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The Psychedelic Avengers and The Decterian Blood Empire
Von Markolf Hoffmann

Rezension erschienen: 24.03.2006, Serie: Auditorium, Autor(en): The Psychedelic Avengers, Verlag: Fünfundvierzig, Seiten: , Erschienen: März 2006, Preis: 15,00 Euro


Die Psychedelic Avengers sind wieder da! Gemeint ist jene irre Formation um die zwei Soundtüftler Timo Lommatzsch und Sven Misullis, die bereits mit ihrem ersten Album "The Psychedelic Avengers and the Curse of the Universe" für Aufsehen sorgten.

Mit The Psychedelic Avengers and the Decterian Blood Empire erscheint nun das zweite "psych-o-phonic in-head b-movie for inner-eye listening" – eine Art inoffizieller Soundtrack für einen kruden SF-Trashfilm, der nicht existiert. Wieder machen sich die Psychedelic Avengers – ein Zusammenschluß zahlreicher Musiker und Bands - auf, um die Weiten der Galaxis zu erforschen. Dabei entführen sie ihre Zuhörer in fremde Welten, wo Decterianische Blutdämonen, polyphone Herolde, eine interstellare Burgerbude und die "Hallenden Hangars von Hammond" existieren. Ganz klar, diese Soundkulisse zehrt von unzähligen trashigen SF-Filmen und Romanen. Douglas Adams meets Buck Rogers meets Raumschiff Orion meets Flash Gordon ...

Schon das erste Album überzeugte mit seiner Mischung aus liebevoll arrangierten Samples, originellen Elektrobeats, gelegentlichen Gitarrenpassagen und einer einzigartigen Mischung aus parodistischen, kraftvollen und melancholischen Stimmungen. Diese finden sich auch auf der neuen CD wieder. Dennoch präsentiert sich The Psychedelic Avengers and the Decterian Blood Empire anders – als Doppelalbum mit ausführlichem Booklet, in dem eine fragmentarische Kurzgeschichte des Perry Rhodan-Autors Leo Lukas die Handlung der Musikstücke nacherzählt. Dementsprechend wirkt das ganze Album zielstrebiger: es finden sich vermehrt Gesangspassagen (in der Regel auf Englisch), die Stücke sind songorientierter und von eingängigen Melodien geprägt. Leider ist dadurch auch ein wenig der Stimmungsbogen abhanden gekommen, den die erste CD so großartig zu spannen wusste. Die einzelnen Songs funktionieren nun in sich, als musikalische Umsetzung der von Leo Lukas ersonnenen Handlung. Eine übergeordnete Kapitelstruktur aber existiert nicht mehr, und so ist dieses zweite Album der Psychedelic Avengers längst nicht so zugänglich und abwechslungsreich wie sein Vorgänger. Auch verzichtet die Gruppierung diesmal auf allzu gewagte oder schrille Samples und läßt stattdessen öfters die Gitarren sprechen. Der feine, aber spürbare Schwenk vom Elektro zum Gitarren- oder Fusionrock sorgt für eine andere Atmosphäre. Gelegentlich vermisst man die innovativen Klänge des ersten Teils, zumal dieser neue Ansatz nicht über die stolze Laufzeit der zwei CDs trägt.

Doch darüber lange zu hadern, wäre verfehlt – denn auch dieses Doppelalbum hat umwerfende Momente, die einen ungläubig vor der Stereoanlage verharren lassen. Vom verhaltenen Gitarrenstück "The Tears of Lyehsis" (CD 1/Track 5) über die melancholische, jazzgetränkte Vorstellung der Spionin Vela Brwon (CD 1/Track 9), die schrille Noise-Zertrümmerung der Sternenkolonie Penubis 5 (CD 1/Track 16) bis hin zur psychedelischen Elektro-Visite der vielleicht letzten Weltraumstation der Menschheit (CD 2/Track 4) – zahlreiche klug arrangierte Höhepunkte warten darauf, sich im Kopf zu starken und farbenprächtigen Bildern zu verdichten. Gerade die zweite (sehr viel interessantere) CD bietet reichlich Klangmaterial; meine persönlichen Favoriten sind Track 5 (Manhunt through Junxtion Central), eine alptraumhafte Verfolgungsjagd, die unverhofft in die fette Rockarabeske "Dr. Bregury accidentally slips, Cervil voluntarily trips, Franky astonishingly lits and the Memeron finally fits" (Track 6) übergeht, aber auch die Retro-Soundtüftelei "The arc of light" (Track 9) und der elegische Totengesang für einen wohl doch nicht so unsterblichen Sonnengott (Track 10). Hier schöpfen die Psychedelic Avengers ihr ganzes (und nicht gerade geringes) Potential aus und erzeugen großartige Stimmungen, die zwischen absurder Komik, bitterem Ernst und herzergreifender Schwermut hin- und herschwanken. Dass ausgerechnet die Trashlegende Knarf Rellöm den letzten Track – und damit den Epilog – beisteuert, ist da nur konsequent und ein gelungener Abschlussgag dieser wunderbaren Weltraumodyssee.

Fazit:
Zwar erreichen die Psychedelic Avengers nicht ganz den Ideenreichtum ihres ersten Albums, doch auch diese Doppel-CD überzeugt durch ihr einzigartiges Konzept, durch bizarre SF-Einschläge und das gelungene Zusammenspiel der sehr unterschiedlichen Musiker. Das dritte Album – welches hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten läßt – darf dann aber ruhig wieder auf eine CD passen und abwechslungsreicher sein, damit sich die Zuhörer nicht im Weltraum verirren und wohlmöglich den Decterianischen Blutdämonen in die Hände fallen. Wäre doch ein Jammer ...

Weitere Informationen zu den Psychedelic Avengers gibt es im Internet unterwww.psychedelicavengers.de.




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