Bereich keine Wünsche offen. Das Cover jedoch hebt sich sehr stark von den restlichen Illustrationen ab. Hier wird Stimmung durch die Farbgebung und Unschärfe im Bild erzeugt.

Leider steht die Qualität des Buches in keinem Verhältnis zu der des Inhaltes. Wer LodlanD in Händen hält wird feststellen, dass die Stabilität des Einbandes eher der eines Magazins gleicht. Hierdurch wird das Produkt durch den ersten Eindruck im Vergleich zu anderen Grundregelwerken abgewertet. Image 3033 bietet allerdings ebenfalls eine Hardcoverversion von diesem Werk. Die Hardcoverversion erhält dann das Layout eines Logbuches und ist um einiges kostenintensiver.

Fazit: Schön, dass es mal wieder ein interessantes
System gibt, das sich vom Mainstream abhebt. LodlanD besticht durch einen
reizvollen Hintergrund, ein durchdachtes Spielprinzip und eine ansprechende
Gestaltung. Wer mal etwas anderes als nur die klassischen Settings spielen möchte, dem
ist LodlanD unbedingt zu empfehlen!




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