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Red Sonja - Die Teufelin mit dem Schwert 2: Die Tochter des Pfeilmachers
Von Michael Mingers

Rezension erschienen: 05.06.2010, Serie: Comics, Autor(en): M. Avon Oeming, M. Rubi, P. Marcos, Verlag: Panini Verlags GmbH, Seiten: 132, Erschienen: 2008, Preis: 14,95 Euro


Red Sonja war zunächst nur ein Nebencharakter in der Conan-Geschichte The Shadow of the Vulture von Robert E. Howard, wo sie als Rote Sonya von Rogatino auftat. Dank ihrer offensichtlichen Schauwerte bekam sie Anfang der 70er ihre eigenen Spin-offs aus den Savage-Sword-of-Conan-Comics, wo sie nach verschiedenen Rüstungen ihren legendären Kettenhemd-Bikini bekam. Diese "Rüstung", ihr hervorragendes Aussehen und ihre Kampfkraft haben das gesamte Fantasygenre bis heute stark geprägt. Seit 2005 gibt es eine neue Comicreihe, die sich alleine der rothaarigen Kämpferin aus der hyperboreanischen Welt widmet und die seit 2008 auch als schicke Sammelbände bei Panini Comics erscheinen.

Im zweiten Teil wird die Handlung aus dem ersten Band lose fortgeführt. Im Zentrum der Erzählung steht diesmal Sonja selbst. Sie kehrt in ihre Heimat Hyrkania zurück und muss in einem befreundeten Dorf feststellen, dass dieses von einer Räuberbande überrannt wurde. Sie rettet ein junges Mädchen, das bei dem Überfall vergewaltigt wurde, und lehrt sie den Weg der Kriegerin, damit sie sich rächen kann. Die Ähnlichkeiten zwischen dem Mädchen und Sonja rufen bei ihr Erinnerungen an ihr altes Leben wach, die dem Leser immer wieder in Form von Rückblenden erzählt werden. Diese sind von drei anderen Künstlern gestaltet, die nicht ganz das zeichnerische Niveau der sonstigen Erzählung erreichen und durch ihre gedeckteren Farbgebung sofort auffallen. Während sich Sonja und das Mädchen der Rache hingeben und zig Feinde mit Köpfchen, Pfeil und Bogen und natürlich dem Schwert ein blutiges Ende bereiten, ist ihnen ein Jäger auf den Fersen, der vom finsteren Gott Borat-Na Fori entsannt wurde, um Sonja zu töten. Doch all das bereitet nur die Bühne für den wirklichen Feind, der hinter allem steckt und sich auf den letzten Seiten des Bandes zum ersten Mal zu erkennen gibt.

Die Rückblicke Sonjas geben ihr endlich etwas mehr Tiefe. Wo Sonja im ersten Sammler vor allem für Fleischbeschauung und Metzeleien sorgte, bekommt der Charakter nun durch die Klärung ihrer Motivation, der Herkunft ihrer Fähigkeiten und der Verbundenheit zu einer Göttin auch eine Geschichte. Keine besonders tiefgreifende oder innovative, aber immerhin. Ebenfalls wird geklärt, wieso sich eine Frau, die eine Vergewaltigung erleiden musste, so freizügig kleidet wie Red Sonja. Sie will damit wie eine Sirene Männer in die Falle locken und ablenken, damit sie leichteres Spiel mit ihnen hat, wenn sie ihnen dann das Schwert in den Körper stößt.
Neben Sonja ist auch wieder der barbarische Söldner Osin mit von der Partie, der sich in Sonja verliebt hat, aber weiterhin eine ziemlich platte Gestalt bleibt. Später stößt auch noch Suumaro hinzu, ein vertriebener Prinz aus dem eisigen Norden. Er ist ein Hexer und folgt der gleichen Göttin, der auch Sonja dient. Er bringt nicht nur einen etwas vielschichtigen Charakter in die Handlung ein, sondern dient auch als Hinweisgeber für Sonja, da sich der dunkle Gott, den sie vernichten will, im Norden einen Körper gibt und damit mächtiger wird als jemals zuvor.

Auch im zweiten Band finden sich ein paar Logiklücken, wenn auch nicht so schlimm wie Vorgänger. Sonja will beispielsweise einen gefangenen Priester befragen, aber dieser wird durch einen Giftpfeil getötet, bevor er ihr Hinweise geben kann. Der Giftpfeil stammt von dem Jäger, der den Auftrag hat Sonja zu töten. Wenn er einen Fingerbreit weiter links gezielt hätte, dann wäre Sonjas Reise nicht erschwert, sondern beendet worden und der Jäger hätte seine Pflicht gegenüber seinem Gott erfüllt. Klar, das wäre nicht dramatisch, wirkt aber extrem unplausibel.

Neben der Cover-Galerie am Ende gibt es auch einen zweiseitigen Artikel über den neu auftauchenden Erzfeind, der bislang nicht nur gegen Conan, sondern sogar gegen die X-Men und Spider-Man antreten durfte! So etwas hätte man gerne ausführlicher auch in den anderen Sammelbänden unterbringen können.

Der zweite Band steigert sich erzählerisch gegenüber dem ersten und gibt den Figuren mehr Tiefe, allerdings auf Kosten des Erzähltempos und der Action. Insgesamt ein Comic, den sich Fans von dreckiger Fantasy aber durchaus einmal ansehen können.




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