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Goldener Wolf
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 07.04.2006, Serie: Belletristik, Autor(en): Linda Budinger, Verlag: Fantasy Productions GmbH, Seiten: 349, Erschienen: 2006, Preis: 9,00 Euro


Linda Budinger ist eine Frau für runde Zahlen: In ihrem zweiten DSA-Band #90, "Goldener Wolf", setzt sie die Geschichte um die Nivesen-Schamanin Starna fort, der in Band #40, "Der Geisterwolf", begann.

Einem Wolfsrudel wird ein goldener Wolfswelpe entführt, ohne dass die Wölfe eine Spur finden können. So rufen sie ihre verbündeten Hekkla-Nivesen zur Hilfe und Rejko, der alte Schamane der Sippe, schickt seinen Adoptiv-Sohn Rikkinen auf die Suche. Er selbst fühlt sich jedoch zu alt, um die Suche zu unterstützen, und bittet die Schamanin der benachbarten Iyamit um Hilfe - Starna. Und so zieht ein Dreiergespann hinaus in die langsam tauende Frühlingslandschaft im hohen Norden Aventuriens: Der verschlossene, schweigsame Fährtenleser Rikkinen, die junge, noch unerfahrende, aber deutlich reifere Schamanin Starna und der alte, erfahrende Wolf Dreikralle. Dabei liegt eine feindselige Atmosphäre in der Luft, da es zwischen beiden Sippen eine jahrealte Fehde um gestohlene Karene gibt. Desweiteren steht Rikkinen den Wölfen kritisch gegenüber, gibt er ihnen und ihren Himmelswölfen doch Schuld am Tod seines Sohnes...

So ist die Suche nach dem Welpen nicht nur von dem Auffinden neuer Spuren und origineller Begegnungen geprägt, sondern auch von Streitgesprächen, die viel über die kulturellen Eigenheiten der Nivesen und ihre Sicht auf die Welt verraten.

Der Autorin merkt man deutlich ihre Erfahrung an: neben ihrer Arbeit als Lektorin bei Bastei-Lübbe war sie früher als Herausgeberin von zwei Fanzines tätig (Menhir, Arg) und hat an zahlreichen weiteren mitgearbeitet (Legendensänger-Edition, Greifenklaue). Bei Bastei veröffentlicht sie auch noch einige Kurzgeschichten in der Reihe "Schattenseiten". Gelungen nimmt sie Elemente ihres ersten DSA-Romans auf, ohne dass ihre Kenntnis Voraussetzung für das Verständnis des aktuellen Romans wäre. Allerdings erschließen sich einige Anekdoten und Anmerkungen nur, wenn man den Vorgänger kennt, so dass es schon empfehlenswert ist, ihn vorweg zu lesen, wenn man ihn noch bekommen kann.

Die Konstellation der Protagonisten ist gut gewählt, es gibt Konfliktpotential und immer Gesprächsstoff, wodurch Linda Budinger dem Leser indirekt viel über die Kultur der Nivesen vermittelt auf ansprechende Art und Weise. Aber auch das Verhalten der Protagonisten ist detail- und kenntnisreich geschildert, egal ob es um ein Notlager im Schneesturm, das Spurenlesen oder Aspekte des Schamanismus geht, mit dem sich die Autorin während ihres Studiums beschäftigte.

Der Plot ist rätselhaft und wird vom Leser erst nach und nach erschlossen, auch weil ein paralleler Handlungsstrang um einen Ausgestoßenen langsam Licht ins Dunkel bringt. Die Zwischenbegegnungen sind abwechslungsreich und originell und bieten Anregung für kommende Abenteuer in der Region.

Eine ansprechende Gestaltung zum Preis von rund 9 Euro werten das knapp 350-seitige Werk auf.

Fazit: Ein spannender, dichter und atmospärischer Roman, der zudem einen hohen Nutzwert als Quellenbuch für die Regionen nördlich des Bornlandes und das Nivesenvolks besitzt, ohne dass auch nur an einer Stelle Langeweile aufkommt.

Eine Leseprobe des Romans findet man übrigens auf der Website der Autorin: http://www.lindabudinger.de/




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