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Invasion - Die Ehre des Clans
Von Michael Mingers

Rezension erschienen: 21.01.2011, Serie: Belletristik, Autor(en): John Ringo, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 495, Erschienen: 2009, Preis: 9,95 €


Die Invasion-Reihe von John Ringo war mir bis zu diesem Buch überhaupt nicht untergekommen. Die Schriftgröße seines Namens und der Text über ihn auf dem Backcover lassen ihn als Star der militärischen Science-Fiction erscheinen und die Prämisse der Reihe klingt durchaus spannend. Eine galaktische Allianz diverser Alienrassen landet auf der Erde und bietet den Menschen bessere Technologien an, allerdings nur im Tausch gegen ihre Kampfkraft, denn die Allianz-Aliens sind allesamt friedliebende Vegetarier.
Die Menschen erhalten gute, aber keine überlegene Technologie und dürfen dann siegreich gegen die echsenartigen Posleen ziehen. Um auf die besten Soldaten der Welt zugreifen zu können, ermöglichen die Aliens es, Menschen zu verjüngen, so dass alte Kriegsveteranen wieder kämpfen können. Offensichtlich ist John Ringo der Meinung, dass Vietnam-Veteranen die besten Soldaten der Welt sind, denn diese Gruppe wird zu Elitekämpfern der neuen Menschheit. Sowieso sind Amerikaner die weltbesten Soldaten und Menschen und alle anderen nur lächerliche Weicheier.

Die Ehre des Clans ist der neunte Band der deutschen Reihe, doch der zehnte insgesamt. Der Roman handelt nicht mehr vordergründig von dem Soldaten Michael O’Neal, sondern von Cally, einer hoch gezüchteten, wunderschönen und absolut effizienten Killerin. Sie ist ein wichtiges Mitglied einer Widerstandsbewegung gegen die Macht der Aliens in der Galaktischen Allianz, die sich seit Jahrhunderten bereits darauf vorbereiten (auch wenn die Aliens zum Zeitpunkt des Romans gerade mal 50 Jahre auf der Erde sind).
Was dann auf den etwa 500 Seiten des Romans geschieht, ist eine wirre Ansammlung von faschistoiden Ideen, einem erschreckenden Frauenbild, der Verehrung von Heldentod, der Inszenierung von brutaler Selbstjustiz und Kindersoldaten nicht nur als notwendig, sondern als positiv. Es scheint um irgendwelche Verwicklungen und Verrat zu gehen, doch ist die Handlung derartig wirr präsentiert, dass es bisweilen sogar in einigen Szenen nicht möglich ist zu verstehen, was überhaupt geschieht. Ich habe einige Seiten und Szenen mehrmals gelesen, weil ich schlicht nicht verstand, was dort geschah oder wer gerade handelte. Aber es half nichts, denn es ist einfach grauenhaft geschrieben.

Das wird zusätzlich durch die schlechte Übersetzung verschlimmert. Es wirkt so, als ob der Übersetzer versucht hätte herauszufinden, mit welcher Minimalleistung er dennoch bezahlt wird. So sind einige Begrifflichkeiten wie "need-to-know-basis", "seek-and-destroy" oder schlicht "Yes, sir!" nicht übersetzt, dafür manchmal kursiv. Dafür werden Mörder für jeden "Treffer" bezahlt, in Unkenntnis, dass das englisch "Hit" auch für einen Mordanschlag steht. Was nicht heißt, dass diese Aufträge später im Roman öfters als "Hit" bezeichnet würden. Und das nicht einmal kursiv.

Die Ideen, die in dem Roman publiziert werden, sind bestenfalls als gewalt- und kriegsverherrlichend anzusehen, realistischer aber als faschistoid anzusehen sind. Es gibt ein klares Rassendenken, wobei diejenigen, die am meisten Gewalt ausüben können, als Heroen dargestellt werden. Und damit ist nicht einmal die Gewalteinwirkung im Sinne der politischen Theorie gemeint, sondern ganz klar blanke, offene und zerstörerische Gewalt. Sogar ein 13jähriges Mädchen wird für Mordaufträge genutzt, wobei sie nach ihrem ersten Doppelmord keine moralischen Bedenken hat, sondern total begeistert ist, so dass sie es kaum erwarten kann, ihren Klassenkameradinnen davon zu erzählen, die sicher völlig neidisch werden.

Auch die Aliens die nicht kämpfen, werden konstant von den menschlichen Soldaten als verabscheuungswürdige Schwächlinge behandelt, die sich froh schätzen sollten, für die Menschen Waffen herstellen zu können und sonst keinen Zweck erfüllen würden. Während sich der Anführer der Geheimorganisation nach dem Abschlachten von angreifenden Söldnern angewidert darüber äußert, dass es eine Schande sei, dass Menschen so schlecht kämpfen, ist der finale Kampf zwischen dem Clan und den hervorragend ausgerüsteten Streitkräften der Menschen aus der Allianz, eine konstante Ehrerbietung der hervorragenden kämpferischen Fähigkeiten und deren Opferbereitschaft.
Das führt neben der Rolle der Frauen in dem Roman (fast immer Prostituiert, die dann entweder Opfer, dumme Schlampen oder eiskalte, aber dennoch hormongesteuerte Superkriegerinnen sind) zu einer sehr fragwürdigen Moral. Genau deswegen wurde wohl auch der eigentlich siebte Roman der Reihe namens Watch on the rhine nicht übersetzt, in dem Deutschland ehemalige SS-Soldaten verjüngen lässt, um gegen die Alieninvasion bestehen zu können…

Fazit: Ich habe in meinem Leben einige schlechte Romane gelesen, doch dieses Machwerk schießt direkt in den Olymp der miesesten Schriftstücke, die ich je hatte. Es ist dilettantisch geschrieben, hat eine wirre Handlung, und die vom Autor glorifizierte Moral seiner unfassbar platten Charaktere ist schlicht verabscheuungswürdig.




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