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De Profundis
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 19.06.2004, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Michael Oracz, Ralf Sandfuchs, Verlag: Krimsus Krimskramskiste, Seiten: 79, Erschienen: 2003, Preis: 7,50 Eur


Irgendwo in den Wäldern Polen lag in einer heruntergekommenen Hütte ein Buch, welches nur darauf wartete, entdeckt zu werden. Als es irgendwann gefunden wurde, war nichts mehr wie es einmal war...

»De Profundis« ist ein Erzählspiel der anderen Art. 2001 wurde es vom britischen Verlag »Hogshead Publishing« veröffentlicht und zur Spielemesse 2003 erschien es bei »Krimsu« auf deutsch.
Der erste Eindruck beim Betrachten des Titelbildes mag täuschen. So kann man fälschlicherweise annehmen, dass »De Profundis« in der »Welt der Dunkelheit« anzusiedeln ist, doch das ist nicht der Fall. Der polnische Entwickler Michael Oracz bezieht sich vielmehr auf die Welt des Autors H.P. Lovecraft und seinen Cthulhu-Mythos.

Fern ab von Bleistift, Würfeln, Charakterbögen und Spielleiter ist es Ziel des Spiels, Briefe zu schreiben und zu lesen. Jeder Spieler versetzt sich selber gedanklich in die Rolle eines Charakters, der mit dem Unfassbaren und unerklärlichen Dingen in Berührung kommt. Das Spiel basiert auf unserer Welt, angelehnt an den Cthulhu-Mythos und spielt bevorzugt in den 20er Jahren.

Sich selbst als Erzählspiel und als Psychodrama bezeichnend beginnt es damit, dass ein Charakter mit einer fiktiven Person Kontakt aufnimmt. Die Basis ist hierbei der Briefverkehr, aber es können durchaus Päckchen und Telegramme verschickt werden. Wichtig ist jedoch nicht nur der Inhalt, der Schreibstil und die Gestaltung des Briefes spielen ebenfalls eine wesentliche Rolle. Wenn ein Charakter verfolgt wird oder psychisch labil wird, so sollte man das nicht nur am Text, sondern auch am Schriftbild erkennen können. Das geschriebene Wort verrät oft mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Zerlaufene Tinte in einem Brief kann z.B. auf einen weinenden Absender schließen, Kaffeeflecken oder ein halbverbrannter Briefbogen sprechen eine eigene Sprache.

Ziel des Spieles ist es, mit anderen zusammen die Barrieren der Realität zu durchdringen und fern ab von klassischen Rollenspielformen die dunklen Dimensionen der Welt zu erforschen. Kenner des Cthulhu-Mythos erkennen zwischen diesem Spiel und den Geschichten von Lovecraft einen Zusammenhang: Lovecraft bediente sich derselben Stilmittel, um das Grauen zu beschreiben. Er setzte seine Charaktere dafür ein, den Lesern einen Schauer über den Rücken zu jagen.

Auf rund 80 Seiten im DinA5-Format gibt der Autor dem Spieler eine Anleitung in die Hand, in die Welt von »De Profundis« abtauchen zu können. In mehreren Kapiteln geht er auf die wichtigsten Elemente ein: die Charaktererschaffung, Stilmittel beim Briefschreiben und Tipps wie man das Grauen mit der realen Welt verknüpft. Wer Beispiele sucht braucht nur das Buch zu lesen, denn es ist ein einziges, großes Beispiel. Das Buch ist eine einzige Briefsammlung, die den Briefverkehr von einer Seite aus wiedergibt. Die einzelnen Texte sind unterhaltsam und flüssig zu lesen. Und besonders wichtig ist: sie machen Lust auf mehr!

Fazit:
»De Profundis« ist nun wirklich kein herkömmliches Rollenspiel. Zwar basiert es auf dem Cthulhu-Mythos, ist aber kein Supplement für »Call of Cthulhu«, sondern ein eigenständiges Erzählspiel. Es eignet sich hervorragend für die Zeit zwischen einzelnen CoC-Runden und ist auch hervorragend für nicht schreibfaule Rollenspieler, die nicht so oft zum Spielen kommen.
Einziger kleiner Wermutstropfen sind die Grafiken im Buch, die durch Verschulden der Druckerei viel von ihrer Qualität und Stimmung eingebüßt haben und jetzt Treppeneffekte aufweisen. Aber das sollte niemanden davon abhalten mal eine ganz andere Art von Rollenspielen zu spielen, fern ab von Würfeln und dicken Regelwerken.




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