Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Magazin » Rollenspiele » Kurzinterview mit André Wiesler

Rollenspiele Im Gespräch
Kurzinterview mit André Wiesler
von Stefan Sauerbier
10. August 2005

André WieslerAndré Wiesler wurde 1974 in Wuppertal geboren, wo er bis heute mit seiner Frau Janina und seinem Kuvasz-Rüden Sandor nebst drei Schildkröten lebt und als Autor und Schriftsteller arbeitet. Neben seinem literarischen Schaffen, das bisher u.a. die Shadowrun-Romane Shelley, Im Namen des Herrn und Feuerzauber, die DSA-Romane König der Diebe und Rhiana – Das Artefakt sowie Kurzgeschichten umfasst, ist er auch als Literatur- und Fachübersetzer unter anderem für Fantasy Productions und Heyne tätig. Im Rollenspielbereich ist er unter anderem als Chefredakteur des LodlanD-Rollenspiels (www.lodland.de) und stellvertretender Chefredakteur des Rollenspielmagazins Envoyer tätig.

Im Rahmen seiner Arbeit an dem Rollenspielsystem LodlanD stand uns André Rede und Antwort. Wir haben ihn gebeten, die folgenden Sätze zu beantworten.

LORP: LodlanD ist ...
Wiesler: Ein aufstrebendes deutsches Rollenspiel mit originellen Ansätzen sowie Autoren und Zeichnern, die hohe Ansprüche an sich und ihre Werke stellen - wir wollen nicht Bestehendes verbessern, sondern Neues schaffen. Außerdem ist es ein Science-Fiction-Spiel, das mit wenigen, klaren Regeln auskommt und den Schwerpunkt auf den Hintergrund und Rollenspiel legt.

LORP: Systementwicklung ist...
Wiesler: Harte Arbeit und ein Höllenspaß. Man darf die Arbeitsstunden wirklich nicht zählen, sonst droht man zu verzweifeln, aber jede einzelne davon lohnt sich und ist vor allem sehr befriedigend. Man muss sich allerdings schon beim Grundregelwerk einen recht genauen Plan zurechtlegen, wo man hin will, welche Quellenbücher erscheinen sollen und einen Blick darauf haben, dass sich da keine Widersprüche bei den Regeln oder dem Hintergrund ergeben.

LORP: Rollenspieldesigner zu sein bedeutet für mich ...
Wiesler: Die Erfüllung eines Jugendtraums und einen etwas freieren, kreativen Freizeitausgleich zu meinen anderen Autorentätigkeiten. Das hat mit Elek-Mantow angefangen, meinem Fantasy-Rollenspiel, das ich damals noch als "Laie" geschrieben habe (und das übrigens auch auf meiner Webseite zu finden ist) und ist nun in LodlanD zur Blüte geraten.

LORP: An LodlanD stört mich, dass ...
Wiesler: Viele der Meinung sind, dass deutsche Rollenspielprodukte zu belächeln seien, u.a. weil sie Gerüchte unreflektiert als Wahrheit annehmen, statt sich ein eigenes Bild zu machen. Und dass sich das Cover des Grundregelwerk als nicht so farbbeständig herausgestellt hat, wie angestrebt, weshalb wir ja den Spielleitersichtschirm gleichzeitig als Schutzumschlag hergestellt haben und alle Quellenbücher nun extra beschichten lassen.

LORP: Autorenrunden sind ...
Wiesler: Für den Spieler eine hervorragende Möglichkeit, neue Systeme kennen zu lernen oder zu erfahren, wie der Autor sich das Setting vorstellt. Für den Autor die beste Möglichkeit, seine Abenteuer und Ideen auf Schwachstellen abzuklopfen, "am Puls der Szene" zu bleiben und den Input der Spieler aufzunehmen.

LORP: Ideenklau finde ich ...
Wiesler: Ein schwieriges Thema. Was Regelsysteme angeht, kann man das Rad nicht neu erfinden und nur weil man andersförmige Würfel benutzt wird ein System noch lange nicht originell oder gut spielbar. Im Hintergrundbereich ist Ideenklau meist ärgerlich, aber oft wird da auch künstlich etwas hoch gekocht. Eine ähnliche Idee ist noch nicht gleich Ideenklau - es kommt darauf an, wie sie ausgearbeitet wird. Am Beispiel LodlanD: In jedem System, das (teilweise) unter Wasser spielt, gibt es U-Boote, die aus physikalischen Gründen oft ähnlich aussehen (zumindest, wenn man die Naturgesetze nicht bewusst ignorieren möchte). Aber darum würde kaum jemand ein zigarrenförmiges U-Boot, das Atombomben trägt und einen Schleichfahrtmodus besitzt, als Ideenklau eines Freizeitbootes mit riesigen Lautsprechern im gleichen Design ansehen.
Beim mutmaßlichen Ideenklau sollte man sich immer fragen: Wie ähnlich sind die Ideen sich wirklich und kannte der eine Autor die vorgebliche geklaute Idee des anderen. Das Comedyschreiben fürs Fernsehen hat mich gelehrt, das kreative Köpfe bei der gleichen Themenvorgabe unabhängig voneinander häufiger auf sehr ähnliche Ideen verfallen, als man vermuten würde. Und wenn diese Themenvorgabe die Realität ist, kann so etwas natürlich schnell vorkommen.
Dazu kommt der Maßstab, in dem man denkt. Erneut am Beispiel LodlanD: Rollenspiel unter Wasser kann unzählige Formen annehmen, zwei Beispiele sind Blue Planet und LodlanD. Das sorgt häufig dafür, dass die Systeme gleichgesetzt werden. Sobald man aber die Verallgemeinerung verlässt und sich auf der nächsten Detailstufe die Völker ansieht, erkennt man die massiven Unterschiede. Je allgemeiner eine Idee formuliert wird, um so ähnlicher werden sich unterschiedliche Varianten scheinbar. Ein weiteres Beispiel: Fantasy mit Elfen, Zwergen, Orks und Trollen. DSA? Arcane Codex? D&D? Oder gar Herr der Ringe? Man sieht: der Maßstab muss stimmen, bevor man wirklich von Ideenklau sprechen kann.
Grundsätzlich sollte man aber natürlich ausführlich recherchieren, um den Verdacht gar nicht erst aufkommen zu lassen und natürlich einfach nicht klauen. :-)

LORP: Rollenspiele sind für mich ...
Wiesler: Auf der einen Seite Arbeit, auf der anderen Seite geliebtes Freizeitvergnügen und ein schöner Ausgleich zum Alltagsstress.

LORP: Man muss LodlanD lieben, weil ...
Wiesler: Es einen originellen Hintergrund gut spielbar aufbereitet und es sich durch einen ausgezeichneten Service auszeichnet. Außerdem ist es immer offen für Input der Spieler, deren Ideen und Wünsche sich nun schon mehrfach in Quellenbüchern niedergeschlagen haben.

LORP: LodlanD ist das beste System, weil ...
Wiesler: Es einfach ist, einen dichten, lebendigen Hintergrund hat, mit www.LodlanD.de eine beinahe tagesaktuelle Internetseite betreut, viel "Spiel-Mehrwert" fürs Geld bietet und - ganz profan - weil es das einzige Rollenspiel ist, bei dem alle Quellenbücher zum angekündigten Datum erscheinen.

LORP: Man könnte LodlanD nicht mögen, weil ...
Wiesler: Es unter Wasser spielt, ein deutsches System und Science Fiction ist.

LORP: Ich habe LodlanD entworfen, weil ...
Wiesler: Nun, das war nicht ich allein, es war eine Gesamtleistung des LodlanD-Teams. Aber unsere Intention war es, ein originelles SciFi-Rollenspiel mit hohen Ansprüchen, großen Freiheiten und einem einfachen System zu entwickeln, weil uns der Bedarf danach einfach offensichtlich erschien. Zudem wollten wir einfach mal zeigen, dass es auch für einen kleinen Verlag möglich ist, seine Versprechungen und Termine einzuhalten - was wir jetzt nicht ohne gewissen Stolz seit mehr als 2 Jahren schaffen. :-)

LORP: Wenn ich von LodlanD träume, dann ...
Wiesler: Sind das mit die spannendsten Träume, in denen ich LodlanD auf dem Weg nach oben sehe - vielleicht sogar bis hinauf zu einem Kinofilm. :-)

LORP: Ich bekomme meine Ideen für LodlanD meistens, wenn ...
Wiesler: Ich wieder eine spannende aktuelle Entwicklung oder Erfindung bemerke, die gut zu LodlanD passen würde oder die in geänderter Form in LodlanD ihren besonderen Reiz hätte. Und natürlich auf unseren Entwicklertreffen, bei denen sich große Teile des Teams treffen und bis zum Umfallen Brainstorming und Konzeptarbeit betreiben. Da wird dann auch schon mal aufgrund eines berechtigten Forumskommentars eines Spielers ein Konzept vollständig umgeworfen.

LORP: Powergamer ...
Wiesler: Werden oft zu Unrecht "gedisst", denn wenn die ganze Gruppe diesen Spielstil mag, gibt es nichts daran auszusetzen - jeder nach seiner Art. LodlanD bietet jedoch wegen des einfachen Regelsystems wenige Möglichkeiten, seinen Charakter zu "min/maxen" - der Hintergrund steht hier (kleines Wortspiel am Rande) im Vordergrund.

LORP: Ich habe an LodlanD angefangen zu arbeiten, weil ...
Wiesler: Ich wusste, dass Christian Fischer von Image 3033 es zuverlässig und kritisch betreuen würde und ich mit den Autoren der ersten Stunde (David Grade, Jan-Tobias Kitzel, Mirko Beine, Stefan Bogdanski) und natürlich auch den Neuzugängen (Sebastian Oswald, Andreas Luz, Tobias Hamelmann, Ulrich Onken, Thomas Echelmeyer sowie Karsten Müller) ein hervorragendes und verlässliches Autorenteam zur Verfügung hatte und mir die Zeit einfach reif für etwas Neues auf dem deutschen Markt erschien.

Weitere Informationen zu seiner Person und seinen Werken finden sich auf der Internetseite:
www.andrewiesler.de

Besuchermeinungen
Durchschnittlich (3 Sterne) Im Großen und Ganzen ein gelungener Beitrag, jedoch halte ich eine konversationellere Interview-Führung für besser. Dieses Statement-für-Statement mag ich nicht so.
Hätte mich gefreut, wenn er noch mehr auf die Beeinflußung seiner Arbeit durch BLUE PLANET eingegangen wäre und die Unterschiede zu seinem System klar gemacht hätte. Immerhin gibt es nicht viele Unterwasser-RPGs...
von Olaf Buddenberg
Antwort von Stefan Sauerbier:
Danke für die konstruktive Kritik. Natürlich hätte man die Fragen auch anders formulieren können, aber diese Statements haben auch einen gewissen Reiz. Ich werde André Wiesler mal mit Deiner Bitte konfrontieren. Vielleicht verrät er ja noch ein wenig mehr. :-)
keine Wertung Blue Planet hat LodlanD genausowenig beeinflusst wie Schleichfahrt oder andere (Computer)Spiele, in denen U-Boote vorkommen. Ich habe mich während der Arbeit am Grundregelwerk bewusst von allem ferngehalten, was den kritischen und kreativen Blick beeinflussen könnte und erst später die "Konkurrenz" gesichtet. Dadurch habe ich das erste Blue Planet-Buch erst nach Erscheinen des Quellenbuches Tiefenrausch in den Händen gehalten. Wobei der Begriff "Konkurrenz" nicht wirklich passt, denn LodlanD ist in allen Belangen sehr unterschiedlich zu Blue Planet. Der größte Unterschied dürfte sein, dass BP im All und auf der Wasseroberfläche spielt, mit gelegentlichen Abstechern in die Tiefe.
Bei LodlanD wurde darauf geachtet, dass die Entwicklungen glaubhaft und möglich bleiben - ein Blick auf das Design der BP-U-Boote (die auf Grund ihrer Form eine sehr geringe Tauchtiefe haben müssten, wenn man physikalische Maßstäbe anlegt) macht klar, wo der Unterschied liegt. BP ist eben Sciende-FICTION auf einem Wasserplaneten und LodlanD ist SCIENCE-Fiction unter Wasser. Somit könnte LodlanD für sich sogar in Anspruch nehmen, das einzige RSP (vollständig) unter Wasser zu sein ;-) Beide Spiele machen auf ihre Art Spaß - vergleichbar oder gar ähnlich sind sie dabei aber nicht.

von André Wiesler
keine Wertung Ich weiß nicht, ob ich dieses Meinungsfeld jetzt als Diskussionsplattform mißbrauchen soll, aber ich muß ein paar Dinge zu dem sagen, was André Wiesler gepostet hat (für dessen Erwiderung auf meine erste Frage ich ihm sehr dankbar bin).
Zunächst einmal irrt er, wenn er meint, Technologie und SCIENCE von BP wären nicht oder weniger glaubhaft oder möglich. BP ist "hard SF" und widmet sich ganz explizit der realistischen Abbildung von genre-bedingten Elementen, wie z.B. Druck oder Sicht unter Wasser. Und auch hat die Form von U-Booten nur teilweise Auswirkungen auf ihre Fähigkeit, extremem Druck zu widerstehen. Dazu kommt, daß es (leider) nahezu keine Abbildungen von BP-U-Booten gibt (genaugenommen gibt es nur eine), deshalb ist diese Aussage etwas wackelig. Aber gut, ich will das nicht vertiefen (<- Wortspiel!). Es stimmt, daß BP auch den Weltraum mit einbezieht, jedoch hauptsächlich für das Verständnis des Hintergrundes. Weltraumabenteuer werden vom Spiel selbst so gut wie gar nicht angeregt; Hauptschauplatz bleiben die Oberfläche von Poseidon, der Wasserwelt, sowie seine gewaltigen Meere.
Ich kann verstehen, daß Herr Wiesler die Originalität seines Settings/Systems hervorheben möchte (die natürlich gegeben ist, denn in der Tat spielt sich dort ja alles unter Wasser ab), aber dennoch ist ein gewisser Vergleich beider Rollenspiele durchaus erlaubt. BP bietet meines Erachtens nach einen der faszinierendsten, glaubwürdigsten und best-durchdachten SF-Hintergründe überhaupt. Danke fürs Lesen und sorry, wenn ich hier den Rahmen dieser Rubrik gesprengt haben sollte!
von Olaf Buddenberg
Antwort von Stefan Sauerbier:
Hi Olaf, wenn Du magst, kannst Du gerne den Kommentar-Bereich als Diskussionsfeld gebrauchen. :-) Bedenke bitte, dass die Geschmäcker verschieden sind. Daher dürfen André und Du natürlich auch anderer Meinung sein, was den Realismus bei BluePlanet anbelangt. Jeder sollte einfach einen Blick sowohl in die Systeme von Lodland als auch von BluePlanet werfen und sich seine Meinung selber bilden.
Schlecht (2 Sterne Ich teile zu 100% die Meinung von Herrn Wiesler.
Hier versucht meiner Meinung nach jemand sein Produkt über die Maße hervorzuheben und setzt gleichzeitig ein nahezu geniales Regelsystem, überdurchschnittlich herausgearbeitete Spielwelt und hervorragenden Realismus eines anderen, vergleichbaren Spiels (BP) herab.
Ich kenne beide Spiele und LodLanD ist sicher für sich genommen interessant, bietet im Vergleich zu BP aber kaum etwas.
Das Interview ist (schlechte) Werbung und keine objektive Informationsquelle.
von LushWoods
keine Wertung So Orginell finde Lodland jetzt nicht wirrklich, weil es mich schon ein wenig an Schleichfahrt erinnert mit seiner zu gefrorenen Welt und auch die meisten Civilisationen gängigen Stereotypen entsprechen, Merkantilisten, Technokraten, Anrchos, Faschisten und Escapisten. Was man dem Systhem allerdings lassen muss ist eine gute handwerkliche Verarbeitung auch wenn Wieser im gekonnten Shadowrunstil die regel über eine große Zahl von 100rtseitern verteilt anstatt wenige innvolle Bücher zu produzieren...
Warum zum Bleistifft ein Uboot und ein Gadgetbuch zu je 100 Seiten für je 24€ Anstatt einem Hardcover 240 Seitenfür 35€ mal abgesehen von den Vorteilen für die Entwickler .....

von Meisterio
Wie ist Deine Meinung zu diesem Artikel?
Deine Bewertung
des Artikels

Bitte auswählen!
Dein Name (optional / Pflichtfeld s.u.)
Deine Email (optional)
Deine Meinung (optional)
  Sicherungscode (Info)   Sicherungscode
 
Bei der Abgabe eines Kommentars ist die Angabe Deines Namens Pflicht. Wenn Du Dich nur an der Produktbewertung beteiligen möchtest können alle übrigen Felder frei gelassen werden.
Deine eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Sie steht lediglich dem Rezensenten dieser Kritik zur Verfügung damit er auf Deinen Kommentar reagieren kann.



LORP.de Copyright © 1999 - 2020 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.