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B.Ö.S.E. 1: Alles wird gut
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 31.08.2006, Serie: Auditorium, Autor(en): , Verlag: LAUSCH - Phantastische Hörspiele, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 9,99 Euro


Nach den Serien Caine und Schwarze Sonne versucht sich der Lauschverlag an einer Satire-Hörspielserie: B.Ö.S.E.

Als die etwas trotteligen Dämonen Incubus und Succubus auf dem Friedhof die Geisterstunde erwarten – wie jede Stunde, verstellen sie bei einem Unglück die Gut-Böse-Polung der Hölle, dem Konzerngelände der Firma B.Ö.S.E. Als wahrhaft gute Konsequenz tritt eine Wellnessfee in Erscheinung, die den freudlosen Untoten Trost spendet und die Grabsteine nach den Regeln des Feng Shui ordnet. Und selbst Chefinspektor Astoroth ist schwer damit beschäftigt, die vielen Fälle des Lebens aufzuklären, die nun wirklich nix auf einem Friedhof zu suchen haben...

Dem B.Ö.S.E.-Konzern selbst geht es immer schlechter, der Vertrieb von Angst- und Panikprodukten wird von der "neutralen Zone", der Erde, viel besser erledigt. Doch nun muss sich der Vorsitzende Stan nicht nur mit ständig sinkenden Aktienskursen und einem Einbruch des Kurs-Gewinnverhältnisses beschäftigen, sondern mit einem sich ständig verschönernden Konzernbetriebshof. Da bleibt nur ein Treffen mit der Konkurrenz und ehemaligen Muttergesellschaft, (Karel) Gott persönlich...

Zuguterletzt versuchen auch die abscheuliche Criz, ihr Begatter Turbo Hacken Giga und die Dreckschleimers dem Unglück auf die Spur zu kommen, den Criz ist mittlerweile zum Superblondchen mutiert – so gar nicht nach dem Geschmack ihres werten Begatters.

Die Produktion ist technisch einwandfrei auf dem höchsten Niveau, inhaltlich stellenweise jedoch eher niveaufrei. Vieles ist ins Gegenteil (Contra 8 statt Pro 7, Konzerntiefhaus, etc. pp.) verkehrt, und so liebkost sich das dämonische Ehepaar in fäkalreicher Sprache.

Zum Glück bleibt das nicht die einzige humoristische Anspielung, die fröhliche, hochmotivierte Fee mit ihrer Klimpermusik zwischen all den düsteren Gestalten ist schon herrlich anzuhören, genau wie der tschechelnde Gott, der Stan immer wieder lobt und ganz toll findet, dass er seinen eigenen Stil gefunden hat.

Auch sonst wird vor nichts Halt gemacht, Marcel Reich-Ranicki muss genauso daran glauben wie Veronikas Ferres, Schlagsahne oder das Arbeitsamt St. Pauli.

Der Witz nutzt sich allerdings schnell ab, der Dauerhörwert der Satire ist sicherlich nicht so hoch wie bei einem normalen Hörspiel.

Eine besondere Leistung ist in jedem Fall, dass es zwar unzählige Charaktere gibt, aber nur vier Sprecher, was man der Produktion aber in keiner Weise negativ anmerkt. Sehr variabel gesprochen durch Akzente und Aussprache, sind alle Rollen eindeutig unterscheidbar. Im Vergleich zu ähnlichen Produkten wie beispielsweise der John Sinclair-Comedy-CD zeigt sich B.Ö.S.E. durchaus konkurrenzfähig.

Die niedlich-rosa-farbende Aufmachung hat mit Sicherheit die Feng Shui-Fee zu verantworten, die mir irgendwie Angst vor rechtschaffend-guten Personen macht...

Fazit: Wer Satire mag und gern mal was neues ausprobiert, wird hier fündig. Wer über Unmengen von Fäkalsprache nicht hinwegsehen kann, dem ist die Serie eher nicht nahezulegen. Insgesamt ein interessanter Auftakt, der darauf hoffen läßt, dass im zweiten Teil, der im Herbst erscheinen soll, weitere neue Ideen umgesetzt werden können.




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