Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Belletristik » Fantasy » Necromancer

Necromancer
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 20.07.2008, Serie: Belletristik, Autor(en): Martha Wells, Verlag: Heyne Verlag, Seiten: 702, Erschienen: 2008, Preis: 15,00 Euro


In der Stadt Vienne ist die Magie etwas Alltägliches. Jeder nutzt sie und Magier sind hoch angesehen, sofern sie sich nicht mit den dunklen Seiten der Zauberkunst, der Nekromantie, beschäftigen. Mit eben dieser bekommt es allerdings Nicholas Valiarde zu tun, Gentleman-Einbrecher und steckbrieflich gesuchter Schurke im Land Ile-Rien. Nachdem ein Racheakt an seinem Erzfeind, dem sinistren Count Montesq, spektakulär gescheitert ist, gerät er auf die Spur des angeblichen Geisterbeschwörers Dr. Octave, der sich angeblich mit allerlei verbotenen magischen Praktiken befasst. Mit seiner Geliebten Madeline sucht Nicholas den Doktor auf und findet sich im Mittelpunkt einer großangelegten Verschwörung wieder, die ganz Vienne verändern soll.

Martha Wells, bekannt geworden durch ihre Romane zur SF-Serie Stargate Atlantis, legt mit Necromancer eine eigenwillige und originelle Variante des Fantasy-Stadtromans vor. Statt einer gediegenen Mittelalterkulisse wählt sie das viktorianische Zeitalter und zeichnet Vienne als eine geheimnisvolle Metropole im industriellen Umbruch. Ähnlich wie in Ian MacLeods Roman Aether übernimmt dabei Magie die Rolle von Dampfkraft und Elektrizität. Gewirkt wird sie von Magiern, die magische Wesen als Alarmanlagen, Industriearbeiter und Lichtspender für die bourgeoise, selbstgefällige Elite des Landes Il-Rien erschaffen. Anklänge an Steampunk- und Cyberpunkelemente à la Shadowrun sind dabei nicht zufällig. Auch die Stadt New Crobuzon von China Mièville könnte hier Pate gestanden haben. Wells Entwurf ist ähnlich verschroben, die Handlung selbst folgt allerdings weitgehend konventionellen Pfaden: Großangelegte Verschwörungen, ausgeklügelte Diebestouren in dunklen Kanälen, Katakomben und Kavernen, das ein oder andere Duell und ein satter Anteil Magie. Das alles ist jedoch so elegant und atmosphärisch geschrieben, dass man den Zylinder vor Martha Wells ziehen muss. Denn die Stimmung der fiktiven Stadt Vienne hat die Autorin in starken Bildern eingefangen, die auch nach der Lektüre im Gedächtnis bleiben. Auch die Hauptfigur ist gut entwickelt. Der Leser folgt dem sympathischen Gentleman-Gauner Nicholas gerne auf seinen Raubzügen und Abenteuern, auch wenn die sich später abzeichnenden Brüche in der Charakterzeichnung zu vorhersehbar sind. Abgesehen von diesem Manko ist Necromancer jedoch eine gelungene Mixtur von Fantasy-, Horror- und Steampunkelementen, die dem New-Weird-Trend der modernen Phantastik folgt und dennoch eigenständig bleibt. Hoffentlich wird man in Zukunft noch mehr von Martha Wells und dem Land Il-Rien lesen.




LORP.de Copyright © 1999 - 2019 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.