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Envoyer 08/2006
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 06.09.2006, Serie: Zeitschriften, Autor(en): André Wiesler (Chefred.), Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer, Seiten: 82, Erschienen: 2006, Preis: 1,80 Euro

Die 118. Ausgabe des Envoyer ist dem Thema Unknown Armies gewidmet und bietet ein Light-Regelwerk und ein Abenteuer.

Das Lightregelwerk auf 16 Seiten bietet einen gelungenen Einblick sowohl in die grundlegenden Würfelmechanismen des Systems als auch in die Themen von Unknown Armies. Anfangs verkörpert der Spieler (zumindest beim Light-Regelwerk) einen normalen Menschen, der durch ein ungewöhnliches Ereignis aus der Bahn geworfen wird, etwas, dass sein naturwissenschaftlicher Verstand nicht zu erklären in der Lage ist. Auf der Suche nach den Hintergründen macht er sich auf die Suche nach dem Okkulten Untergrund - oder der findet ihn...

Auch die teils unterschiedliche Würfelmechanik, mal werden zwei W10 als 2W10, mal als W100 geworfen, wird verständlich dargestellt und die Konzepte von Stresswürfen, unterschiedlichen Ansprüchen an Fertigkeitswürfe und Kerben wird hinreichend erläutert, Kampf und Erfahrung spielbar dargestellt.

Leider ist das Abenteuer "Adel verpflichtet" kaum für Einsteiger geeignet, da es schon fortgeschrittene Konzepte von Unknown Armies umsetzt, die im Light-Regelwerk nur ganz kurz angerissen werden. So geht es darum, dass ein sogenannter Avatar verstirbt und seine Fähigkeiten auf die Charaktere abfärben. Avatare sind dabei "normale" Menschen, die nach einem Prinzip leben oder einem Ideal gleichkommen, die perfekte Mutter, der Herrscher oder der Krieger sind Beispiele. Hier ist es der Harlequin, der hinter seiner Maske Dinge tun kann, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen – im "Rollenspiel um Macht und Konsequenzen", so der Untertitel von Unknown Armies, ein zentrales Thema. Für erfahrene Spieler und Spielleiter dieses Rollenspiels sicherlich ein reizvolles Abenteuer, als Einstieg jedoch denkbar ungeeignet. Hier fehlt ein Szenario wie aus dem letzten Envoyer, vielleicht noch etwas mehr ausgearbeitet, in das sich ein Spielleiter sofort hineinversetzen kann und das ohne fortgeschrittene Konzepte von Unknown Armies auskommt.

Zwei Interviews ergänzen das Heft. Zum einen wird Karsten "Grobi" Schreuers befragt, der schon für Unknown Armies, DSA und Shadowrun gezeichnet hat. Das Gespräch bietet einen interessanten Einblick hinter die Kulissen und die Arbeitsweise von Rollenspielzeichnern. Dazu gibt es die verschiedenen Entwicklungsstufen eines Romancovers zu sehen, wo man sehen kann, wie aus der ersten Skizze schließlich ein fertiges, plastisches Bild wird. Zum anderen wird mit René Ahlberg ein Mitglied des Galileo 7-Conteams interviewt, anläßlich des zehnjährigen Jubiläums des Star Trek-Cons. Der Blick über den Tellerrand in die Welt der Trekkies weiß zu gefallen, einige Anekdoten weiß der Converanstalter zu erzählen. Etwas verwundert die Seitenüberschrift "Pack den Cyber in den Punk", die man offensichtlich von der Kurzabenteuersammlung der letzten Ausgabe beibehalten hat...

In der LARP-Kolumne widmet man sich dem Thema "Glück und Zufall im LARP" und stellt fest, dass es neben dem realen Glück kein gewürfeltes Glück gibt. Am Beispiel Fährten lesen, Tränke brauen und Magie wird verdeutlicht, dass es beim LARP auf`s Ausspielen ankommt und bei besonders gelungenem Schauspiel die SL dies mit Zusatzinfos belohnt. Die Behauptung, dass eine SL den kompletten Prozeß eines Tränkebrauens beisteht, hab ich in meiner LARP-Praxis allerdings bisher nicht erlebt, dazu dauert es schlicht zu lange. Auch die Aussage, dass wer beim Spurenlesen mit Bäumen redet, Zusatzinfos bekommt, für Druiden gelten mag, sollte aber keinesfalls verallgemeinert verstanden werden.

Gelungen ist der Artikel "Die rechtssichere Rollenspielseite", zumal es ja viele Webmaster und Webmasterinnen unter uns Rollenspieler gibt. Es werden zwar nur einsteigende Tipps gegeben, mit der LG-Hamburg-Disclaimer-Seuche aufgeräumt (Danke!) und ein weiterführendes Buch empfohlen, aber mit diesen Basis-Tipps sollte man schon weit kommen.

Abgerundet wird auch dieser Envoyer von dem "Guten Rat aus Envoria", diesmal im Unknown Armies-Stil, was mir auch erstmals einige Lacher abringen konnte, dem Comic "Weltenretter", Produktnews und Rezensionen.

Zuletzt angemerkt sei noch, dass im Impressum sowohl die Fantaseek beworben wird, welche sich nun schon längere Zeit im Umbau befindet, und der Rollenspiel-Service (ehemals KOOP), welcher erst von ADRV abgegeben wurde und nun schon länger dicht ist. Da sollte die Redax mal schauen, was von dem noch aktuell ist...

Fazit: Wer sich für Unknown Armies interessiert hat, sich aber noch nicht das Grundregelwerk geleistet hat, kann hier reinschnuppern. Die Light-Version bietet einen gelungenen Einblick. Das Abenteuer hingegen ist nur für Leute interessant, die schon mittendrin stecken, im okkulten Untergrund.




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