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Handelsfürsten & Wüstenkrieger
Von Philipp Kiefner

Rezension erschienen: 31.10.2002, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Britta Herz (Hrsg.), Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 102, Erschienen: 2002, Preis: 20,00 €


"Es gibt wahrscheinlich nur zwei Dinge die unendlich sind. Zum einen
die Dummheit der Menschen und zum anderen die Welt von Myranor"
Sehr frei nach A. Einstein


Der Hintergrundsband Handelsfürsten & Wüstenkrieger (H&W) dient als Erweiterung der Myranorwelt Aventuriens und umfasst die Beschreibung der Wüste Narkramar mit ihren Städten und Bewohnern, der verschiedenen Handelsfürsten der Südostküste sowie einiger Inselvölker des westlichen Thalassionmeeres.
"Dazu kommen Informationen zu den Zauberern der Eshbathi und zum imperialen Haus Rhidaman, zu Waffen der Narkramar, zu den Geheimnissen der inneren Wüste und zur Insel der Riesen, zu Demergatoren der hyänenartigen Rasse der Yachin. Außerdem finden Sie in diesem Band die Fortsetzung der Kampagne um das aventurische Expeditionsschiff Prinzessin Lamea".
Der hier zitierte Klappentext von "Handelsfürsten & Wüstenkrieger" zeigt beispielhaft den Segen und den Fluch dieses Bandes.

Struktur und Aufmachung:
Der neue Erweiterungsband glänzt, wie eigentlich alle Produkte der Myranor-Reihe, durch sein beeindruckendes Titelbild und liebevoll gezeichneten Illustrationen. Schade nur, dass nicht alle beschriebenen Völker auch mit einem eigenen Bild versehen wurde. So bleiben einige Zivilisationen ziemlich gesichtslos.

Die Autoren versuchen eine gewaltige Menge an verschiedenen Regionen, Völkern, Beschreibungen und Begebenheiten in diesem Band zu vereinigen. So kann es leicht passieren, dass sich der Leser von der Flut der exotischen Namen (Eshbathi, Eshbathmar, Makshapuram, Shindrabar, etc.) und Informationen erschlagen fühlt. Die Übergänge zwischen den mitunter sehr unterschiedlichen Regionen sind zu wenig optisch abgegrenzt und thematisch abgerundet. Es fehlt eine gewisse Einheitlichkeit der verschiedenen Kapitel, beispielsweise ein Kasten mit den wichtigsten Daten über die jeweiligen Volksstämme.
Ein wesentlicher Grund sind für die schwache Gliederung und den ungünstig strukturierten Aufbau sind die vielen verschiedenen Autoren des Bandes.

Inhalt:
H&W stellt eine umfangreiche und vielfältige Erweiterung dar. Da ist die Beschreibung von einem Volk mit Reitinsekten, dort geht es um Dermergatoren genannte Tauchboote und an anderer Stelle wird ausführlich auf die Handelsbeziehungen und -rivalitäten der Handelsfürsten eingegangen. So findet sich sicher für jede Heldengruppe etwas Passendes in diesem Band.
Besonders positiv sind die zahlreichen Abenteuervorschläge für die einzelnen Regionen zu bewerten. Zusammen mit den Hintergrundsinformationen kann der Meister Szenarien und Kampagnen entwickeln, die der Rollenspielgruppe monate-, wenn nicht gar jahrelanges Spielvergnügen garantieren.
Bei genauerem Hinsehen fällt allerdings auf, dass ein wenig Improvisationstalent durchaus von Nöten ist. Es wird viel beschrieben, aber es mangelt häufig an konkreten Werten. "Wie viel kostet…?", "Welchen Schaden macht…?", "Wie schnell ist… ?" - solche Frage tauchen an vielen Stellen auf, ohne dass eine Antwort gegeben wird.
Die Verweise auf andere Publikationen sind ebenfalls ein kleines Ärgernis, denn einige Informationen gehören originär in diesen Band (z.B. die Beschreibung der Transportinsekten der Sholai) und es wäre angebracht gewesen sie auch (nochmals) im H&W aufzuführen, damit lästiges Nachschlagen entfällt.
Ein anderer Faktor ist der starke Fokus auf die geschichtliche Entwicklung der Regionen und Volksgemeinschaften. Sicherlich scheiden sich die Geister, ob die Historie einer Gegend, in der die Helden meist nur Außenseiter oder geduldete Gäste sind, diesen Stellenwert verdient.
Möglicherweise hätte man den Platz mit "harten Fakten" und Charakterbeschreibungen wichtiger Persönlichkeiten besser nutzen können.

Die Idee eines Glossars am Ende des Bandes ist, in Anbetracht der Fülle an Bezeichnungen, zwar löblich, doch die Umsetzung lässt leider zu wünschen übrig. Bei einer Seite Umfang kann natürlich nur ein Teil der wichtigsten Begriffe aufgelistet werden. Daher ist es überlegenswert ob man ihn nicht ganz weg lässt.

Natürlich gibt es nicht nur zu kritisieren, sondern auch zu loben. So ist der Anhang mit den Tieren und Pflanzen der Regionen gut gegliedert und informativ. Ein wahres Juwel stellt die Fortsetzung der Abenteuer der Güldenlandmission dar. Hier wurde die richtige Mischung zwischen geschichtlicher Weitererzählung und Szenariovorschlägen getroffen. Durch die Hintergrundsinformationen aus Handelsfürsten und Wüstenkrieger sollte das Material für eine ganze Weile spannendes Rollenspielvergnügen ausreichen.

Fazit
Die Spielhilfe Handelsfürsten und Wüstenkrieger wirkt überladen und strukturell unausgereift. Inhaltlich bietet er viel, bleibt aber häufig zu vage bei konkreten Zahlen und Fakten. Der Band tut sich an vielen Stellen schwer dem Leser ein lebendiges und dichtes Bild der Völker und Regionen zu vermitteln. Hier wird auf wenigen Seiten eine derartige Fülle unterschiedlichster Zivilisationen dargestellt, die durchaus für mehrere Bände gereicht hätte. Weniger wäre hierbei vielleicht mehr gewesen.

Der Band ist für jene empfehlenswert, die keine Probleme mit Improvisation und längeren Ausarbeitungen haben oder die Abenteuer der Güldenlandexpedition nachspielen wollen.
Alle anderen hingegen werden sich über die vielen kleinen Mängel ärgern und sollten doch lieber auf die ebenfalls sehr umfangreichen Abenteuerbände der Myranor-Welt ausweichen.



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