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Praios Vademecum (PDF)
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 23.09.2013, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Eevie Demirtel u. a., Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 160, Erschienen: 2013, Preis: 15,00 Euro, pdf-Version: 9,50 Euro


Sie verbrennen Hexen und misstrauen Magiern, zugleich sind sie selbstlose Kämpfer, wenn es gegen Dämonen und finstere Zauberer geht. Sie sorgen dafür, dass Adel und Könige fest im Sattel bleiben, schauen ihnen aber auch auf die Finger, damit sie ihre Pflichten gegenüber dem einfachen Volk nicht vergessen. Sie setzen harte Urteile unerbittlich durch, pochen aber ebenso auf Recht und Gerechtigkeit. Es sind die Priester von Praios, dem Götterfürsten, Sonnen- und Herrschaftsgott in Aventurien.

Nun hat auch der Praios-Kult, wie bereits andere der Zwölfgötterkirchen zuvor, mit dem Praios-Vademecum ein eigenes kleines Handbuch bekommen, das ihn größtenteils aus aventurischer Sicht im Detail vorstellt. Dazu gehören Beschreibungen der verschiedenen Segnungs- und Banngesten sowie unterschiedlicher Rituale (unter anderem Mittagsgebet, Gerichtssegnungen und Schuldbekenntnis) ebenso wie längere und kürzere Gebets- und Liedtexte. Spieler erhalten dadurch viel Material für die stimmige Darstellung ihres Praiosgeweihten oder auch eines Laienmitglieds der zahlreichen Orden der Kirche. Viele Liturgien, also die "Zauber" der Geweihten, sind mit zugehörigen Gebetstexten vorgestellt.

Besonders stimmungsvoll sind die Texte über verschiedene Halbgötter und Heilige des Praioskults geraten. Hier klingt die glühende Verehrung dieser Gestalten aus den Zeilen. Ähnliches gilt auch für das Kapitel zur Geschichtsschreibung, deren speziell praiotischer Blickwinkel sehr deutlich wird, insbesondere wenn es um die wenig rühmlichen Taten in der Vergangenheit geht. Selbstverständlich werden auch einzelne Orden, Hierarchie und die lokale Gliederung der Kirche abgehandelt.

Die Darstellung theologischer Prinzipien des Praioskults, beispielsweise Ordnung, Wahrheit, Recht und Buße, wirkt ebenfalls innerweltlich stimmig, aber diese Abschnitte leiden etwas darunter, dass es sich um sehr abstrakte Grundsätze handelt. Zwar nimmt man auch diesen Kapiteln ab, dass ein Praiosgeweihter sie geschrieben haben könnte - allerdings fällt es einigermaßen schwer, daraus Konsequenzen für das Verhalten am Spieltisch zu ziehen.

Auch das vorletzte Kapitel, das im Unterschied zum größten Teil des Bandes aus Spielersicht geschrieben ist, wird kaum konkreter. Nicht umsonst finden sich darin viele kritische und durchaus hilfreiche Fragen, die man für seinen praiotischen Spielerhelden beantworten sollte, aber kaum festgelegte Aussagen. Es ist vielleicht auch gar nicht nötig, aventurische Moraltheorie so tief zu analysieren, um einen Praiosgeweihten gut spielen zu können. Besonders ausführlich und juristisch recht konkret behandelt das Praios-Vademecum dagegen das spannungsreiche Verhältnis der Praioten zur Magie, das in vielen Spielrunden immer wieder zu Konflikten führt.

Auf jeden Fall bietet das Spieler-Kapitel handfeste Hinweise zur Einstellung der verschiedenen Strömungen des Kults bis in den regeltechnischen Aufbau eines solchen Charakters hinein. Spieler erhalten damit die nötige Hilfe, um Praiosdienern eine große Bandbreite zu geben: vom Fanatiker, der überall Ketzer wittert und schnell den Scheiterhaufen anheizt, bis zum Menschenfreund, der Leibeigenen zu einer fairen Behandlung durch ihren adligen Herren verhilft.

Im Gegensatz zu den vorherigen Bänden der Vademecum-Reihe enthält das Praios-Vademecum keine zusätzlichen Liturgien. Dafür gibt es aber ein Kapitel, das die Teilliberalisierung der Kirche nach der bedeutsamen Abenteuerkampagne rund um die Quanionsqueste darstellen soll. Abgesehen davon, dass eine bestimmte theologische Strömung nun als Ketzerei gilt, wirkt die Neufassung der Glaubensgrundsätze jedoch eigentlich nicht so, als ob sich allzu viel geändert hätte. Möglicherweise ist auch dies eine Folge der sehr abstrakten Themen, um die die Praioskirche allgemein kreist.

Das Praios-Vademecum ist, anders als der vorausgegangene Rahja-Band, wieder mit stark holzschnittartigen und dabei sehr gelungenen Illustrationen ausgestattet. Das unterstreicht das Mittelalter-Feeling und passt damit zur großen Rolle, die das Lehnssystem für die Praioskirche spielt.

Anmerkung: Dieser Rezension liegt die elektronische Ausgabe als pdf-Dokument zu Grunde.

Fazit: Das Praios-Vademecum überzeugt durch das farbige und eingängige Bild, das es vom Praiosglauben und seinen Anhängern zeichnet. Damit ist es für Spieler und Spielleiter ein hervorragendes Hilfsmittel zum Darstellen dieses aventurischen Götterkults. Die theologischen Passagen weisen freilich nur einen begrenzten Nutzen am Spieltisch auf, die große Menge an wunderbar stimmungsvollem Material gleicht dies aber bei Weitem aus.




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