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Into the Red
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 03.07.2006, Serie: Auditorium, Autor(en): Andreas Petersen, Per Dittmann und Eva-Maria Irek, Verlag: Erdenstern, Seiten: 22 Songs, knapp 80 Minuten, Erschienen: 2006, Preis: 14,99 Euro


Erdenstern bringt unter eigenem Label Soundtracks für Rollenspiel heraus und präsentierte im Oktober 2005 mit "Into the green" das Erstlingswerk. Die randvolle CD für knapp 15 Euro mit fast 80 Minuten Spielzeit und 21 Stücken widmet sich "grünen Themen", beschreibt also mächtige Wälder, saftige Wiesen, feuchte Sümpfe und ausgedehnte Moore. Daneben sind aber auch typische Rollenspielthemen in den Stücken verarbeitet wurden, Kämpfe, Taverne, Questen oder die Stadt. Diese letztere Szenenpalette steht nun im Mittelpunkt der Nachfolge-CD "Into the Red".

Das vierseitige Booklet ist zweisprachig gehalten und wendet sich neben dem deutschsprachigen Hörer auch an englisch sprechende Rollenspieler. Das Cover transportiert gut das Hauptmotiv und die Rückseite bietet eine Orientierung für den Einsatz: Neben dem Namen des Stücks sind jedem mehrere Adjektive zugeordnet, z.B. "The journey begins" ("Die Reise beginnt") abenteuerlich, heroisch, erwartungsvoll. Gerade Spielleitern, die bisher nur wenig Musik einsetzten oder die CD selbst noch nicht kennen, wird hier unkompliziert Hilfe geboten. Man merkt der gesamten Optik der CD an, dass Erdenstern schon früher nicht nur als Filmmusiker, sondern auch als Designer zusammengearbeitet haben.

Das Cover ist diesmal ein stilisierter, kreisrunder, goldener Drache, umrahmt von einem keltischen Kreuzmuster auf rotem Tuch und an der Seite ist zu erkennen, dass sich langsam das Erdenstern-Logo bildet, reiht man die CDs zusammen. Ein deutlicher Hinweis, dass man eine ganze Soundbibliothek mit unterschiedlichen Schwerpunkten erschaffen will. Die Rückseite des Booklets bildet eine erste Orientierung für den Einsatz: Dem Titel "Ambush" sind beispielsweise die Attribute "kämpferisch, hektisch, bedrohlich" zugeordnet. Auf dem Backcover ist hingegen der jeweilige Untertitel zu finden, in diesem Fall "Caught of guard".

Loopfähig sind alle Stücke, wobei es aber wieder einen kompositorischen Ein- und Ausstieg gibt, schließlich soll es auch möglich sein, die CD problemlos hintereinanderweg hören zu können, etwa beim Lesen.

Die Kompositionen stammen erneut von Andreas Petersen, einiges ist ja auch zeitgleich mit der "Into the green" entstanden und wurde dann von allen drei Musikern umarrangiert. Auch diesmal handelt es sich vor allem um Instrumentalstücke. Die Instrumentierung ist klassischer, stellenweise auch folkloristisch, beispielsweise mit Streichern, Schellen und Blasinstrumenten. Wie zu erfahren war, greift man dabei im wesentlichen auf Samples zurück, wobei aber hoch qualitative verwendet werden. Auf dem Nordcon wurde mir erläutert, dass es beispielsweise von der Vienna Symphonic Library verschiedene Qualitätsstufen gibt und man immer versucht, auf die beste zurückgreifen. Da hört man dann nicht nur den klaren Ton der Klarinette, sondern auch das Klappern der Luftklappen. Und diesen Anspruch an Qualität und Authenzität hört man dem Werk auch insofern an, dass es kein Stück gibt, welches "wie das davor" oder "von der letzten Platte" klingt.

Neben den rein instrumentalen Stücken gibt es aber in einer knappen Handvoll Songs noch teils kurzen Hintergrundgesang, auch wurden wieder einige Passagen selbst oder von Gastmusikern arrangiert.

Etwa ein Fünftel der Songs spiegeln feste Orte im Rollenspiel wieder, wie sie typischerweise auftauchen: das Haus der Heilung, die Burg, die Minen oder auch das tote Dorf ("Dead Village").

Knapp die Hälfte der Songs sind dann direkt auf Situationen bezogen, die vermehrt im (Fantasy-) Rollenspiel auftauchen: Turnier, höfischer Tanz, Sieg oder Niderlage. Natürlich sind solche Übergänge fließend, so läßt sich "House of Healing" sicherlich gut für einen Heiltempel nehmen, genausogut aber bei einer Heilung durch den Spielercharakter oder NSC. Umgekehrt lässt sich zum Beispiel "Concentration of troops" sicherlich auch für eine Kaserne oder Festung verwenden.

Gerade die nun schon längere Erfahrung mit dem Vorgängerwerk zeigt, wieviel Spaß es macht, die Spielrunde musikalisch zu untermalen mit ausgewählten Stücken, die man auf Anhieb findet, ohne die CD in- und auswendig zu kennen. Ohne Zeitverlust ist das nächste Thema gefunden, auch wenn die Heldentruppe unplanmäßig in den Sumpf marschiert, sich beim Wolkenbruch nicht unterstellt oder sich im Nebel verläuft.

Fazit: Erneut ist eine CD gelungen, die für Rollenspieler geradezu maßgeschneidert ist, aber auch gemütlich beim Lesen oder Schreiben nebenbei genossen werden kann. Diesmal dramatischer, kämpferischer als "Into the green" kann man nur gespannt sein, welche Farbe demnächst die Soundbibliothek von Erdenstern weiterführt.

PS.: Zur Orientierung habe ich noch die Liste mit Liedern, Untertiteln und Eigenschaften drangehängt, damit ihr eine genauere Vorstellung habt:

Tracklist:
1. Invasion (4:21) A Sudden End Of Peace - bedrohlich, treibend
2. The Castle (4:19) Strong Walls And Minstrels - höfisch, beschwingt, groß
3. Dances (2:23) A Light-Hearted Night Out - mittelalterlich, tänzerisch
4. Foreshadowing (3:43) A Vision Of Evil - unheimlich, beschwörend, dunkel
5. The Tournament (2:52) May The Best One Win - kämpferisch, folkloristisch, rhythmisch
6. Farewell (3:34) One Last Night - melancholisch, getragen, erhebend
7. Into The Red (4:30) Death Or Glory - heldenhaft, rhythmisch, kraftvoll
8. Dead Village (3:33) We're Too Late - geisterhaft, neblig, leer
9. Through Wind And Rain (3:17) Rough Terrain, Bad Weather - kämpferisch, hektisch, bedrohlich
10. Ambush (4:23) Caught Off Guard - treibend, ungewiss, sich steigernd
11. The Mines (4:15) The Best Swords Are Made Here - beeindruckend, schwer, metallisch
12. Damn Little Folk (3:33) Yet Another Problem With Small Hands And Long Teeth - humorvoll, übertrieben, gemein
13. Riders From The East (3:42) Reinforcement Is On Its Way - energisch, erhebend, heldenhaft
14. Crossing Swords With The Evil (4:34) May The Gods Be With Us - kämpferisch, dynamisch, brutal
15. House Of Healing (3:46) Peace And Rest - ruhig, getragen, groß
16. Concentration Of Troops (3:20) Raise The King's Banner - treibend, erwartungsvoll, peitschend
17. Remember Green (3:44) Times Get Rough And Home Is Far - sentimental, anmutig, schön
18. The Battle Of Dragons (5:25) From The Thick Of Battle To Triumph Or Death - wild, gewaltig, mächtig
19. Victory (0:39) They Deserved No Better - triumphierend, heldenhaft
20. Defeat (1:09) Tend The Wounded - traurig, erschöpft
21. Grief (2:16) The Funeral - klagend, schmerzvoll, vokal
22. Long Live The King (5:34) And Honour To The Comrades Lost - episch, militärisch, glorreich
Gesamtspielzeit: 79:45 min.

PPS.: Wenn das Interesse geweckt wurde, während der Aufnahmen zu "Into the red" haben wir Erdenstern interviewt: http://www.lorp.de/magazin/artikel.asp?id=146




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