Willkommen Gast - LORP.de v2.45.00
LORP.de  
Seite drucken Seite empfehlen Leserbrief schreiben Translate into English with Google
 

Startseite » Rezensionen » Rollenspiel » Das E.R.S.T.E. » Das E.R.S.T.E. (2. Überarbeitete Auflage)

Das E.R.S.T.E. (2. Überarbeitete Auflage)
Von Stefan Sauerbier

Rezension erschienen: 24.02.2001, Serie: Rollenspiel, Autor(en): Ralf Sandfuchs, Verlag: Krimsus Krimskramskiste, Seiten: 63, Erschienen: 2000, Preis: 9,80 DM


Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich beim E.R.S.T.E.n um ein Einsteigerollenspiel. Es ist speziell konzipiert für alle, die sich für das Hobby Rollenspiel interessieren und gerne erfahren möchten, was es damit eigentlich auf sich hat. Ralf Sandfuchs, der Autor dieses Systems hat sich' die Frage gestellt, wie man einem Interessierten sein Hobby erklären könnte. Herausgekommen ist dieses 63 Seiten starke Heft, nun schon in der zweiten überarbeiteten Auflage.
Was aber bietet das E.R.S.T.E.? "Dieses Rollenspiel wurde konzipiert, um potentiellen Neueinsteigern, die sich bisher noch nicht mit Rollenspielen befasst haben, einen Einblick in diese Materie zu bieten und sie zu einer ersten spielerischen Erfahrung mit diesem faszinierenden Hobby hinzuführen", schreibt Sandfuchs über seine Intention. Sein Einblick in die Welt der Phantasie beginnt mit einer recht guten Einführung in die Thematik selber. Er behandelt dabei Themen wie das Rollenspiel an sich, seine Geschichte und welche Zielgruppen es bei Rollenspielern gibt. Die dabei aufkommenden Fragen wie die über mögliche Charaktere, Regeln, ob es Verlierer und Gewinner gibt werden hier nicht außen vor gelassen. Selbst der Frage ob Rollenspiel gefährlich sei stellt sich Sandfuchs und meistert dieses bekannte Problem mit Bravour. Tja, und warum wir Rollenspiele spielen? Selbst hier bekommt der geneigte Leser ein passende Antwort.
Neben dieser gut gelungenen Einführung bietet das E.R.S.T.E. gleich auch noch Regeln und ein fertiges Abenteuer, so dass man direkt loslegen kann. Zum Abschluss erhält man noch einen kurzen überblick über bekannte und unbekanntere Systeme, um einem zum ersten die Vielfalt von Rollenspielen zu präsentieren und zum anderen zu ermutigen den nächsten Schritt zu wagen und in ein anderes System einzusteigen.
Damit der Neuling nicht gleich bei der Lektüre schockiert wird durch Unmengen an Regeln, beschränkt sich das E.R.S.T.E. auf ein wenige aber durchaus wesentliche Regeln. So erhält der Spieler und Spielleiter ein Gefühl dafür, was ihn bei anderen Systemen erwartet und kann sich bei seinem ersten Abenteuer in einer neuen Welt zunächst auf das Rollen-Spiel an sichvkonzentrieren. Jeder Charakter hat vier Grundeigenschaften (Körper, Geschick, Geist und Ausstrahlung) und erhält als Basis drei Fertigkeiten, die er gut beherrscht und wofür er meistens nicht zu würfeln braucht. Um andere Handlungen durchführen zu können, wird auf die Eigenschaften zurückgegriffen. Das Thema Kampf bleibt nicht außen vor, fast jeder Charakter hat zu Begin direkt ein Waffe und Kampfszenen werden über die Eigenschaften wie Körper und Geschick abgewickelt. Es ist schon auffällig, wie wenig Daten über einen Charakter erfasst werden, aber schließlich ist das E.R.S.T.E. auch nur ein Einsteigerrollenspiel. Da kann der Realismus durchaus schon für den reibungslosen und möglichst unproblematischen Spielablauf ein wenig vernachlässigt werden. Nach gerade mal fünf DinA5-Seiten Regeln werden fünf verschiedene Charaktere vorgestellt. Bei den Charakterblättern wird wieder deutlich wo hier die Prioritäten liegen: nicht bei den Regeln, sondern beim Hintergrund. Jedem Charakter hat einen individuelle angepassten Hintergrund um ihm mehr Dreidimensionalität zu geben. Für das im Heft vorliegende Einsteigerabenteuer "Der Baum des Lebens" werden eben diese Charaktere zugrund gelegt, was aber einen nicht abhalten sollte, sich seinen eigenen Helden zu erschaffen. Die dafür notwendigen Regeln finden sich im Heft. Ein Charakterbogen ist nicht von Nöten. Die wichtigen Daten kann man sich auch auf einem Universalcharakterbogen (einfaches DinA4-Blatt) notieren. Nachdem Ralf Sandfuchs noch ein paar Tipps für die Spieler einer Runde geben hat, geht es gleich weiter mit dem Abenteuer.
"Der Baum des Lebens", so lautet der klingende Name des im E.R.S.T.E.n vorliegenden Abenteuers. Es spielt in einer nicht näher beschriebenen Fantasywelt und soll den Spielern die Möglichkeit geben, ihre ersten Schritte in einer fantastischen Welt zu machen. Die Charaktere leben alle in einem kleinen Dorf namens Hügelsruh irgendwo in den Bergen. Die Gegend zeichnet sich aus durch ihre qualitativ hochwertigen Früchte und guten Ernten. Bis zu dem Tag, an dem die ersten Blätter verwelken und die Bäume ihre Früchte nicht mehr tragen können. Das Abenteuer beginnt für die Charaktere beim Dorfschulzen, der sie beauftragt, das Geheimnis um die nun verdorrten Pflanzen und Bäume zu lüften. Die Charaktere machen sich auf die Suche, müssen Nachforschungen anstellen, sich mit NSC's unterhalten, reisen und kommen sogar in einen Kampf. Das Abenteuer ist einfach gehalten und Sandfuchs bietet dem Spielleiter immer wieder Ideen und Anregungen, wie man die ein oder andere Szene handhaben könnte, welche stilistischen Mittel man als Spielleiter aufgreifen und was man besser lassen sollte. Anhand eines Beispiels verdeutlicht er auch, wie man mit möglichen unerwarteten Reaktionen der Charaktere als Spielleiter umgehen kann und wie man wieder zum alten Spielverlauf zurückgelangt. Das Abenteuer ist nicht zu komplex, bietet aber genügend Abwechslung für Spieler und Leiter um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Leider fällt hier ein Kapitel am Ende ein wenig negativ heraus, da die Texte hier den Eindruck erwecken, dass Beschreibungen fehlen und hier einfach eine Lücke im Spielfluss ist. Der Spielleiter dürfte aber, wenn er mit seinen Spielern an dieser Stelle angelangt ist, das Problem leicht bewältigen und einfach improvisieren.
Ist das Rätsel um den "Baum des Lebens" gelöst, bietet Ralf Sandfuchs noch einen kurzen überblick über Rollenspiele aus Fantasy, Science Fiction, und Horror an in dem er verschiedene bekanntere Systeme wie AD&D, DSA und Shadowrun und Unbekanntere wie TRI, Tribe 8 und Castle Falkenstein kurz und knapp erläutert. Leider aber manchmal einfach zu kurz, so dass jemand, der die Systeme nicht kennt, sich trotzdem nichts darunter vorstellen kann.
Wer Blut geleckt hat, der kann sich in den nachfolgend abgedruckten Adressen von Vereinen und Rollenspielläden weiter informieren und im Angebot stöbern. Diese Auswahl ist mit insgesamt sechs Einträgen sehr knapp gehalten. Man bekommt aber den Hinweis, dass man sich bei Krimsus Krimskrams Kiste weitergehend informieren kann. Alternativ wird man auch eingeladen, einen Blick auf deren Homepage zu werfen, auf der weiterführende Informationen zu finden sind.

Alles in allem bietet "Das E.R.S.T.E." einen guten Einstieg in die Welt des Rollenspiels. Sicher, der eingefleischte Rollenspieler mag in diesem Buch nicht viel neues entdecken, aber schließlich ist das System auch für Neueinsteiger entwickelt worden. Besonders erwähnenswert sind die ansprechende Illustrationen von Nils Hamm, die dem Buch ein stimmiges Bild verleihen und das gesamte Layout dadurch wunderbar aufbessern. Das Layout selber ist ebenfalls ansprechend und vor allem übersichtlich mit seinem zweispaltigen Textfluss und der gut lesbaren Schriftart und -größe. Abschließend sei hier noch erwähnt, dass man, wenn man das Abenteuer "Der Baum des Lebens" durchgespielt hat, sich demnächst "das Zweite" kostenlos im Netz von Krimsu.de downloaden kann.




LORP.de Copyright © 1999 - 2017 Stefan Sauerbier, Alle Rechte vorbehalten.