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Der Schlaf der Zauberkraft (Der magische Spiegel 1)
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 20.03.2002, Serie: Belletristik, Autor(en): Holly Lisle, Verlag: Blanvalet Verlag, Seiten: 480, Erschienen: 1999, Preis: 20 DM

Originalität ist eine wichtige Eigenschaft für einen Roman, vor allem im ausgelutschten Fantasy-Genre. Um so schöner ist es, wenn sich eine Autorin wie Holly Lisle der Herausforderung stellt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen und eine Welt zu ersinnen, die ohne Elfen, Zwerge und Drachen auskommt, deren Machtstruktur sich vom üblichen hochmittelalterlichen Feudalismus unterscheidet und in der sich das Happy End nicht schon auf der ersten Seite voraussagen läßt.
Nicht ganz so schön ist allerdings das Ergebnis dieses krampfhaften Versuches, Originalität zu erzeugen. Lisle nimmt sich viel zu wenig Zeit, um den Leser mit ihrer Welt vertraut zu machen, in der sechs mächtige Kaufmannsfamilien um die Vorherrschaft kämpfen. Der spätvenezianische Flair, der in den ersten Kapiteln aufkommt, wird bald zugunsten des genreüblichen "Held-sucht-magischen-Gegenstand"-Topos aufgegeben. Tolkien läßt grüßen!
Im vorliegenden Fall ist es die junge, intelligente, betont attraktive Kait, letzte Überlebende der durch ein Attentat dezimierten Familie Galweigh, die sich auf der Suche nach einem magischen Spiegel begibt, durch den ihre gemeuchelten Verwandten wieder zum Leben erwachen sollen. Verfolgt wird sie auf ihrer Odyssee von dem Erbprinzen der verfeindeten Familie Sabir, der Kait als seine zukünftige Gemahlin ausersehen hat. Denn er ist - ebenso wie Kait - ein sogenannter Karnee; ein Mensch, der sich aufgrund eines magischen Fluchs in ein wolfähnliches Wesen verwandeln kann. Dies ist in einer Welt, in der Magie mit dem Tod bestraft wird, eine ebenso wirksame wie gefährliche Gabe ...
Was originell klingt, entpuppt sich leider als Variation altbackener Klischees. Flache Charaktere, kaum zu überblickende Seitenstränge, stetige Schauplatzwechsel und ein mäßiger Schreibstil tun ihr übriges, um der Geschichte jegliche Faszination zu nehmen.
Schade - was hätte Holly Lisle nicht alles aus diesem Buch machen können! Ein mutiges Lektorat hätte der Autorin sicherlich gutgetan und ihr geholfen, sich auf die Stärken der Geschichte zu besinnen. So ist das Buch nur gesundes Mittelmaß - ambitioniert, aber belanglos.




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