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Phantastik Kalender 2002
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Zeitschriften, Autor(en): Ulrike Pelchen, Verlag: Redaktion Phantastik GbR, Seiten: , Erschienen: 2001, Preis: k.a.

Das Redaktionsteam des Taschenkalenders Phantastik hat sich für das Jahr 2002 als Schwerpunkt ein Nachbargenre des Fantasy-Rollenspiels ausgesucht: In vielen der meist drei- bis vierseitigen Texte geht es um Sciencefiction.
Mit einem sehr informativen einführenden Aufsatz absolviert Thomas Grewe eine kurze Tour durch die SF-Literaturgeschichte, bietet eine sinnige und sofort einleuchtende Definition und stellt verschiedene Subgenres mit zahlreichen Beispieltiteln vor, die Lust zum Selbstlesen machen.
In fünf Artikeln stellen sich verschiedene SF-Projekte vor, die vor allem im Internet aktiv sind. Da diese Vorstellungen offensichtlich von Mitgliedern der jeweiligen Gruppe verfasst wurde, wirken sie oft wie Eigenwerbung; mit unterschiedlichen Folgen. Im Fall von StellarCom und des Corona-Magazins sind Texte gelungen, die das Wesentliche sagen. Der Artikel zum Äon-Team erstickt dagegen in einem Übermaß an Selbstlob. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, zumindest die Homepages durch die Redaktion Phantastik als unabhängige Tester zu bewerten.
Natürlich kommen die Rollenspiele als Thema nicht zu kurz. Über den Kalender verteilte Kurzdarstellungen von SF-Rollenspielen verbinden zwischen den beiden Themenblöcke.
Zu den besten Aufsätzen gehört Stefan Pawlickis "Rollenspiel im Mittelalter". Er schneidet einige Fragen an, die in Kampagnenhintergründen oft zu kurz kommen: Gab es im Mittelalter ein Rechts- und Justizverständnis wie wir es heute kennen? Was ist mit den Anachronismen (z. B. gleichzeitiges Auftreten von Paladinen und barbarischen Kriegern)? Darüber hinaus stellt der Aufsatz Spielsysteme vor, die eine Annäherung an das reale Mittelalter versuchen und diskutiert die Möglichkeiten, die verschiedene Epochen für ein Rollenspiel bieten. Schließlich spricht der Autor einige Probleme des historischen Rollenspiels an, wie etwa die Unveränderlichkeit der Geschichte oder das mangelnde historische Wissen bei Spielern und Spielleitern.
Die Reihe "Phantastische Wesen" hat dieses Mal das Einhorn im Visier. Der Artikel beschreibt die Rolle, die das Wesen in Mythologie und Religion verschiedener Kulturen spielt. Für Spielleiter bietet er eine Fundgrube für den Einsatz von Einhörnern. Ein Bericht aus Frankreich stellt die aktive Rollenspielszene im Nachbarland mit ihren speziellen Systemen, den Verlagen und Magazinen vor, von der man hierzulande sonst kaum etwas mitbekommt. Für die Live-Rollenspieler behandelt der Kalender das Thema Religion und zählt einige Fehler auf, die Spieler von Priestern möglichst nicht machen sollte. Zwei Internet-Vorstellungen befassen sich mit LORP und Vinsalts DSA-Service.
"Aller Anfang ist schwer" könnte über dem Bericht von Bernd Spilker stehen, der die Entstehung der ersten Aufgabe des Fanzines "Midgard Herold" beschreibt. Um zukünftigen Fanzine-Redakteuren den Start zu erleichtern, gibt ein zweiter Artikel Tipps zu Vorbereitung, Layout, Druck und Vertrieb eines eigenen Fanzines. Ein umfangreicher Serviceteil rundet den Kalender ab und liest sich mit Adressen von Vereinen, Verlagen und Fanzine-Redaktionen wie ein Who-is-Who der deutschen Rollenspielszene. Die erstmals aufgenommenen Internet-Projekte sind gleich zu einer der größten Rubriken geworden.
Was die grafische Gestaltung betrifft, fallen neben dem abstrakten Umschlagsbild die zahlreichen kleineren und größeren Zeichnungen im Kalender auf. Sie bilden mit ihren abwechslungsreichen Motiven und vielen Stilen einen Querschnitt durch die Amateur-Fantasykunst. Der eigentliche Kalenderteil reicht mit einer Doppelseite pro Woche sicher nicht aus, um ihn als detaillierten Terminplaner zu nutzen. Aber für das Vormerken des nächsten Spieleabends oder einen Cons ist mehr als genug Platz.

Fazit: Unter den vielen Themen des Taschenkalender Phantastik 2002 ist garantiert für jeden Rollenspieler etwas dabei, vor allem, wenn er oder sie sich auch für Sciencefiction interessiert.




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