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Yspahan
Von Michael Bauland

Rezension erschienen: 24.01.2007, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): Sébastien Pauchon, Verlag: Ystari Games, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 25,80 Euro


Ystari Games beziehungsweise der deutsche Vertreiber Huch & Friends hat mit Yspahan (gesprochen Isfahan) ein schönes und interessantes Spiel herausgebracht, welches Würfelglück mit ein wenig Strategie elegant verbindet. Man spielt einen Kaufmann im persischen Reich, der durch geschicktes Platzieren von Waren versucht, die meisten Punkte zu erhalten und damit zu gewinnen.

Das Spielmaterial hat eine sehr gute Qualität. Neben den Holzwürfeln in den vier Spielerfarben, die die Waren symbolisieren, gibt es die zwei Rohstoffe Gold (gelbe Holzscheiben) und Kamele (braune Holzkamele). Weiterhin gibt es einen Stadtplan von Yspahan, ein Würfeltableau, ein Karawanentableau und für jeden Spieler eine Tafel, auf der sechs Gebäude abgebildet sind. Diese Gebäude können im Laufe des Spiels von den Spielern gebaut werden und bringen dadurch Vorteile. Schließlich gibt es noch neun weiße und drei gelbe Würfel, sowieso 18 Spielkarten sowie eine weiße Aufseher- und eine schwarze Startspielerfigur. Zusätzlich wurden mehrere leere Plastikbeutel zugegeben, so dass man das Spielmaterial sehr gut sortiert in der Schachtel aufbewahren kann.
Der Stadtplan, der als Hauptspielbrett in die Mitte des Tisches kommt, wird durch eine senkrechte und eine waagerechte Straße in vier Stadtteile unterteilt. Auf diesen Straßen bewegt sich der Aufseher. Jedem Stadtviertel ist ein Symbol zugeordnet: Sack, Fass, Truhe und Amphore, wobei das Sackviertel das billigste und das Amphorenviertel das wertvollste ist. In jedem Viertel befinden sich einige Läden, die mittels Farbmarkierung zu Basaren zusammengeschlossen sind. Jeder Basar hat einen bestimmten Punktewert, der auch durch seine Farbe repräsentiert wird. So sind im Sackviertel zum Beispiel vier blaue Läden ein Basar, der vier Punkte bringt, und im Truhenviertel gibt es nur zwei blaue Läden, die aber ebenfalls zusammen einen Basar bilden, der vier Punkte bringt.
Die Spielregeln sind auf achte Seiten sehr ausführlich und mit vielen großen Bildern und Beispielen erläutert, so dass der Einstieg sehr leicht fällt. Auf einer Doppelseite ist der Startspielaufbau abgebildet und alle wichtigen Elemente des Spiels sind mit Zahlen markiert und werden darunter im Text erklärt.

Gespielt werden drei Wochen mit jeweils sieben Tagen. Nach jeder der drei Wochen findet eine Wertung statt. Ein Tag besteht aus folgenden Aktionen: Der Startspieler nimmt sich die neun weißen Würfel und wenn er möchte noch ein bis drei gelbe Würfel, wobei er für jeden gelben Würfel ein Goldstück bezahlen muss. Nach dem Würfeln werden die Würfel auf das Tableau gelegt, welches in sechs Felder unterteilt ist. Ganz unten befindet sich das Kamelfeld. Dann folgen in aufsteigender Reihenfolge das Sackfeld, das Fassfeld, das Truhenfeld, das Amphorenfeld und schließlich das Goldfeld. Alle Würfel mit der niedrigsten Augenzahl werden auf das Kamelfeld gelegt. Alle Würfel mit der höchsten Augenzahl kommen auf das Goldfeld. Die Felder dazwischen werden aufsteigend, beim Sackfeld beginnend, mit Würfeln gefüllt, wobei gleiche Würfelzahlen immer auf das selbe Feld gelegt werden müssen. Somit erhält das Amphorenfeld nur Würfel, wenn alle sechs Zahlen gewürfelt wurden (denn dann kommen alle Einser auf das Kamelfeld, alle Sechser auf das Goldfeld und die vier Stadtteilfelder erhalten die Würfel mit den Zahlen Zwei bis Fünf). Die gelben Würfel werden dabei erst einmal wie normale weiße Würfel behandelt und mit auf das Tableau gelegt. Der Startspieler beginnt nun und entscheidet sich für eins der Felder, auf dem mindestens ein Würfel liegt. Das Kamel- und das Goldfeld bringen so viele Kamele beziehungsweise Gold, wie viele Würfel auf dem Feld liegen. Die anderen vier Felder erlauben es, im entsprechenden Stadtviertel für jeden Würfel ein Warenstein in einen Laden zu legen. Außerdem erlaubt jedes Feld, statt der normalen Aktion, auch eine Karte zu ziehen oder den Aufseher zu bewegen. Die Karten erlauben Bonusaktionen, wie zum Beispiel Kamele in Gold zu tauschen oder Siegpunkte zu bekommen. Mit dem Aufseher kann man Warensteine aus den Läden zur Karawane befördern. Dies hat meistens positive Auswirkungen für den Spieler, dessen Ware zur Karawane wandert.
Nachdem der Stadtspieler sich für ein Feld auf dem Würfeltableau entschieden und die Aktion ausgeführt hat, bleibt noch die Möglichkeit ein oder mehrere Gebäude zu bauen. Jedes der sechs Gebäude verbessert Aktionen des Spielers und bringt zusätzlich ein paar Siegpunkte. Dann werden alle gelben Würfel entfernt. Diese stehen nur dem Startspieler zu Verfügung, der sie ja auch bezahlt hat. Nun sind alle anderen Spieler einmal an der Reihe, ein Feld von den verbleibenden zu wählen und ebenfalls eine der drei möglichen Aktionen durchzuführen. Danach ist der Tag beendet und der nächste Spieler wird Startspieler und würfelt.
Am Ende einer Woche werden alle vollständig gefüllten Basare gewertet. Ebenso bringt die Karawane zusätzliche Siegpunkte.

Auf Grund der einfachen Regeln kommt man sehr schnell ins Spiel. Allerdings braucht man schon ein ganzes Spiel, um sich der unterschiedlichen Möglichkeiten, zu Siegpunkten zu kommen, bewusst zu werden. Insgesamt ist Yspahan mit 45 bis 60 Minuten ein eher flottes Spiel. Es gibt zwar kaum Interaktionen zwischen den einzelnen Spielern, aber da ein Zug eines Spieler nicht sehr lange dauert, sitzt man kaum untätig herum. Gewöhnlich herrscht Rohstoffknappheit, so dass man ständig überlegen muss, ob man sich für die Würfel entscheidet, die Gold oder Kamele bringen, selbst wenn es nicht so viele sind, oder lieber Warensteine in die Basare bringt, um später bei der Wertung mehr Siegpunkte zu erhalten. Auch darf man die Karawane nicht unterschätzen. Da es hier eine multiplikative Wertung der eingesetzten Steine gibt, kann man unter Umständen eine große Summe an Siegpunkten erhalten. Allerdings gelangen nur mit Hilfe des Aufsehers Waren in die Karawane. Es gibt also ständig verschiedene Möglichkeiten, an Siegpunkte zu kommen, ohne dass es einen Königsweg gibt. Ein großer Einfluss hat natürlich das Würfelergebnis. Würfelt man viele gleiche Zahlen, so hat der Startspieler den Vorteil, dass er sich für genau diese Würfel entscheiden kann. Da im Spiel aber 21 Tage gespielt werden, also 21 mal gewürfelt wird, gleicht sich dieser Glücksfaktor häufig aus. Außerdem hat man so die Möglichkeit ein verlorenes Spiel auf das Pech beim Würfeln zu schieben, ohne wirklich selbst Schuld sein zu müssen, wie es zum Beispiel bei Spielen wie Caylus oder Puerto Rico der Fall ist.

Fazit:
Yspahan ist ein sehr schönes, schnelles Spiel. Die Verbindung von Würfelglück mit Taktik ist sehr gelungen und es gibt trotz der einfachen Regeln genügend Entscheidungsmöglichkeiten. Insgesamt ist Yspahan ein sehr gutes Spiel des Autors Sébastien Pauchon, welches gerade auch für Gelegenheitsspieler sehr interessant sein dürfte.




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