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Das Vermächtnis der Völker
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 16.03.2006, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Katharina Pietsch, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 51, Erschienen: 2006, Preis: 10,00 Euro


Elfen und Menschen. Auf der einen Seite Wesen, die Jahrhunderte alt werden und eine instinktive Verbundenheit zu Natur und Magie pflegen, auf der anderen die Menschen, kurzlebig, wenig feinfühlig aber in ihrer Masse die Herrscher der Welt: Aus diesem Gegensatz speisen sich seit Altmeister Tolkien zahlreiche Fantasy-Epen. Auch Das Vermächtnis der Völker entfaltet sich in diesem Spannungsfeld.

Die Helden treffen auf den elfischen Meister- und Zaubermaler Golodion Seemond. Anschließend reisen sie in seinem Auftrag nach Gerasim. Nirgendwo sonst in Aventurien leben Menschen und Elfen enger zusammen als in der Waldsiedlung. Doch stauen sich bereits seit Jahren Spannungen auf, die jetzt durch das Auftauchen von menschlichen Flüchtlingen und Goldsuchern an Schärfe gewinnen. In diesem zunehmend unfreundlichen und misstrauischen Klima begeben sich die Helden auf die Suche nach Mondglanz Eichenfeld, der verschollenen Leiterin der Zauberschule des direkten Wegs. Bevor sie schließlich entdeckt wird, eskaliert der Streit zwischen den Völkern. An den Spielern und den von ihnen geführten Charakteren liegt es, das Schlimmste zu verhindern. Danach führt die Handlung auf ein Ritual zu, das genau der unheilvollen Entwicklung entgegenwirken und ein bleibendes Symbol der Verbindung zwischen Elfen und Menschen schaffen soll.

Die große Stärke des Abenteuers ist seine dichte Stimmung. Es macht klar, dass Elfen keine "Menschen mit spitzen Ohren" sind. Der Gegensatz zu den Menschen und die Interaktion zwischen Spielern und elfischen Nichtspielercharakteren macht dies deutlich. Gleichzeitig läuft im Hintergrund die Entwicklung der Spielwelt Aventurien weiter. In diesem Fall geht es vor allem um die sich abzeichnende Spaltung des Elfenvolks in diejenigen, die sich aus der Wirklichkeit zurückziehen, und denen, die in der Welt der Menschen bleiben.

Diese Schwerpunkte werfen allerdings auch Probleme auf. Wer als Spieler Spaß an Das Vermächtnis der Völker haben will, muss sich auf ein hohes Maß an Interaktion einlassen. Wer mehr auf das bloße Würfeln und Kämpfe setzt, erlebt wahrscheinlich eine Enttäuschung, zumal es mehrfach um das Schlichten und nicht um das Ausfechten von Konflikten geht. Immer wieder sind Diplomatie, Handlungsgeschick und die Fähigkeit zum Einstellen auf verschiedene elfische und menschliche Charaktere gefragt. Und auch der Spielleiter sollte sein schauspielerisches Handwerk bestens beherrschen, denn von der glaubwürdigen Darstellung der fremdartigen Mentalität der Elfen hängt das Funktionieren des Abenteuers ab.

Der Abenteuerband, der auch eine knappe Beschreibung Gerasims und umfangreiche Darstellung der Nichtspielercharaktere enthält, ist von der bewährten DSA-Zeichnerin Caryad illustriert.

Fazit: Wenn sich Spielleiter und Spieler für Elfen sowie für intensives Schau- und Rollenspiel begeistern, sind sie mit Das Vermächtnis der Völker bestens bedient. Kampfesfreudige Spieler und weniger erfahrene Spielleiter werden nur wenig Spaß an diesem Abenteuer haben.




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