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Das zerbrochene Rad (Bd 1: Dämmerung, Bd. 2: Nacht)
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Belletristik, Autor(en): Ulrich Kiesow, Verlag: Wilhelm Heyne Verlag, Seiten: je ca. 700, Erschienen: 2001, Preis: je 15,55 DM

Endlich ist Ulrich Kiesows großer DSA-Roman auch als Taschenbuchausgabe erhältlich, aufgesplittet in zwei Einzelbände. Kiesow, der - inzwischen verstorbene - geistige Urheber Aventuriens, widmet sich darin der borbaradianischen Invasion des im Norden gelegenen Bornlandes. Man merkt deutlich, wieviel Herzblut Kiesow an diesen Landstrich verloren hat; ausschweifend schildert er die russisch angehauchte Landschaft mit ihren despotischen Fürsten (den Bronnjaren) und der lebhaften Bauernschaft. Es finden sich Anklänge an Tolstoi und Astrid Lindgren, und gerade die Szenen auf dem Land sind überzeugend in Szene gesetzt. Auch die grobe Rahmenhandlung (der düstere Bronnjar Uriel von Notmark versucht im Bund mit Dämonenmeister Borbarad das Bornland unter die Knute zu zwingen) bietet genügend Stoff für einen spannenden Roman.
Woran Kiesow jedoch scheitert, ist die Bändigung seiner eigenen Kreation: Das farbenfrohe Aventurien mit seiner überbordenden Fülle an Magie, geheimnisvollen Kreaturen und Mächtekonstellationen. Zu viele Personen beherrschen die Handlung, zu viele aventurische Details werden als selbstverständlich vorausgesetzt und der Geschichte aufgepropft. Manche Abschnitte sind gar Wort für Wort der Bornland-Box entnommen. An anderen Stellen verliert Kiesow das Gespür für die russisch-mittelalterliche Atmosphäre des Bornlandes: Die Ansichten der Thesia von Ilmenstein zur Ständegesellschaft passen eher ins irdische 19. Jahrhundert als in das Aventurien der Borbarad-Ära.
Doch man sollte nicht unfair sein: Kiesows Stärke liegt in seiner spürbaren Liebe zu der Welt Aventurien, die in anderen DSA-Romanen fehlt. Gerade der erste Band ("Dämmerung") enthält erstaunliche Szenen. Ein Glanzpunkt ist die Schilderung eines aventurischen Brettspiels zwischendem spielwütigen Gatten der notmärkischen Adelsmarschallin und der berüchtigten Zauberin Nahema Tamerlein. Auch der Bösewicht Uriel von Notmark, die "Warzensau", hat ein paar starke Auftritte, und das Kapitel, in dem Borbarad höchstpersönlich für einen kurzen Moment in Erscheinung tritt, weiß ebenfalls zu überzeugen. Der zweite Band ("Nacht") fällt leider spürbar ab und verliert sich in Belanglosigkeiten und ermüdendem Schlachtenpathos.
Trotz dieser Mängel zählt "Das zerbrochene Rad" zu den besseren DSA-Romanen. Es ist bedauerlich, daß Ulrich Kiesow so früh in Borons Reich gerufen wurde - er hätte uns vielleicht eines Tages mit einem wirklich großen Wurf überrascht.




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