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Land des schwarzen Bären
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 14.11.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Daniel Jödemann, Lars Feddern, Katharina Pietsch (Redakteure), Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: 200, Erschienen: 2008, Preis: 30,00 Euro


Eine dicht bewaldete, etwas rückständige Region, beherrscht von einer Vielzahl kleiner Grundherren, die ihre Leibeigenen mit unnachgiebiger Härte knechten: Das ist das Bornland im Nordosten der DSA-Spielwelt Aventurien. Doch so sieht die Region nur auf den allerersten Blick aus. Schaut man genauer hin, und das tut der Regionalband Land des schwarzen Bären auf rund 200 Seiten, dann stößt man auf die Handelsstadt Festum, in der die Adligen wenig zu melden haben, auf das fahrende Volk der Norbarden und auf das rätselhafte, sich langsam anbahnende "Erwachen" des Landes.

Land des schwarzen Bären ist aufgebaut wie alle DSA-Regionalbände. Am Anfang steht eine Chronologie des Bornlandes; von den Vorfahren der Norbarden, die dort einst große Reiche gründeten, über die Theaterritter, die die großen Goblinreiche zerschlugen und den Grundstein für die bornische "Adelsrepublik" legten, bis zu den jüngsten Ereignissen, in deren Verlauf die Fernhändler auch zu politischer Macht gelangten. In den folgenden Abschnitten über Landeskunde, Natur, Alltag und Politik wird klar, welche realen Vorbilder für das Bornland eine Rolle spielen: Eine Adelsrepublik gab es in Polen, Trachten und Kultur erinnern an das mittelalterliche Russland und die strikte Leibeigenschaft an beide Länder, während die wenigen mächtigen Handelsstätte sich zu einem Bund zusammengeschlossen haben, der die nordeuropäische Hanse als Paten nicht leugnen kann.

Anschließend taucht der Band in die einzelnen Regionen ein. Dabei differenziert sich das Bild des "wilden Bornlands". So ist die Mark im Süden tatsächlich vom dichten Wald bedeckt, in dem sich menschliche Siedlungen nur vereinzelt durchsetzen. Dafür herrschen die Bronnjaren, die Adligen des Landes, in der rauen Pionierregion mit unerwartet sanfter Hand. Ja, es findet sich sogar eine beträchtliche Zahl freier Bauern. Sewerien stellt dagegen den "russischsten" Teil des Bornlandes dar. Dort ist der Adelsherr unumstrittener Herrscher über Leben und Tod. Ähnlich mächtig ist nur noch der Winter, der in dieser nördlichen Region mit voller Härte zuschlägt. Vom Festenland mit seinem verträglichen Seeklima aus begannen einst die Theaterritter mit der Eroberung des Landes. Dort ist die Natur in vergleichsweise hohem Maß gebändigt und vom Herren bis zum Leibeigenen versteht man sich als Angehöriger eines traditionsbewussten, kriegerischen Volksstammes. Jedes dieser Kapitel geht auf Ansiedlungen oder andere geographische Besonderheiten und noch einmal kurz auf die Mentalität der Bewohner ein. Am Ende finden sich kurze Darstellungen der wichtigsten Adelsfamilien mitsamt Wappen. Kürzere Abschnitte befassen sich mit dem unheimlichen Rotaugensumpf, dem Bornwald, in den sich wegen des Riesen Milzenis kaum ein Mensch wagt, und den verschiedenen Städten. Der Hafenstadt Festum ist wegen ihrer Größe und ihren Besonderheiten ein eigenes, umfangreicheres Kapitel gewidmet. Schließlich hat sich dort nicht nur eine einflussreiche Händlerschicht gebildet, sondern die Stadt beherbergt auch Goblins als weitgehend gleichberechtigte Bürger, während die affenähnlichen Wesen fast überall sonst in Aventurien als Monster oder Ungeziefer gejagt werden. Das Überwals, ein weitgehend gesetzloses Landstrich mit selbst für bornische Verhältnissen widriger Natur, und das Gebirge der Roten Sichel mit Uhdenberg als "Stadt der fünf Völker" bekommen jeweils einige Seiten beschreibenden Textes.

An die detaillierte Landesdarstellung schließen sich zwei "Völkerkapitel" an. Zunächst geht es um die Norbarden, das fahrende Volk Aventuriens, das mit seinen bunten Wagen zwar fast überall anzutreffen ist, aber im Bornland besonders häufig seiner Wege zieht. In diesem Kapitel erfährt man etwas darüber, dass die Norbarden einst sogar große Reiche beherrschten, erhält einen Einblick in ihre Religion, die im Kern vielleicht der älteste von Menschen fortgeführte Kult in Aventurien ist, und lernt ihre von Frauen beherrschte Gesellschaft kennen. Auch wer sich als Spieler oder Spielleiter näher mit den Goblins befassen möchte, erhält auf fast 20 Seiten tiefgreifende Informationen über das oft unterschätzte Volk der Rotpelze. Die Beschreibung arbeitet die Unterschiede zwischen den Goblins in den wilden Stämmen und den wenigen heraus, die in den menschlichen Städten mehr oder weniger geduldet werden. Sowohl in den beiden Völkerportraits als auch in den geografischen Abschnitten sind immer wieder Infokästen eingebaut, die Tipps zum Erschaffen von Spielerhelden mit dem jeweiligen Hintergrund geben.

Ebenfalls nach bewährter Regionalband-Praxis werden im Anhang wichtige Figuren der Region ausführlicher dargestellt – von der Adelsregierung bis zur einflussreichen Schamanin der Goblins. Auch das Bornland erhält schließlich ein Kapitel über "Mysteria et Arcana", in dem Handreichungen für Spielleiter zu den magischen oder anderen Geheimnisse der Region enthüllt werden. Eine besondere Stellung nimmt das "Erwachen" des Landes ein. Denn überall scheinen sich alte Naturkräfte wieder zu rühren: Aus dem Rauschen alter Baumriesen hört manch einer rätselhafte Weissagungen, Steinstatuen, von denen keiner weiß, wer sie errichtet hat, beginnen zu bluten und auf Schlachtfelder aus vergangenen Zeiten treten plötzlich Gebeine zutage. Zu viel wird über dieses Phänomen jedoch nicht verraten. Das bleibt zukünftigen DSA-Veröffentlichungen vorbehalten.

Mehrere Karten des Bornlands und einiger großer Städte komplettieren den Band. Ob dabei der kleine historische Kartenteil unbedingt hätte sein müssen, kann man allerdings fragen. Die Wanderung der Norbarden wird jedenfalls aus dem Text schon hinlänglich klar und hätte nicht unbedingt grafisch aufgearbeitet werden müssen.

Fazit: Das Bornland bleibt eine der spannendsten Regionen Aventuriens, zumindest wenn man klassischer, ritterlicher Fantasy mit "osteuropäischem" Einschlag und Wildnisabenteuern etwas abgewinnen kann. Land des schwarzen Bären stellt diese Möglichkeiten des Bornlands umfassend dar und macht auch auf die weniger offensichtlichen Möglichkeiten der aufstrebenden Handelsstädte aufmerksam. Gespannt darf man sein, welche Rolle das "erwachende" Land in der weiteren aventurischen Geschichtsschreibung spielen wird.




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