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Cluedo Geheimnisse
Von André Wiesler

Rezension erschienen: 25.02.2009, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Parker Spiele, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 29,95 Euro


Ein Mörder geht um, aber nicht mehr im alten Herrenhaus, sondern in einer Luxusvilla, denn das bekannte Spiel um messerscharfe Schlüsse und clevere Recherche hat eine Frischzellenkur verordnet bekommen. Jetzt bewegen sich die Spielfiguren über einen computergenerierten Bodenplan in isometrischer Perspektive, der Räume wie das Heimkino, den Wellnessraum oder das Poolzimmer aufweist. Passend dazu geben sich auch nicht mehr Herrschaften wie Oberst von Gatow oder Baronin von Porz die Ehre, sondern Dennis Gatow, der alternde Fußballstar bzw. Klara Porz, Tochter einer reichen Politikerfamilie.
Der Plan ist an den Look der heutigen Jugend angepasst und wirkt dadurch auf "Oldtimer" wie mich ein wenig steril. Auch ist nicht immer sofort ersichtlich, wo sich die Türen und Zugänge zu einem Raum befinden.

Das Spielprinzip hingegen ist das gleiche geblieben: Die Spieler müssen herausfinden, welcher der sechs Verdächtigen in welchem Raum mit welcher Tatwaffe den Gastgeber ermordet hat. Zu diesem Zweck zieht man mit Hilfe zweier sechsseitiger Würfel über den Spielplan, bis man einen der Räume betreten hat, um dann dort eine Verdächtigung auszusprechen. In der Küche also beispielsweise: Es war Diana Weiss mit der Pistole in der Küche. Vor dem Spiel ist von jeder der drei Kategorien der so genannten Verdachtkarten Orte, Waffen und Täter je eine verdeckt gezogen worden und in einen kleinen Umschlag gesteckt worden. Diese Karten beschreiben den Tathergang. Die übrigen Verdachtkarten werden auf die Spieler verteilt. Der ausgesprochene Verdacht wird nun im Uhrzeigersinn überprüft. Besitzt ein Spieler eine Karte, die den Verdacht widerlegen kann (im obigen Beispiel also Frau Weiss, die Küche oder die Pistole), dann widerspricht er dem Verdacht und der nächste Spieler ist am Zug. Besitzt er keine der Karten, muss der nächste Spieler den Verdacht bestätigen oder widerlegen.
Auf diese Weise ermittelt man mit Hilfe von cleveren Fragen, analytischem Geschick und eines Zettels, auf dem man seine Ergebnisse tabellarisch festhalten kann, welche drei Karten sich im Umschlag befinden und macht sich dann auf den Weg, um Anklage im Poolhaus zu erheben. Liegt man allerdings falsch, ist man aus dem Spiel – man sollte also keine voreiligen Beschuldigungen äußern.

Erschwert wird die Knobelei durch drei weitere Elemente. Zum ersten wird die eigene Spielfigur in einen anderen Raum gestellt, wenn sie in diesem verdächtigt wird. So kann es geschehen, dass man kurz vor dem Raum, zu dem man möchte, sozusagen abgefangen und an eine andere Stelle des Plans gebracht wird.
Zum zweiten besitzt jede der Spielfiguren eine besondere Fertigkeit, die sie einmal im Spiel anwenden kann, beispielsweise zwei Verdächtigungen in einem Zug aussprechen oder sich eine Karte eines anderen Spielers ansehen.
Zum dritten muss man, wenn einer der Würfel ein Fragezeichen zeigt oder man auf ein Fragezeichen auf dem Bodenplan zieht, eine Komplottkarte ziehen. Wird man von einem anderen Spieler über einen Verdacht in einen Raum gezwungen, darf man eine ziehen. Das sollte man sich jedoch gut überlegen, denn neben positiven Effekten, wie einen weiteren Zug anzuschließen, auf ein beliebiges Feld zu ziehen oder sich zu einem Verdacht nicht äußern zu müssen, verbergen sich auch acht Uhren im Kartenstapel, die den Verlauf der Zeit symbolisieren. Zieht ein Spieler die letzte Uhrenkarte, hat der Mörder sich entschlossen, ihn aus dem Weg zu räumen und er ist aus dem Spiel.
Die Komplottkarten und die Sonderfertigkeiten der Figuren fügen dem ohnehin sehr kniffeligen Spielkonzept eine weitere taktische Variante hinzu, die den Spielspaß steigert. Gleichzeitig machen sie das Spiel aber auch so komplex, dass die Altersangabe auf der Packung von 9+ mit Vorsicht zu genießen ist. Gerade wenn ein merklicher Altersunterschied zwischen den Spielern herrscht (Eltern und Kinder z.B.) werden die "Kleinen" sich wohl schwer tun.
Die Spielzeit ist mit 30 bis 60 Minuten überschaubar und auch für einen kurzen Spielabend geeignet.

Fazit: Cluedo ist zu Recht ein Klassiker, der spannende Abende mit rauchenden Köpfen garantiert. Komplottkarten und Sonderfertigkeiten stellen eine gelungene Erweiterung dar, die eine schöne Varianz ins Spielgeschehen bringt und die taktischen Möglichkeiten erweitert. Wer noch kein altes Cluedo zuhause hat, kann ruhigem Gewissens zur Neuauflage greifen. Aber die Neuerungen rechtfertigen durchaus auch für alte Cluedofans eine Kaufempfehlung.




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