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Mont Saint-Michel, Das Geheimnis des verschwundenen Buches
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 14.10.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Kathi Kappler, Johann Rüttinger, Rolf Vogt, Verlag: Drei Magier Spiele GmbH, Seiten: , Erschienen: 2007, Preis: 27,95 Euro


Mont Saint-Michel ist nicht nur der Name für ein Spiel, sondern vielmehr der Name einer Insel und eines Ortes in der Normandie. Die Insel ist berühmt für ihr Benediktinerkloster, welches auch die Autoren Kathi Kappler, Johann Rüttinger und Rolf Vogt zu diesem Spiel inspirierte.

Der Titel Mont Saint Michel - Das Geheimnis des verschwundenen Buches lässt bereits vermuten, worum es in diesem Spiel geht. Wenn man an Benediktinermönche denkt, dann denkt man meist unweigerlich auch an die großen Skriptorien in ihren Klöstern, die vielen Mönche, die Stunden über Stunden damit zugebracht haben, in mühevoller Kleinarbeit mit viel Liebe zum Detail Bücher handschriftlich kopiert haben. Und um just diese Bücher geht es. Im Kloster auf Mont Saint-Michel ist das lang verschollene "verschwundene Buch" aufgetaucht und einige Dektektive (die Spieler) machen sich auf, um die wertvollen, antiken Pergament-Buchseiten zu finden, die im Mittelalter abgeschabt, kunstvoll übermalt und mit anderen Texten beschrieben worden sind. Die Herstellung von Pergament war aufwendig und damit war das Material so wertvoll, dass man händisch Seiten "löschte", um diese neu zu beschreiben.

Insgesamt sechs Dektektive in Mönchskutten begeben sich nun auf die Suche nach den einzelnen Seiten des "verschwundenen Buches". Auf ihrer Suche auf der Insel schleichen sie durch die Gassen des Klosterberges, nutzen Kohlerutschen oder umfahren die Insel in Booten. Es gilt die rund 31 Buchfragmente aufzuspüren, welche an 16 verschiedenen Orten auf der Insel verstreut verborgen sind. Einzelne Bereiche kann man zudem nur bei Ebbe erreichen.
Da sämtliche Figuren Mönchskutten tragen, weiß zu Beginn des Spieles zunächst niemand, welche Spielfigur die eigene ist. Also gilt nicht nur, die Buchseiten zu finden, sondern auch, welche die eigene Figur ist.

Nachdem der Spielplan ausgelegt ist, schreibt jeder der zwei bis fünf Spieler seinen Namen auf einen kleinen Zettel und rollt diesen zusammen. Weitere Zettel werden mit einem X markiert, so dass nachher insgesamt sechs solcher Zettel vorhanden sind. Anschließend werden diese gemischt und je ein Zettel wird in eine Spielfigur gesteckt. Die Spielfiguren sind innen hohl und nur durch die Farbe des Figurensockels unterscheidbar. Auf diese Weise sind immer sechs Figuren im Spiel, unabhängig von der Anzahl der Spieler.
Nun werden die zwei Stapel mit den Orts- und den Buchkarten der Spielregel entsprechend gemischt und verdeckt bereit gelegt. In den Stapel mit den Buchkarten sind zusätzlich noch Identitätskarten untergemischt. Jeder Spieler erhält noch eine Ebbe- und eine Flut-Karte, sowie seinen Geheimblock für Notizen.
Der nach Originalkarten von Mont Saint Michel äußerst ansprechend gestaltete Spielplan zeigt den Klosterberg mit seinen zahlreichen, verwinkelten Gassen und Pfaden, auf denen sich die Spielfiguren bewegen. Auf dem Plan sind 16 verschiedene Orte markiert, bei denen man einzelnen Buchseiten finden kann.

Das Spiel kommt vollständig ohne Würfel aus. Gespielt wird reihum. Ist ein Spieler am Zug, deckt er jeweils die oberste Orts- und Buchkarte auf. Auf den Buchkarten sind ein oder zwei Punkte sowie ein Zahlenwert zwischen -4 und +4. Diese geben an, wie weit er sich mit einer Spielfigur bewegen darf. Die Zahl versinnbildlicht den Wert des Buchfragments. Die Ortskarte gibt den Hinweis, wo man mit einer Spielfigur auskommen muss, um diese Karte zu erhalten. Auf einem Feld darf immer nur eine Figur stehen, vorbeilaufen ist jedoch ohne weiteres möglich. Landet man mit der gezogenen Figur auf einem Feld, auf dem bereits eine andere Figur steht, so wird diese um ein Feld in eine beliebige Richtung verschoben. Besonders interessant ist hierbei die Möglichkeit, kleinere Kettenreaktionen auszulösen.
Erreicht ein Spieler mit einer Figur in seinem Zug das Zielfeld, dann bekommt diese Figur (!) die Buchseite. Anschließend wird eine neue Orts- und Buchkarte umgedreht. Beim Umdrehen der Buchkarten kann auch eine Identitätskarte aufgedeckt werden. Ist dies der Fall, dann legt der aktive Spieler die Karte vor sich ab und darf sich anschließend den Zettel einer Spielfigur ansehen. Jeder Spieler darf auf diese Weise maximal dreimal die Identität einer Figur überprüfen.
Ziel des Spieles ist es, möglichst viele der wertvollen Buchseiten zu ergatten und die wertlosen (mit den Minuspunkten) seinen Mitspielern unterzujubeln. Während des Spieles versucht man mit den Identitätskarten, die Figuren der Mitspieler ausfindig zu machen.
Sobald der Stapel mit den Buchkarten den Spielfiguren zugeordnet ist, endet das Spiel. Die Figur, mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel. Es kann aber auch passieren, dass kein Spieler gewinnt.

Die Spielanleitung ist dreisprachig (deutsch, französisch und italienisch) und insgesamt sehr ansprechend gestaltet und wird ergänzt durch Spielregeln für ein Spiel zu zweit. Zudem bekommt man weitere Informationen über den Mont Saint-Michel.
Die Qualität der Spielmaterialien ist sehr hochwertig und von der Grafik ebenso ansprechend.

Da die Spieler oft über einen langen Zeitraum nicht wissen, welche Figur nun die eigene ist und nur durch zufälliges Ziehen einer Identitätskarte die Gelegenheit haben, daran etwas zu ändern, mutiert das Spiel schnell zu einem reinen Glücksspiel. Man kann Glück haben und sehr schnell herausfinden, welche Figur die eigene ist, man kann aber genausogut auch das Pech haben, bis zum Spielende überhaupt nicht zu erfahren, wem man nun die wertvollen Karten zugeschußtert hat. Die Aktionen der Mitspieler verraten, entgegengesetzt zu anderen Spielen, leider auch nicht viel, da die Mitspieler nur indirekt Einfluss auf einen Mitspieler nehmen können, und das auch meist ohne zu wissen, wessen Spielfigur sie nun bewegen.

Fazit: Mont Saint Michel - Das Geheimnis des verschwundenen Buches ist ein optischer Augenschmaus. Die Qualität der verwendeten Materialien ist wie vom Drei Magier Verlag gewohnt hochwertig. Leider verliert das Spiel jedoch durch den hohen Zufallsfaktor leider schnell von seinem Reiz.




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