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Waterloo
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 30.10.2002, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Alexander S. Berg, Verlag: Phalanx Games b.v., Seiten: , Erschienen: 2002, Preis: 41 Euro


Mitten in den Wiener Kongress platzte eine Schreckensnachricht: Napoleon war am 1. März 1815 aus der Verbannung zurück nach Frankreich gekommen, und die Franzosen jubelten ihm zu. Vor diesem dramatischen Hintergrund wurden die Wiener Verhandlungen zügig beendet. Der Bourbonenkönig Ludwig XVIII. floh ins Ausland, und Napoleon konnte sein Regiment in Frankreich wieder aufbauen.
Die Großmächte reagierten auf diese Bedrohung, indem sie am 13. März die Acht gegen Napoleon aussprachen und sich am 25. März erneut zu einem Bündnis gegen ihn zusammenschlossen. Sie setzten ihre Truppen nach Frankreich in Marsch und bildeten in Wien einen gemeinsamen Kriegsrat. Ihr Plan war es, das englisch-deutsche Heer unter der Führung des englischen Feldmarschalls Herzog von Wellington und das preußische Heer unter dem preußischen Generalfeldmarschall Blücher in Belgien zu konzentrieren.
Um dies zu verhindern, griff Napoleon am 16. Juni die Preußen an und schlug sie bei Ligny. In der Annahme, dass sich das preußische Heer nach dieser Niederlage auf dem Rückzug befinden würde, griff Napoleon am 18. Juni Wellington an, der mit seinen Truppen auf den Höhen von südlich von Waterloo stand. Wellington soll im Laufe der Schlacht ausgerufen haben: "Ich wollte, es würde Nacht oder die Preußen kämen."
Völlig unerwartet für das französische Heer griff noch am selben Abend Blücher deren rechte Flanke an. Die französischen Truppen wurden besiegt, und durch die Verfolgung des Generalquartiermeisters Neidhardt von Gneisenau kam es schließlich zu deren völliger Auflösung. Die "Herrschaft der hundert Tage" Napoleons war beendet. Er lieferte sich den Engländern aus und wurde als Gefangener auf die Insel St. Helena verbannt, wo er am 5. Mai des Jahres 1821 verstarb.

Wie der aussagekräftige Titel bereits verrät beginnt das Spiel auf dem Schlachtfeld von Waterloo. Die Spieler schlüpfen in die Rollen des französischen Kaisers Napoleon und des britischen Herzogs Wellington. Es ist zwar vorgesehen, dass ein dritter Spieler die Truppen des preußischen Generalfeldmarschalls Blücher spielen kann, welche aber auch von dem Spieler der alliierten Truppen übernommen werden können.
Da sich das Spiel stark an der Geschichte orientiert kristallisiert sich schnell heraus, dass die Truppenverteilung wie auch schon 1815 ungleichmäßig ist. Das französische Heer ist hier klar im Vorteil und die preußischen Truppen kommen in der ersten von insgesamt sieben Spielzügen garnicht zum Zug.
Jeder Spieler besitzt einen eigenen Stapel mit Spielkarten. Davon bekommen zu Beginn eines Spielzugs Napoleon 15 und Wellington 12 Karten. Diese können dann innerhalb dieses Zuges in verschiedenen Spielrunden abwechselnd ausspielen. Später im Spiel gleicht sich das Kräfteverhältnis beider Truppen wieder aus, sobald die preußische Armee zum Schlachtfeld stößt.

Die Karten besitzen mindestens zwei aber maximal drei verschiedene Aktionen, wobei man immer nur jeweils eine der Aktionen ausführen darf. So kann der Spieler seine Truppen mit einer Karte entweder bewegen, sie beim Kampf unterstützen oder eine Sonderaktion durchführen um die generische Truppen zu schwächen.

Verwendet man die Bewegungspunkte einer Karte, so darf man diese auf beliebig viele Truppen verteilen um diese auf dem Spielfeld einmalig pro Spielrunde zu bewegen.
Die Kampfpunkte einer Spielkarte können die Truppen im Gefecht unterstützen. Bei Waterloo gewinnt die Truppe die Auseinandersetzung, die die meisten Kampfpunkte besitzt. Die Punkte können noch zusätzlich durch das Gelände modifiziert werden, welches Truppen Deckung bietet oder diese auf Anhöhen kämpfen lässt. Somit kann man starken Einfluss darauf nehmen wer letztendlich das Gefecht gewinnt. Der Glücksfaktor im Spiel wird durch taktisch kluge Züge ersetzt und fast vollkommen außen vorgehalten.
Mit Hilfe der Sonderkarten kann man beispielsweise Artillerie einsetzen um gegnerische Truppen auseinander zusprengen. Die Sammeln-Karte macht die Auswirkung einer Artillerie-Karte wieder rückgängig. Der Befehlshaberbonus sowie der Elitebonus bieten Truppen zusätzliche Punkte in der Bewegung oder im Kampf. Der Kavallerieangriff veranlasst einen gegnerische Sturmangriff einer Reitertruppe.

Nach dem Ausspielen einer Karte führt der Spieler eine der möglichen Aktionen durch. Anschließend darf er einen Kampf ansagen. Dabei ist nicht wichtig, wo die Truppe im Gefecht sich auf dem Spielplan befindet. Er kann auch verschiedene Truppen um einen Gegner sammeln und diese gemeinsam in die Schlacht schicken um so seine Gewinnchancen zu erhöhen. Hierbei ist aber noch anzumerken, dass der Verlierer nicht gleich seine Truppen verliert, sobald sie unterliegen. Er hat entweder die Möglichkeit sich zurückzuziehen oder seine am Kampf beteiligten Truppen werden geschwächt. Die Spielplättchen werden dann gewendet und bekommen so einen verringerten Kampfwert.

Sind die Karten auf der Hand aufgebraucht, von denen man maximal fünf in einer Spielrunde verwenden darf, so endet der Zug.
Nach insgesamt sieben Zügen ist die Schlacht vorbei, meist gibt es große Verluste auf beiden Seiten. Waterloo ist ausgelegt auf einen Sieg nach Punkten. Gewinnen kann entweder Napoleon oder die alliierte/preußische Armee. Man bekommt Siegpunkte für geschlagene Truppen und bestimmte besetzte Gebiete auf dem Spielplan.

In der Spielanleitung wird sehr schön auf den geschichtlichen Hintergrund dieses Spiels eingegangen. Waterloo bietet seinen Spielern die Möglichkeit Geschichte ganz neu zu erleben, fernab von trockenen Geschichtsstunden.
Die Anleitung ist sehr schön beschrieben und viele Aspekte des Spiels werden mit Beispielen näher erläutert. Einziger Wermutstropfen ist, dass Sonderaktionen und die Befehlshaber fast am Ende der Gebrauchsanweisung näher erläutert werden. Für ein leichteres Verständnis wäre eine frühere Platzierung der Beschreibungen sinnvoller.
Die beliegende separate Tabelle mit einer Übersicht der wichtigsten Modifikatoren im Spiel erleichtern den Spielfluss erheblich.
Das Spielbrett selber besteht aus 21 x 15 quadratischen Feldern, welches ungefähr eine Länge 350 Metern von Seite zu Seite besitzt. Die Qualität des Brettes selber ist von der optischen Gestaltung, sowie von der Verarbeitung beeindruckend. Die Spielfiguren sind ausnahmslos aus dicker Pappe und besitzen eine angenehme Größe. Neben der reinen Optik sind Spielfeld und die Figuren sehr zweckmäßig und übersichtlich. Die Zahlen auf den Spielsteinen sind groß und gut lesbar. Angeschlagene Einheiten sind zusätzlich auf ihrer Rückseite mit roten Zahlen versehen, so dass man diese von den nicht angeschlagenen Einheiten leicht unterscheiden kann.
Phalanx Games beweist mit Waterloo eindruckvoll, dass man mit Pappe auch sehr schön gestaltete Spiele entwickeln kann.

Fazit:
Das Spiel setzt sehr gelungen die Schlacht bei Waterloo in Szene, und lässt einen Geschichte vollkommen neu erleben. Durch das ausgeklügeltes Kampfsystem bleibt der Glücksfaktor vollends auf der Strecke. Das Spiel ist ausgelegt auf 2-3 Stunden und durch die logisch strukturierten Regeln kann man auf häufiges Nachlesen verzichten was dadurch den Spielfluss auch nicht trübt.
Die Spielkarten ermöglichen ein abwechslungsreiches Spiel und fordern die Spieler sowohl vom strategischen wie auch vom taktischen Denken. Dadurch gelingt es bei Waterloo eine schon fast unglaubliche Spieltiefe aufzubauen, ohne gleich seitenweise Regeln und Tabellen berücksichtigen zu müssen wie man es bei Tabletops gewöhnt ist.
Einziger kleiner Schwachpunkt ist die bei Spielbeginn immer gleiche Truppenaufstellung, die der geschichtlichen Originalschlacht nachempfunden ist.




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