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Die vergessenen Reiche: Das Jahr der abtrünnigen Drachen Band 1: Der Zorn
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 03.09.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Richard Lee Byers, Verlag: Feder und Schwert, Seiten: 392, Erschienen: 2006, Preis: 11,95 Euro


In Faerûn steht das irdische Jahr 2006 als "Das Jahr der abtrünnigen Drachen" im Kalender und Richard Lee Byers präsentiert dem geneigten Leser die dazugehörige, gleichnamige Romantrilogie. "Der Zorn" bildet dazu den Auftakt.

Der Halbgolem Dorn ist Anführer einer Gruppe von Drachenjäger, die von geplagter Stadt zu geplagter Stadt ziehen, und den Bewohnern gegen Gold helfen; ihm zur Seite der schürzenjagende Lathanderpriester Pavel, der Halblingsschurke Will und der eiszwergische Fährtenleser Raryn, die ihm treue Gefolgschaft leisten und sich zusammen zu Spezialisten in der Drachenjagd entwickelt haben.

Nachdem aber in Ylraphon ein Drachenzorn auftrat, ein Schwarm rasender Drachen, helfen sie der Bardin Kara und bringen sie nach Lyrabar. Allerdings entdecken sie an den Ufern des Drachengriffs mehrere verwüstete Dörfer, scheinbar nicht das Ergebnis nur eines einzigen Drachenflugs...

Währenddessen ist es den Harfnern offenbar gelungen mit Gorstag einen Spion in eine der existenzbedrohensten Organisationen Faerûns einzuschmuggeln: den Drachenkult. Dieser versucht nach einer Vision seines Gründers Sammaster Drachen davon zu überzeugen zu Drachenleichnamen zu werden, untote Kampfmaschinen, denen laut Sammaster die Führung über die Reiche gebührt.

Letzter Protagonist des Buches ist Gorstags Fechtlehrer Taegan, ein Avariel, einer der fast ausgestorbenen, geflügelten Elfen. Eigentlich hat er mehr damit zu tun auf großem Fuß zu leben, Schuldner auszuzahlen und neue Schüler zu werben, aber schon bald wir er mit in die Kabale gezogen...

Richard Lee Byers zeigte schon im Auftaktroman zum "Krieg der Spinnenkönigin"-Sextett seine Qualitäten und erweckte Menzoberranzan zu plastischem Leben. Und auch hier ist ihm ein spannender, abwechslungsreicher, lebendiger Auftaktroman gelungen, der mit der genau richtigen Menge Action auskommt.

Im Mittelpunkt steht im ersten Handlungsstrang eine Heldengruppe, wie sie klassischer kaum sein könnte: Krieger, Waldläufer, Kleriker und Schurke, nur der Magier fehlt. Andererseits überrascht sie auch, und das nicht nur wegen ungewöhnlicher Rassen: ein Halbgolem, ein Eiszwerg, ein Avariel. Pavel ist nicht der zurückgezogene, geistig überlegende Priester sondern mehr Lebemann, Will nicht nur sein natürlicher Gegenpart, sondern auch in unterhaltsamen Wortgefechten der Kontrahent. Dorn hingegen ist ein introvertierter, gezeichneter Anführer, der sich manchmal der geschlossenen Meinung der restlichen drei beugen muss.

Mit dem Drachenkult und Drachen im allgemeinen hat Byers zudem beliebte Themen ins Zentrum seiner Trilogie gestellt. Der Drachenkult wird lebendig beschrieben; wem das gelungene Quellenbuch "Der Drachenkult" aus der zweiten AD&D-Version nicht ausreicht, findet hier weitere Ansätze. Auch viele verschiedene Drachenarten und –charaktere finden Einzug in den Roman, nicht nur chromatische und metallene, auch Rauch-, Lieder- oder Feendrachen haben ihren Platz.

Der Plot bietet zahlreiche kleine Twister und Überraschungen, ist eigentlich an jeder Stelle kurzweilig und spannend und konstruiert keine Kämpfe um der Kämpfe willen. Einige der Talente der dritten D&D-Version finden sich auch hier wieder und sind flüssig eingeflochten.

Die Aufmachung ist gut – nur gut, um genau zu sein. Bisher gefielen mir alle Aufmachung aus dem Hause Feder & Schwert sehr gut. Das Cover ziert ein Bild mit einer Gruppe renender Menschen, die vor einem feuerspeienden Drachen fliehen, ein weiterer lauert im Hintergrund. Seitlich daneben und das komplette Backcover zierend Bruchstücke des Schriftzuges "Das Jahr der abtrünnigen Drachen" in unterschiedlichsten Größen und feurig glühend der eigentliche Titel-Schriftzug "Der Zorn". Das Papier des Romans ist deutlich dünner als bei den bisherigen Reihen und der Preis hat sich bei knapp 12 Euro eingependelt.

Fazit: Facettenreicher, vielversprechender Auftaktroman zum aktuellen Themenjahr, welches sowohl spannend und wendungsreich ist, als auch noch die ein oder andere Idee und Anregung fürs aktive D&D-Rollenspiel bietet.




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