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Märchenwälder Zauberflüsse
Von Stefan Moriße

Rezension erschienen: 23.03.2008, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Momo Evers, Matthias Freund, Michael Masberg, Sebastian Thurau, Uli Lindner, Verlag: Ulisses Spiele, Seiten: , Erschienen: 2008, Preis: 18,00 Euro


Märchenwälder, Zauberflüsse heißt Abenteuerband Nummer 153 für das Fantasy-Rollenspiel Das Schwarze Auge. Politische Verschwörung oder Massenschlachten, die über das Schicksal ganz Aventuriens entscheidet, sind in dieser Anthologie nicht zu finden. Vielmehr geht es um heroische Abenteuer, die später am Lagerfeuer erzählt werden. Und dazu reichen Begegnung mit Feen, verzauberte Wälder und hilfsbedürftiger Menschen aus, die auf die Hilfe mutiger Helden angewiesen sind.
Der Band baut dabei lose auf der Abenteuersammlung Verwunschen & Verzaubert auf, die ebenfalls märchenhafte Kurzabenteuer enthielt. Dieses Konzept führt Momo Evers als zuständige Redakteurin nun fort und hat eine bunte und überaus abwechslungsreiche Mischung zusammengestellt. Kann sie damit den ersten DSA-Märchenband noch überbieten?

Den Auftakt macht das Abenteuer Der Baum und das Mädchen von Michael Masberg. So konventionell der Titel auch klingt, so ungewöhnlich beginnt das Abenteuer. Die Helden starten nämlich in der Hafenstadt Sinoda, und damit auf der noch immer von den Dämonenschergen heimgesuchten Insel Maraskan. Ein einfacher Auftrag einer Alchemistin führt die Gruppe ins Inselinnere, wo sie von eigenartigen Spukerscheinungen hören. Es dauert nicht lange, bis sie selbst damit in Berührung kommen. Was sich dahinter verbirgt, ist allerdings weniger gruselig, sondern vielmehr tragisch: ein junges Mädchen, das zwischen Leben und Tod gefangen ist. Und so, berührt von dem Schicksal des Kindes, suchen die Helden nach einer Möglichkeit, das Mädchen wieder in die Welt der Lebenden zurückzuholen.
Das Abenteuer hält sich eng an klassische Märchen, die in ihrer volkstümlichen Version ebenfalls gruselig und düster ausgefallen sind, fügt aber neue Nuancen hinzu. Der Baum und das Mädchen ist linear aufgebaut, lässt dem Spielleiter in Zwischenepisoden aber immer genug Freiraum. Den Höhepunkt bildet die Begegnung mit einem Tierkönig, der jeder Gruppe gehörig Spaß bereiten dürfte. Alles zusammen ergibt das einen gelungenen Mix, der zu überzeugen weiß.

Der letzte Wunsch von Matthias Freund hat keine Schwierigkeiten, diese Qualität zu halten. Das Abenteuer ist klassisch aufgebaut mit der Anwerbung der Helden, einer Reise als Mittelteil und einem Finale in einer elementaren Villa. Von der Form her also nicht sonderlich spektakulär, kann es durch seine schönen Einfälle glänzen. Im Mittelpunkt steht eine Rose aus Eis, die es zu zerstören gilt. Dafür bedarf es keiner Kampfeskraft, sondern vor allem geschickten Denkens der Helden. Die Reise bis zur Villa, in der sich die Rose befindet, ist gespickt mit märchenhaften Rätseln, die gelöst werden müssen. Meist stehen mehrere Wege offen. Selten ist es der direkte Weg, sondern einer, der mit etwas Kombinationsgabe gefunden werden kann. Als Referenz dient hierbei ein Märchen, das den Helden zu Beginn der Geschichte vorgetragen wird. Die Rätsel sind insgesamt leicht bis mittelschwer, Kenner des aventurischen Hintergrunds, vor allem solche, die bewandt sind im Umgang mit Elementen, sind aber klar im Vorteil.

Um eine verbotene Liebe zwischen dem Sohn einer Bronnjarin und einer unfreien Magd geht es in Riesige Liebe von Sebastian Thurnau. Das Schiff, auf dem die Heldengruppe angeheuert hat, wird bei einem Anlegemanöver beschädigt. Die Reparatur nimmt viel Zeit in Anspruch, so dass die Helden in dem kleinen Hafenstädchen Bornstein festsitzen. Dort erfahren sie, dass Tuljoff, der Sohn der Bronnjarin von Bornstein, spurlos verschwunden ist. Nachdem sie sich bereit erklärt haben, den Jungen zu suchen, führt sie die Spur durch den Bornwald hin zu einem Magierturm. Dort entdecken sie jedoch nicht den Jungen, sondern ein Mädchen, das in einen Tiefschlaf verfallen ist. Eine Fee hat sie auf Wunsch eines Riesen verzaubert. Denn es handelt sich um die Geliebte des verschwundenen Bronnjarin-Sohnes und erinnert den Riesen eine Zeit, in der er selbst noch ein junger Mann war und ein unfreies Mädchen liebte – diese Liebe jedoch nicht erwidert bekam. Auf diese Art will der Riese die Liebe der beiden Menschen testen, dumm nur, dass nicht Tuljoff, sondern die Helden gekommen sind. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, und die Helden begeben sich wieder in den Bornwald, um Tuljoff zu finden und ihn zu seiner Angebeteten zu bringen.
Eine Liebe mit Hindernissen und ein verschmähter, aber im Herzen gutmütiger Riese sind die Zutaten, aus denen dieses DSA-Märchen gemacht ist. Wen ein wenig Romantik nicht stört, der erlebt mit Riesige Liebe den bisherigen Höhepunkt dieser Anthologie.

Uli Linder führt die Helden in Eichhornschweif und Schmiedeschürze in die Schwarzen Landen. Zunächst gilt es, sich in die im Jahr des Feuers zerstörte Stadt Wehrheim vorzukämpfen, in der des Nachts die Geister der Toten und Zombies ihr Unwesen treiben. Dort treffen sie auf Verbliebene der Hämmerlinger, Wehrheimer Kobolde, die im Dunkeln eingestürzte Gebäude wieder errichten und auch sonst den Menschen zur Hand gehen. Nun brauchen sie jedoch die Hilfe des großen Volkes, denn die Argolax-Familie ist vor kurzem ohne eine Nachricht aufgebrochen und wandert schutzlos durch die Schwarzen Lande. Die Helden müssen sie schnellsten finden und sicher an ihr gewünschtes Ziel bringen. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, denn skrupellose Söldner und Dämonen kontrollieren die Gegend.
Im Abenteuer von Uli Linder geht es deutlich rauer zu als in den anderen Abenteuern dieser Sammlung. Die Reise durch die Schwarzen Lande ist wenig märchenhaft, sondern vor allem brutal und gefährlich. Umso größer ist dann aber der Kontrast, wenn die Helden mit den Kobolden in Kontakt kommen oder für kurze Zeit in die Anderswelt gelangen.

Den Abschluss bildet schließlich Falkenherz von Michael Masberg: Die Helden werden damit beauftragt, einem alten Märchen nachzugehen. Nach einigen Nachforschungen in Altnorden, einem kleinen Dorf in Weiden, stößt die Gruppe auf den Trutstein, der von der Bevölkerung gemieden wird. Die Helden machen sich natürlich trotzdem auf dem Weg dorthin und begegnen dem Geist eines Spielmanns, dessen Körper im Stein gefangen ist. Weil er sowohl einer Fee wie auch einer Hexe verfallen war und sich nicht entscheiden konnte, wem er seine Liebe schenken sollte, verlor die Hexe die Geduld und umschloss ihn mit Stein. Seitdem hofft er darauf, dass er eines Tages wieder befreit und endlich Ruhe finden wird. Nun liegt es an den Helden, die noch immer lebende Hexe aufzusuchen, damit sie ihren einstigen Geliebten aus seinem Gefängnis befreit. Doch die Hexe will nur einwilligen, wenn die Fee ihren Anspruch auf den Mann aufgibt.
Auch dieses Abenteuer dreht sich in weiten Teilen um die Liebe. Die Helden müssen dabei geschickt vorgehen, wenn sie sowohl die Hexe als auch die Fee davon überzeugen wollen, ihre Streitigkeiten beizulegen. Einfühlsamkeit und Überzeugungskraft sind es, mit denen der Geist des Spielmanns befreit werden kann.

Fazit
Märchenwälder, Zauberflüsse wird einer Märchenanthologie mehr als gerecht. Die enthaltenen Abenteuer decken ein breites Spektrum von romantischen Märchenelementen bis hin zu Gruselthemen ab, die ersten drei sind an Einsteiger gerichtet, die letzten beiden verlangen ein wenig mehr Arbeit vom Spielleiter. Die Abenteuer sind erfrischend und originell und lassen in der Regel mehrer Lösungswege zu, auch wenn der Weg zum Ziel meist linear verläuft. Das ist jedoch zu verschmerzen und trübt den Gesamteindruck in keiner Wiese. Nach Verwunschen & Verzaubert kann also auch für diese zweite DSA-Märchensammlung eine uneingeschränkte Empfehlung ausgesprochen werden.

Rezension zu Verwunschen & Verzaubert: http://www.lorp.de/rezensionen/show.asp?id=661




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