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Campaign Cartographer 2 Professional
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 16.11.2006, Serie: Software, Autor(en): , Verlag: ProFantasy Software Limited, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 29,95 Euro

Wer seinen Spielern eine eigene, "selbstgeschmiedete" Kampagne bieten will, sollte sich nicht nur um glaubwürdige Hintergründe und spannende Abenteuer-Aufhänger kümmern, sondern auch Kartenmaterial zur Verfügung stellen. Schließlich wollen die Spieler bei Überlandreisen wissen, wohin sich ihre Charaktere bewegen und auch für den Spielleiter selbst dient eine Karte zur Orientierung in der eigenen Welt. Der Campaign Cartographer 2 erleichtert diese Aufgabe.

Das Grundprinzip des Zeichenprogramm ist es, möglichst einfach die komplizierten geografischen Strukturen einer echten Landkarte nachzuempfinden. Jeder, der schon einmal mit einem herkömmlichen Grafikprogramm versucht hat, Küstenlinien anzulegen, die ähnlich wie die Formen in der Natur wirken, wird das Problem kennen. Für diese Aufgabe stellt der Campaign Cartographer 2 seine grundlegende Zeichenfunktion zur Verfügung, die auf der Grundlage von Fraktalberechnung erstaunlich "echt" wirkende Küstenlinien produziert. Auf ähnliche Art lassen sich auch Flüsse und Straßen anlegen. Dabei kann man tief greifend in die Fraktalfunktion eingreifen, um beispielsweise verschiedene Formen zu imitieren, etwa die sanften Küstenlinien von Südseestränden oder zerklüftete Strukturen, angelehnt an die skandinavischen Küsten. Eine ähnliche Fraktalfunktion hätte man sich auch für die Zeichenhilfe für Landesgrenzen gewünscht. Hier sind allerdings leider nur gerade Linien möglich.

Für verschiedene Strukturen stehen unterschiedliche Arbeitstechniken zur Verfügung. Die meisten Kartenelemente, also Höhenlinien, Wälder oder Landmassen, lassen sich wahlweise mit dem Fraktal-Werkzeug, über automatisch berechnete Kurven zwischen bestimmten Eckpunkten oder einfach durch das freihändige Zeichnen der Randlinien erzeugen. Das Programm füllt dann jeweils die Fläche aus, egal, wie die Ränder zu Stand gekommen sind. Andere Geländemerkmale lassen sich "stempeln". Das bedeutet, dass vorgegebene Muster per Mausklick zur Karte zugefügt werden. Vor allem bei Ansiedlungen wird diese Technik angewendet. Ein Klick und das Symbol ist an seinem Platz. Die Symbole selbst sind vorgegeben, allerdings gibt es eine große Bandbreite, vom Eingeborenendorf über den druidischen Steinkreis bis hin zur ummauerten Großstadt. Auch Elemente wie Höhleneingänge, Pyramiden oder Windmühlen finden sich. Die einzelnen Symbole können frei in ihrer Größe verändert werden. Diese Technik bietet auch eine Alternative zum Anlegen von Wäldern, Sümpfen oder Gebirgen. Insbesondere, wenn es nicht auf allzu exakte Abgrenzungen dieser Strukturen ankommt, ist das Stempeln oft sogar die bessere Variante als das Zeichnen per Kurve oder Fraktal. So stehen bei den verschiedenen Wäldern drei Symbolformen zur Verfügung: ein großes Quadrat mit vielen Bäumen, ein etwas kleineres und schließlich noch einzelne Baumsymbole. Zusammen bekommt man mit diesen drei Hilfsmittel schnell realistisch erscheinende Wälder hin. Weitere Symbole ermöglichen beispielsweise das Einfügen von Rohstoffzeichen oder schmückenden Karten-Elementen.

Grundlegende Zeichenelemente wie Kreise oder Rechtecke mitsamt Kommandos wie zum Einfärben und Spiegeln oder Einfügen von zusätzlichen Eckpunkten sind ebenso vorhanden. Natürlich lässt sich auch Text auf der Darstellung unterbringen und bearbeiten oder ein Hex-Gitter über die Karte legen. Besonders praktisch ist die Möglichkeit, verschiedene Ebenen zu verwenden. So lässt sich eine Karte für die Spieler erstellen und auf der gleichen Grundlage weitere für den Spielleiter, die etwa Rohstoffquellen oder noch zu erkundende Regionen darstellen. Die Karten können in gängige Grafikformate exportiert werden, so dass man sie den Spielern problemlos an die Hand geben kann.

Der Campaign Cartographer 2 verfügt über eine große Vielfalt von Zeicheninstrumenten. Zusammen mit der konsequenten Ausrichtung auf die Bedürfnisse von Rollenspielern ist das seine Stärke. Allerdings muss man sich in diese Vielfalt auch intensiv einarbeiten, zumal viele Befehlsabläufe sich deutlich von dem bekannten Vorgehen der meisten herkömmlichen Grafikprogramme unterscheiden. Hilfreich wären dazu einige zusätzliche Tutorials gewesen. Das vorhandene erklärt nur die absoluten Grundzüge. Insgesamt lassen sich Fantasy-Karten zügig entwickeln, vor allem, wenn man von groben Vorstellungen ausgeht. Sie lassen sich mit dem Campaign Cartographer 2 innerhalb kürzester Zeit in ansprechende Formen bringen. Wer schon sehr genaue Vorstellungen hat und sie möglichst exakt umsetzen will, ist unter Umständen besser mit einem herkömmlichen Grafikprogramm beraten. Auch ausgefallene Karten-Designs im individuellen Stil sind nicht möglich: Die Karten sehen immer "irgendwie nach Campaign Cartographer 2" aus.
Ein paar tatsächlich Schwächen hat das Programm allerdings auch. Die gravierendste ist die unzureichende Undo-Funktion. Mit ihr lassen sich keine einzelnen Zeichnungspunkte rückgängig machen, sondern nur der komplette bislang gegangene Weg. Hat man sich beispielsweise am Ende einer komplizierten Küstenstruktur an einer Stelle vertan, ist der gesamte Arbeitsschritt umsonst gewesen.

Fazit: Der Campaign Cartographer 2 ist ein sehr hilfreiches Werkzeug für Spielleiter. Vor allem dank der praktischen Fraktalfunktion entstehen in kürzester Zeit überzeugende Landkarten, ohne dass man vorher schon ein ausgeklügeltes Bild vor Augen haben muss. Allerdings sollte man sich ausgiebig in die vielen Funktionen des Programms einarbeiten.




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