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Mumien - die Wiedergeburt
Von Oliver Nothers

Rezension erschienen: 15.10.2002, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jim Comer, Robert Hatch u.a., Verlag: Feder und Schwert, Seiten: k.a., Erschienen: 2002, Preis: 34,95 Euro


Schon immer faszinierten Pyramiden und ihr Inhalt die Menschen - und schon mehrfach hat sich White Wolf für die World of Darkness mit dem Thema "Mumien" beschäftigt. Nun, im "Jahr des Skarabäus", erscheint der entsprechende Quellenband in einer gewichtigen Form, nicht als "dünnes Heftchen". Die deutsche Version von Feder und Schwert liegt uns hier vor.
Vorneweg Komplimente an die Übersetzer und Lektoren - das waren mehr als nur ein paar Schritte nach vorn. Wenn ich an die Zeiten erster übersetzter WoD-Produkte mit Grauen zurückdenke, so bin ich bei "Mumien - die Wiedergeburt" sehr zufrieden. Nur an einigen wenigen Stellen wirkt der Text etwas gestelzt, aber das liegt daran, dass man kaum anders übersetzen kann. Vor allem wird die Atmosphäre, die ich mit diesem Thema in Verbindung bringe, durch passende Texte verdichtet und durch gut gewähltes Artwork und Zitate ergänzt. Was die Aufmachung angeht, gibt es also ein deutliches Plus.
Nun zum Inhalt - und hier ist man erst einmal überrascht: Die eigentlichen Regeln der WoD sind nicht im Buch. Klar, ist ja auch ein Quellenband - allerdings, alles andere findet man, und das auch recht übersichtlich. "Mumien" kann mit jedem anderen WoD-Produkt verwendet werden - das System ist ja bekanntermaßen immer dasselbe, und wie man eine moderne Mumie erschafft, kann der geneigte Leser diesem Werk entnehmen.
Was also sind Mumien, und wie entstehen sie? Nun, hier mag sich unter Umständen derjenige besonders freuen, der so lange vergeblich darauf gewartet hat, dass "Wraith" übersetzt wird. Eine Mumie in der WoD lebt das "dritte Leben", heißt, eine uralte Seele aus vorchristlicher Zeit tut sich mit einer "modernen" zusammen, die eben erst verstirbt, und bietet ihr für diese Zusammenarbeit die Unsterblichkeit - klingt verlockend, hm? Hierbei ersetzt der vorchristliche Teil (ein Bruchstück einer Seele) das entsprechende der modernen Seele, das "makelbehaftet" war - ein Streben nach Perfektion, vor allem aber nach dem Gleichgewicht ist den Mumien eigen. Wenn dies gelingt, so wird sich der moderne "Mensch", der eigentlich gestorben sein sollte, deutlich verändern. Ein korrupter Anwalt würde beispielsweise zu einem Streiter für Gerechtigkeit, der Bestechungsskandale aufdeckt. Ein verschüchterter Theoretiker hätte endlich Mut, den Beweis für seine Theorien anzutreten. Allerdings, ein wirklich "ruhiges" weiteres Leben wird eine Mumie kaum haben – denn das Gleichgewicht der Welt, die Maxime, der die Mumien verpflichtet sind, ist stark gestört: Apophis, ewiger Feind des Ra, gewinnt mehr und mehr die Überhand - und dem stehen die Mumien natürlich entgegen.
Parallelen zum Hintergrund der Gestaltwandler ("Wyrm" und Konsorten) sind natürlich vorhanden, aber "Mumien" bezieht auch komplett den ägyptischen Hintergrund dieser Wesen mit ein - Osiris, der Herr des Totenreiches, ermöglicht den Mumien die Unsterblichkeit, und dort liegt auch ihre Loyalität. Hier ist übrigens sehr gut recherchiert worden - der Hinweis auf die "ägyptologische Fachberatung" von Susi Michels kommt offensichtlich nicht von ungefähr. Insbesondere der Weg, den die Seelen in das und aus dem Totenreich nehmen, die einzelnen Bestandteile der Seele nach ägyptischer Weltanschauung und die Auflistung der Richter der Ma’at zeugen von sehr sorgfältiger Arbeit. Dieser Hintergrund erlaubt ein weitaus atmosphärischeres Rollenspiel als ein bloßer Haufen Statistiken, Werte und Regeln, wie man es anderswo leider oft erlebt. Mit "Mumien" kann man sehr individuelle, ausgefeilte Charaktere erstellen und interessante Chroniken spielen - allerdings ist dieser Spielansatz nicht gerade leichte Kost. Wo erfahrene Rollenspieler sicher eine Menge Spaß haben werden, würde ein Anfänger höchstwahrscheinlich überfordert - aber da das meiner Meinung nach für die gesamte Welt der Dunkelheit gilt, tut das dem Werk in keiner Weise Abbruch. Insofern, viel Vergnügen beim Spiel, und bekommt nicht zu viel Sand ins Getriebe…

Fazit: Sehr gut gelungen, insbesondere die Übersetzung. Fans von "Wraith", aber auch von anderen "übernatürlichen" Rollenspielen, wie "Nephilim", werden hier sicher auf ihre Kosten kommen...




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