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Das Zeitalter der Wandlung 3: Schattenbruch
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 08.08.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Markolf Hoffmann, Verlag: Piper Verlag GmbH, Seiten: 352, Erschienen: 2005, Preis: 9,95 Euro


"Schattenbruch" ist der dritte Band in dem Quartett des "Zeitalters der Wandlung".

In die von Menschen beherrschte Welt Gharax dringen die echsenartigen Goldéi ein, welche sich auf die von Menschen beherrschten (Magie-)Quellen stürzen und diese befreien – und so die einst domestizierte Natur wieder in Wildwuchs und damit für den Menschen gefährliche Umwelt wandelt.

Im zweiten Band verhindern die Menschen, dass die Goldéi vom Silbermeer übersetzen, andererseits sind die letzten Legionen der Verteidiger zerschlagen: eine Art Pattsituation vorerst.

In Vara sitzt Baniter Ganeder, der möglicherweise letzte Fürst des Silbernen Kreises, im Kerker und hadert mit seinem Schicksal. Kurz vor dem Erreichen seines großen Zieles, der Wiedervereinigung der Fürstentümer Ganata und Varona – natürlich unter seiner Herrschaft – hat der junge Kaiser Uliman die Fürsten ermordet, um Rache zu nehmen für seinen Vater oder möglicherweise auch nur im Auftrag der finsteren Bathaquar. Die ehemalige Splittergruppe der Tathrilkirche hat diese längst unterwandert, andererseits gibt es mit dem Auserkorenen Nhordukael und seinen Weißstirnen noch eine weitere Gruppe, die um die geistige Vorherrschaft im Reich Sithar ringt.

Und wie steht es mit Inthara, Ulimans frisch angeheirateter Ehefrau und Königin des verfeindeten Nachbarreiches Arphat? Nachdem ihr gemeinsames Herr geschlagen wurde, droht auch ihr Zweckbündnis brüchig zu werden. Derweil verschlägt es Großmerkant Aelarian Turac und seinen Leibdiener Cornbrunn auf die einsame Insel Tula, wo sie einen mysteriösen Park entdecken: den Schattenbruch.

Ein weiteres Schlaglicht liegt auf den Aktivitäten des geheimnisumwobenen Südseglerbundes, welche im Süden einen unbekannten Kontinent suchen. Allerdings sprechen sie nur in Reimen und haben sich selbst geblendet, um ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Auf ihrem Schiff ist das Entführungsopfer Jundala Ganeder, die Ehefrau Baniters, mitgeführt. Dadurch erhofft sich die intrigante Sinustre freie Hand in Vala.

Im Hintergrund der tobt der Kampf zwischen den alten Rivalen Sternengänger und Mondschlund, welche die Menschen nur als ihre Werkzeuge begreifen und indirekt gegeneinander agieren und um die Vorherrschaft in Gharax ringen.

Was im ersten Band "Nebelriss" möglicherweise noch an Midkemia erinnert (fremdartige Invasoren) beschränkt sich nicht auf große Kämpfe oder einzelne Helden, sondern umfasst viele kleine Puzzlestücke, die sich nach und nach zusammensetzen. So entwirrt sich ein verzwickter, komplexer Plott und jedes neue Puzzlestück, welches sich scheinbar ins Bild fügt, wird mit Spannung erwartet.

Zwar hat der Leser durchaus seine Helden, Fürst Baniter oder Großmerkant Aelarian zum Beispiel, jedoch kann man sich längst nicht sicher sein, dass ihre Marionettenspieler Sternengänger und Mondschlund zum Wohl der Menschen handeln – sicher ist nur, dass diese sie auch nur als Schachfiguren in ihrem großen Spiel hin- und herschieben. Im Gegenteil: Während das Mißtrauen gegen Sterngängers Aktivitäten groß ist, wächst in einigen der Charaktere auch das Mißtrauen in Mondschlunds Motivationen, was die Auflösung um so dringlicher erwarten läßt.

So bleibt der dritte Teil von der Seitenzahl zwar das dünnste Buch mit rund 340 Seiten – übrigens nicht von der tatsächlichen Breite, da ist der 460-seitige Vorgänger Flammenbucht effektiv schmaler – aber auch das bisher Spannendste. Während "Nebelriss" ein erstes Kennenlernen der Welt und dem Stile Hoffmanns ist, gibt es in "Flammenbucht" ein erstes Auseinanderknüpfen des Metaplots und erste Puzzlestücke fügen sich ins Bild. "Schattenbruch" sortiert dann gleich einige Teile um und bietet viele neue Wendungen, die aber immer stimmig bleiben. Kein Plottwister um des Plotttwisters willen.

Markolf Hoffmanns Stil ist sicherlich gewöhnungsbedürtig. Eine dichte, atmosphärische und bewußt komplexe Welt, die sich einem nach einem Band noch lange nicht erschlossen hat, unzählige Mythen und Legenden, die noch in die Gegenwart Gharax reflektieren und wirken. Seine Welt schildert er nicht in blutigen Schlachten und Kämpfen, diese sind nur Randerscheinung. Er setzt sein Schlaglicht auf die viele Haupt- und Nebenfiguren mit ihren Intrigen und Plänen an den unterschiedlichsten Orten, die auf genauso unterschiedliche Art und Weise etwas von der Wandlung ihrer Welt mitbekommen.

Das Cover, eine Verfolgungsjagd vor einer Burg, ist stimmig, die Farbgebung und Gestaltung fügt sich zum Rest der Reihe und reichlich Kartenmaterial, gezeichnet von seiner Hjördis, der Schwester des Autors, schaffen ein erstes Bild von der Welt. Dazu kommt ein vierseitiger Namensindex vorweg, der einem hilft, den Überblick zu bewahren. Während ich in Band eins darauf noch reichlich zugriff, war das im dritten Teil schon längst nicht mehr nötig – allerdings sinnvoll, wenn man vorher eine längere Lesepause gemacht hat.

Einen Tipp zum Einstieg in die Reihe gibt es auch noch. Da der erste Band "Nebelriss" sowohl von Heyne und dann von Piper gedruckt wurde, ist er sehr günstig gebraucht zu bekommen, um sich erstmal in Gharax einzulesen. Auch die gut aufgemachte Autorenseite www.nebelriss.de bietet Probetexte und weiteres Material zum Zeitalter der Wandlung.

Fazit: Ein junger deutscher Autor, der einen ganz eigenen Stil gefunden hat und eine dichte Atmosphäre schafft, wie man sie selten in dieser Qualität liest, schafft es spätestens mit "Flammenbucht" seinen Leser zu fesseln und kann sich mit "Schattenbruch" gar noch eine Quäntchen steigern. Da darf man sich schon auf den abschließenden Band "Splitternest" freuen, welcher dann die letzten Geheimnisse offenbart.




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