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Classic Battletech: In Ungnade
Von Michael Mingers

Rezension erschienen: 13.06.2007, Serie: Belletristik, Autor(en): Chris Hartford, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 296, Erschienen: 2007, Preis: 9,00 Euro


Chris Hartford ist einigen Battletech-Fans bereits als Autor von Quellenbänden zu diesem Spiel und einigen anderen Büchern im Rollenspielbereich bekannt. In Ungnade ist sein Debüt im Romansektor, wobei sich sein Erstlingswerk durchaus sehen lassen kann.

Der Roman behandelt das Leben von Rhean Marik, von ihren jungen Jahren in der Akademie bis zu ihrer Zeit als Generalhauptmännin der Liga Freier Welten. Und dies ist nicht nur eine lange, sondern auch eine turbulente Zeit, denn der erste Sternenbund wird gegründet. Wie der Kenner der Materie bereits erkannt haben mag, spielt der Roman zeitlich weit vor denen, die damals bei Heyne erschienen sind, genauer gesagt über die Jahre 2571 bis 2617. Der Leser begleitet die Protagonistin durch ihr ganzes Leben, mitsamt der Höhen und Tiefen. Dies reicht von der Ausbildung an der Akademie zur Mechkriegerin, wo sie noch unter falschem Namen agiert, über ihre politische Bewährungsprobe im eroberten Peripheriestaat Canopus, bis hin zu ihrer Amtszeit als Herrscherin der Liga Freier Welten und ihrer schweren Krankheit. Dabei kommt es zwischenzeitlich immer wieder zu Verwicklungen der hohen Politik, der Gründung und der schwierigen Etablierungsphase des Sternenbundes und einer mysteriösen Häufung von Todesfällen in der Familie Marik. Das Ende des Romans spielt dann mit den "historisch korrekten" Fakten und stellt neben der offiziellen Version, das "wahre" Ende dar. Dazu kommen natürlich auch Freunde, Verwandte, Geliebte und weitere Akteure auf dem politischen Parkett, wobei gerade die Verbindung von Politik und Liebe wie zu erwarten einiges an Problemen mit sich bringt, wobei der Autor dankenswerterweise darauf verzichtet, dass ganze klischeehaft und verblümt darzustellen. Insgesamt ist das zusammengenommen eine ganze Menge Material für nur 300 Seiten. Und hier liegt auch der Knackpunkt, denn eigentlich hat das Buch sonst alles, was einen guten Battletech-Roman ausmacht: Hohe Politik, Intrigen und Action. Chris Hartford hat eine sehr gute Schreibe, und an vielen Stellen des Romans fühlt man das Geschehen und die Emotionen des Figuren mit. Doch leider wurde versucht zu viel in den Roman zu stecken. Auf weniger als 300 Seiten das gesamte, sehr ereignisreiche Leben einer Hausfürstin nachzuerzählen scheint unmöglich, weswegen immer wieder Sprünge über mehrere Jahre stattfinden, wodurch leider viele der Nebenfiguren leiden. Dies wird noch dadurch erschwert, dass der Autor, "historisch korrekt" viele Ereignisse und Personen aus der Zeit der Gründung des Sternenbunds einbaut. Diese finden immer wieder zwischendurch statt, treten aber vermehrter auf, als das es nur zur Untermalung dienen würde. So muss sich die eh schon lange gestreckte Handlung aus Intrigen, persönlichen Schicksalen und historischen Gegebenheiten noch weiter verdünnt werden. Die ganze Erzählung wirkt bisweilen stark fragmentiert, wobei die einzelnen Teile zwar sehr gut sind, doch weit mehr Raum gebraucht hätten.

Es gibt aber einige kleinere Fehler, wie ein Mechtyp, der zu der Zeit noch nicht hergestellt war, oder den ständig zwischen Claudia und Carla wechselnden Vornamen von Rinalla Centrellas Tochter. Doch das meiste würde eh nur sehr detailverliebten Battletech-Fans auffallen.

Insgesamt ein guter Roman, der aber durch eine zerstückelt wirkende Erzählstruktur leider an Qualität einbüßt. Die literarische Qualität und die Charaktere hätten ebenso wie die Handlung durchaus Potential für eine Trilogie gehabt, wo der Roman sein volles Potential hätte entfalten können.




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