Jetzt gibt's die neuesten News und Infos der LORP auch als RSS Feeds! Mehr Infos hier.
|
|
|
 |
Von Michael Bauland
Rezension erschienen: 06.11.2006, Serie: Gesellschaftsspiele, Autor(en): , Verlag: Mad Man's Magic, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 9.25 Euro
"Willkommen im Club der Heiratsunwilligen", so beginnen die Spielregeln des neuen Spiels Heiratsfähig von Mad Man's Magic. Ziel dieses lustigen Kartenspiels ist es dementsprechend auch, so lange wie möglich nicht heiratsfähig zu werden. Hierfür muss man den unterschiedlichen Verpflichtungen des täglichen Beziehungslebens mit guten Ausreden entgegentreten.
Das Spiel befindet sich in einer Pappschachtel, die so dimensioniert ist, dass sie exakt der Menge der Karten entspricht. Auf dem Cover ist im Comic-Stil eine Szene dargestellt, die ein Brautpaar in der Kirche zeigt. Das Brautpaar ist an den Füßen mit einem Seil gefesselt. Während das Brautpaar versucht, vor dem Traualtar zu fliehen, hält eine ältere Dame (vermutlich die Mutter) das Seil fest und grinst. Das Bild ist somit eine passende Zusammenfassung der Spielthematik.
Die Spielanleitung besteht aus einer einfachen beidseitig bedrucken Seite. Obwohl sich hier nur Text findet, ohne Beispiele oder vielen Grafiken, ist sie dennoch unterhaltsam und gut leicht verständlich. Die einfachen Regeln werden gut und witzig erklärt. So beschreibt beispielsweise folgender Abschnitt, wer Startspieler wird: "Die Entscheidung, wer das Spiel beginnen darf könnt ihr durch eine Kissenschlacht, Schokoladenweitwurf oder einen Yoga Wettkampf unter euch klären, was immer für euch am besten funktioniert. Der Gewinner erhält auf jeden Fall die Zug-Karte."
Die Spielregeln sind schnell erklärt. Es gibt zwei Arten von Karten: die "Bitte Schatz"-Karten und die "Ich kann nicht"-Karten. Unter den "Bitte Schatz"-Karten befinden sich hauptsächlich Verpflichtungen mit einem Punktwert zwischen eins und elf und einige Ereigniskarten. Die "Ich kann nicht"-Karten sind hauptsächlich Ausreden (Punkte ebenfalls zwischen eins und elf) sowie einige Beeinflussungen (Punkte zwischen eins und drei). Jeder Spieler erhält fünf "Ich kann nicht"-Karten auf die Hand. Der Startspieler, der am Zug ist zieht zwei neue "Ich kann nicht"-Karten und deckt die oberste Karte vom "Bitte Schatz"-Stapel auf. Ist dies eine Verpflichtung, so muss er mit Hilfe von einer oder mehreren Ausredekarten versuchen, die auf der Karte abgebildete Punktzahl zu erreichen oder zu überbieten. Schafft er dies, so wird die Verpflichtung zum nächsten Spieler weitergereicht, der sich ebenfalls rausreden muss. Dabei kann es durchaus sein, dass ein Spieler sich mehr als nur einmal aus einer Verpflichtung herauswinden muss. Das wird so lange wiederholt, bis ein Spieler sich nicht mehr rausreden kann oder will. Dieser Spieler legt die Verpflichtung vor sich ab. Wer so dreißig Punkte an Verpflichtungen erreicht, ist heiratsfähig und hat das Spiel verloren. Die restlichen Spieler spielen weiter, bis nur noch ein Spieler übrig bleibt. Um das ganze etwas interessanter zu gestalten, kann jeder Spieler jederzeit eine oder mehrere Beeinflussungskarten "Durch die liebe Mutter" abwerfen. Die Summe der Karten wird zur Verpflichtung addiert und der aktive Spieler muss sich mehr Ausreden einfallen lassen, um der Verpflichtung zu entgehen. Schafft er es nicht, bekommt er die Verpflichtung ohne die Beeinflussungen. Schafft er es doch, erhält der nächste Spieler wie gewohnt die Verpflichtung, aber ebenfalls ohne die gerade gespielten Beeinflussungen. Mehr Abwechslung kommt durch die Ereignisse ins Spiel. Diese bewirken zum Beispiel, dass alle Spieler ihre Verpflichtungen an den rechten oder linken Nachbarn weitergeben müssen.
Das Spielprinzip als solches ist nicht sonderlich innovativ, was allerdings durch das Thema und die witzige Gestaltung der Karten aufgewertet wird. Es bleibt jedoch der Wermutstropfen, dass mit der Zeit nur in der richtigen Spielrunde eine Menge Spaß entsteht.
Mögliche Verpflichtungen sind zum Beispiel:
- "Beantworte diese Frage... richtig" (11 Punkte). Auf dem Bild sieht man eine Frau ihren Freund fragen: "Nun, du weißt, dass ich dir 100%ig vertraue. Sei ehrlich, sehe ich in diesem Kleid fett aus?"
- "Das Bett machen" (1 Punkt). Auf dem Bild steht ein Mann vor einem gemachten Bett und sagt: "Mann bin ich gut! Schatz, holst du schnell die Kamera?"
- "Das Handtäschchen halten" (7 Punkte). Das Bild zeigt eine Frau und einen Mann, der etwas pikiert eine Handtasche hochhält und schwitzt. Die Frau sagt: "Danke Schatz, ich bin in einer Sekunde zurück – oh schau mal! Da kommen deine Eishockeyfreunde!"
Als Ausreden gibt es unter anderem folgende Möglichkeiten:
- "Ich kann das nicht" (2 Punkte). Auf dem Bild sieht man ein Pärchen vor eine Spüle mit dreckigem Geschirr stehen. Die Mann sagt: "Se-eife und Wasser ... gleichzeitig?" Worauf die Frau antwortet: "Ich weiß, es ist schwierig, aber ich glaube an dich."
- "Mein Ex ist am Telefon" (2 Punkte). Eine Frau telefoniert und neben ihr steht ein wütend aussehender Mann. Die Frau sagt zum Mann: "Hey, beruhig dich – es ist nur ein ganz harmloses Candlelight Dinner ..."
- "Ich kann gerad' nicht abspeichern" (3 Punkte). Ein verrückter Computerjunkie tippt wie besessen auf einem Joypad herum und ruft: "Ha! Level 74!! Fresst das ihr sabbernden Mistkröten! Wer ist euer Daddy?! Hahahaha!"
Das Spiel lässt sich sehr gut zu zweit spielen. Aber auch mit mehreren Spielern funktioniert es ebenso gut. Eine Spieldauer von 20 bis 40 Minuten (je nachdem wie viele Mitspieler dabei sind) ist realistisch.
Fazit: Heiratsfähig ist ein sehr einfach gehaltenes Spiel, das nur vom Thema und den im Comic-Stil gestalteten Karten lebt. Wenn man eine passende Spielrunde hat und ein unterhaltsames Spiel spielen möchte, ist man mit Heiratsfähig sehr gut bedient. Ernsteren Leuten oder Spielern, die strategisch handeln möchten, sei aber abgeraten. Auch verliert das Spiel nach einigen Runden schnell seinen Witz.
|
 |
|