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Renraku Arkologie Shutdown
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 01.07.2000, Serie: Rollenspiel, Autor(en): David Hyatt / Brian Schoner (Hrsg.), Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 88, Erschienen: 2000, Preis: 29,95 DM


Mit "Renraku Arkologie-Shutdown" liegt eines der wohl düstersten Quellenbücher für Shadowrun vor. Im Mittelpunkt steht ein babylonisch anmutendes Bauprojekt des Megakonzerns Renraku: Eine pyramidenförmige Arkologie, die fast 100.000 Menschen Wohnraum, Arbeit und Freizeitunterhaltung bietet, eine vollkommen autarke künstliche Stadt inmitten von Seattle. Kurz nach der Inbetriebnahme beginnen plötzlich die Sicherheitssysteme verrückt zu spielen. Die Arkologie schottet sich nach außen hin ab, der Matrixzugang wird heruntergefahren, und aus dem Inneren des Arkologie dringen Schüsse. Alle Versuche der Konzerntruppen, das Gebäude zurückzuerobern, scheitern.
Anhand von Quellentexten, Berichten, Interviews und Tagebucheintragungen erfährt der Leser nach und nach, was tatsächlich in der Arkologie vor sich geht. Dabei eröffnet sich ihm langsam ein Bild des Grauens: Eine künstliche Intelligenz namens D.E.U.S. hat Besitz von der Arkologie ergriffen und sie in eine technologische Hölle verwandelt. Bizarre Drohnenkonstrukte und über die Matrix manipulierte Menschen kontrollieren die Pyramide, und die überlebenden Insassen werden durch grausame Menschenversuche und willkürliche Ermordungen dezimiert.
Die gesamte Stimmung des Buches ist ausgesprochen düster; statt dem üblichen schnoddrigen Tonfall, den man von Shadowrun kennt, spricht aus den Texten Resignation und Grauen. Leider wird die unheimliche Atmosphäre des Buches durch einige allzu abgedroschene Elemente gestört: Die überflüssige Hierarchie der D.E.U.S.-Jünger, die anhand verschiedenfarbiger Cyberaugen zu erkennen ist; ein Todeslabyrinth, in dem D.E.U.S. die Widerstandfähigkeit des menschlichen Körpers testen möchte; spinnen- und känguruartige Drohnen (siehe auch das trashige Titelbild). Abgesehen von diesen Plattheiten, die man jedoch problemlos weglassen kann, kommt die fatalistische Stimmung in der Arkologie recht gut herüber. Dazu trägt auch die teils im Dunkeln belassene Vorgeschichte bei, in der die KI letzlich als das Ergebnis von Konzernintrigen und typisch menschlicher Hybris erscheint.
In einem knapp gehaltenen Regelanhang werden die Werte und Sonderregeln aufgeführt, die ein Spielleiter zur Hand haben muß, wenn er seine Spieler in die Arkologie führen möchte. Zwei deutliche Mängel fallen allerdings auf. Erstens ist die Beschreibung der Arkologie letztlich zu knapp ausgefallen; abgesehen von einer Auflistung der Stockwerke samt ihrer Funktionen gibt es keine Orientierungshilfen, keine Karten, keine Abbildungen. Der Spielleiter wird wohl oder übel Hand anlegen müssen, bis er ein spielbares Szenario präsentieren kann. Hier wären zumindestens Richtlinien, wie die Arkologie beschaffen ist, hilfreich gewesen, und von einem solchen Produkt könnte man dies auch erwarten. Der zweite Kritikpunkt betrifft die Hinweise zur Matrix in der Arkologie. Immerhin handelt es sich bei dem Gegner der Spieler um eine K.I., die ihren Einfluß auf die Geschehnisse in der Pyramide über die Matrix ausübt. In diesem Zusammenhang fallen die Matrixangaben allzu dürftig aus; hier hatte ich auf einige "Bonbons" für Decker, brauchbare Kampagnenansätze oder ein paar Sonderregeln gehofft.
Alles in allem ist "Renraku Arkologie - Shutdown" das zweifellos originellste Produkt, das in den letzten Jahren für Shadowrun produziert wurde. Die Ausführung allerdings erscheint mir ein wenig hingehuscht. Mit ein bißchen mehr Aufwand hätte man mehr aus dem Thema machen können. Wer sich das Buch zulegt (das für 30 DM zudem arg dünn ist), sollte sich darüber klar sein, daß er noch einige Zeit in die Ausarbeitung der Arkologie investieren muß.




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