Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Rollenspiel » Das Schwarze Auge » Palast der goldenen Tiger

Palast der goldenen Tiger
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Jörg Raddatz, Heike Kamaris, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 72, Erschienen: 2001, Preis: 26,95 DM

Das erste Abenteuer für den DSA-Ableger "Myranor" führt die Helden in den Dschungel von Tharpura, dem Königreich des Amaunirherrschers Thyrodatus. Jener Thyrodatus, der in seinem Satrapenpalast in der Hauptstadt Malhrira residiert, hat sich bisher als weiser und umsichtiger Herrscher erwiesen. Doch in jüngster Zeit legt der Satrap eine härtere Gangart ein: die Stadtgarde wird durch rabaukenhafte Pardirkrieger ersetzt, offene Kritik an der Obrigkeit führt zu sofortiger Verhaftung. Dieses überaschende Umschwenken auf eine rauhe "No-tolerance"-Politik erweckt bei der Geliebten des Herrschers Mißtrauen, und so engagiert sie die Helden, die Hintergründe der jähen Sinneswandlung des Satrapen zu klären.
Knallbunt und poppig geht es zu in Fanpros neuer Kampagnenwelt Myranor, und dies soll im ersten Abenteuerband unter Beweis gestellt werden. Die Geschichte vom gütigen Satrapen, dessen Körper vom Geist eines einstigen Tyrannen in Besitz genommen wurde, wird schnell zur Nebensache; die altbekannte Mär vom Körpertausch dient nur als Aufhänger für eine Schnitzeljagd, die von den Autoren in den grellsten Farben gemalt wird. Es treten unter anderem auf: Ein ominöser Spinnenkult, eine geschwätzige Katzensphinx, eine von Hornechsen gezogene Eisenbahn, ein aus Lederkokons bestehender Palast sowie ein biomechanisches Fluggerät (Mischung aus Insekt und Hubschrauber). Das Signal, das die Autoren setzen wollen, ist augenfällig: So ein Abenteuer önnte es in Aventurien nicht geben, so ein Abenteuer läßt sich nur in Myranor erleben!
Mag sein - doch das Problem dieser Art von Fantasy, die so operettenhaft bunt und überladen daherkommt, ist, daß die Welt trotz aller Stilbrüche eine innere Logik besitzen sollte. Dies ist der wunde Punkt des vorliegenden Abenteuers: Weder die amaunische Stadt Malrhira noch die anderen Schauplätze wirken in sich realistisch. Überhaupt erscheint die geschilderte Kultur der Amaunir viel zu menschenähnlich; der fremdartige Charakter dieser Katzenwesen kommt in keinem Augenblick zu Geltung. Auch die anderen Elemente erscheinen willkürlich in die Welt hineinversetzt; man spürt deutlich, daß Myranor eben nicht - wie Aventurien - langsam gewachsen ist, sondern am Schreibtisch ausgeheckt wurde.
Positiv fällt dagegen die professionelle Aufmachung des Abenteuers auf. Die Meisterinformationen sind absolut vorbildlich; sie enthalten genaue Tips für den Spielleiter, wie eine Figur zu schildern und zu führen ist, wie der Flair der Schauplätze den Spielern vermittelt werden kann, welche Probleme auftreten können und welche Auswege sich anbieten. So sollte jedes Rollenspielabenteuer aufbereitet sein! Ein kleines Regelsystem für Luftkämpfe mit dem Insektopter ist auch dabei ... was will man mehr!
Alles in allem ist der "Palast der goldenen Tiger" ein unterhaltsam zu lesendes, wenn auch durchschnittliches Abenteuer, empfehlenswert nur für jene, die sich mit der schillernden Kampagnenwelt Myranor bereits anfreunden konnten. Für zukünftige Publikationen sei den Autoren empfohlen: Weniger ist manchmal mehr.




LORP.de Copyright © 1999 - 2019 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.