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Sanguis B.: Vampire erobern Köln
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 02.08.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Bernard Craw, Verlag: Johannes van Aaken Verlag, Seiten: 416, Erschienen: 2005, Preis: 9,95 Euro

Erst sieht es so aus, als ob "nur" ein Serienmörder in Köln sein Unwesen treibt. Doch bald tritt die Wahrheit zutage: Vampire streifen durch die Nacht, und sie vermehren sich explosionsartig. Ehe noch die Menschen reagieren können, verlieren sie jede Möglichkeit zur Gegenwehr. Die Zivilisation versinkt im blutigen Chaos.

Diese apokalyptische Geschichte erzählt Bernard Craw in Sanguis B. aus der Sicht des Studenten Thomas und seiner Freunde, die zu den ersten gehören, die von den Vampiren getötet werden und schnell wieder als Untote zurückkehren. Der Roman zerfällt in drei Kapitel, die nicht nur jeweils eine neue Stufe der vampirischen "Eroberung" Kölns und der Welt vorstellen, sondern sich jeweils auch eines ganz eigenen Erzählstils bedienen. Zunächst steht das Befremden im Mittelpunkt, das die frisch "erwachten" Vampire angesichts ihres neuen Zustands empfinden. Langsam lernen sie ihre neuen, über das Menschliche hinausgehenden Fähigkeiten kennen, aber auch die unbezwingbare Gier nach frischem Blut. Die Hauptfiguren schwanken zwischen dem Grauen über ihre neue Existenz, inneren Vorwürfen wegen ihrer mörderischen Natur und den verzweifelten Versuchen, herauszufinden, was denn eigentlich mit ihnen geschehen ist. Mit Hilfe der Medizinstudentin Epi, die sich bald ebenfalls zu den Untoten gesellt, finden sie schließlich heraus, dass ein Bakterium sie zum Leben erweckt und in Raubtiere verwandelt hat. Im zweiten Kapitel kommt die Vampir-Epedemie in Köln und darüber hinaus zum vollkommenen Ausbruch. Die Menschen werden zu Gejagten, ihr verzweifelter Widerstand mit militärischen Mitteln bricht zusammen. Auf der anderen Seite beginnen sich die immer zahlreicher werdenden Vampire zu formieren und eine eigene, auf ihre Raubtiernatur ausgerichtete Gesellschaft zu errichten. Der dritte Abschnitt thematisiert schließlich die Auseinandersetzungen zwischen den Vampiren, die sich in Köln unter der "Herzogin" Lola zu einer feudalen Gesellschaft formieren. Neue Probleme treten auf: der Mangel an lebenden Menschen und damit an Nahrung sowie das Auftauchen eines mysteriösen "Ersten", der für sich die Herrschaft über alle Vampire beansprucht. Im Verlauf der zunehmend actiongeladenen Handlung findet das "Rudel" um Epi eine Lösung für das Ernährungsproblem und wird gleichzeitig in den Strudel der Ereignisse rund um den "Ersten" hineingezogen. Ganz am Ende enthüllen sie den Ursprung der Vampire, doch ist es da schon zu spät, um die Katastrophe ungeschehen zu machen.

Sanguis B. ist ein flüssig erzählter, spannender Schmöker mit glaubhaften Zentralfiguren in einer gleichzeitig weit gespannten und nachvollziehbaren Handlung. Vampire erscheinen nicht als düstere "Könige der Nacht" und die Gruftig-romantischen Blutsauger kommen eher als Witzfiguren am Rande vor. Die Hauptfiguren sind vielmehr ganz normale Menschen von heute, die plötzlich mit dem Unglaublichen konfrontiert werden und auf verschiedene Arten darauf reagieren. Allerdings baut der Roman im Verlauf der Handlung etwas ab. Das liegt daran, dass der Autor die Ebene der inneren Handlung zu Gunsten der Actionszenen zunehmend ausblendet. Im ersten Kapitel werden die Charaktere gerade dadurch glaubhaft, dass sie daran verzweifeln, was mit ihnen geschieht und dass sie mit sich selbst kämpfen. Im weiteren Verlauf des Romans tritt dieser Ansatz deutlich zurück, wodurch die neu eingeführten Charaktere weniger "echt" und eher holzschnittartig erscheinen. Warum sie sich so verhalten, wie sie es tun, wird nicht immer ganz klar. Kritisieren könnte man auch das eine oder andere Detail der Handlung. So leuchtet beispielsweise nicht ganz ein, warum eine Medizinstudentin in atemberaubendem Tempo hinter das Geheimnis des Vampirismus kommt, obwohl das Phänomen die ganze Welt in Atem hält. Auch der schnelle und umfassende Sieg der Untoten gegen die militärisch vorgehenden Menschen will nicht ganz einleuchten. Doch das sind lediglich Nebenaspekte in einem wirklich lesenswerten Roman mit Kölner Lokalkolorit und Apokalypse-Charme.

Fazit: Sanguis B. ist ein absolut empfehlenswerter Vampirroman mit spannender Geschichte. Besondere Pluspunkte sind die glaubhaften Charaktere, zumindest, was die Haupthandlungsträger betrifft. Zum Ende hin nimmt die eher unreflektierte Action allerdings ein wenig überhand.




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