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Der Duft des Mordes
Von Ingo Schulze

Rezension erschienen: 03.06.2006, Serie: Krimi-Rollenspiele, Autor(en): Jörg Meißner, Verlag: KRIMItotal, Seiten: , Erschienen: November 2004, Preis: 18.95 Euro


"Der Duft des Mordes" ist laut eigenen Angaben ein Krimi-Rollenspiel, in welchem es gilt, den Mörder aufzuspüren.

Das Spielmaterial umfasst eine kurze Spielanleitung, neun Briefen mit Rollenbeschreibungen, neun weiteren Umschlägen mit rollenbezogenen Hinweisen (Was hat die jeweilige Person am Vorabend mitbekommen?), Umschläge mit Gerüchten, Anklagen und Lösungen, Einladungen sowie ein A3-Plan mit dem Grundriss des Anwesens. Verpackt ist das ganze sicher in einer Videohülle.

Die Spielidee umfasst Elemente aus Gesellschaftsspielen, Rollenspiel und LARP und erinnert am ehesten an das Konzept von sogenannten LIRPs - Live Indoor RolePlay.

Intime ist in der letzten Nacht Georg Sänger, der Sohn des bekannten Parfümfabrikanten Alfred Sänger ermordet worden. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rollen von Partygästen des Vorabends und, sollte eine neunte Person teilnehmen, in die des Inspektors oder der Inspektorin. Die Rollenbeschreibungen kann man also schon Wochen vorher ausgeben, damit sich die Mitspieler vorbereiten können, während die Hinweise gut verpackt zu Hause lagern.

Empfohlen wird die Ausrichtung als ein Partyspiel, eben als Höhepunkt eines gelungenen Abends. Da setzt man sich dann also mit mindestens acht Personen, möglicherweise der Rolle entsprechend verkleidet, zusammen. Für weitere Rollen finden sich übrigens Hinweise und Ideen auf der Webside des Verlags.

Die Rollenbeschreinung umfasst einen kurzen Überblick zur Person, dem, was sie am Vorabend erlebt hat, in welcher Beziehung sie mit dem Opfer stand und was sie mit den anderen Gästen verbindet. Alle Rollen sind um das Opfer und seine Firma herum konzipiert: Eltern, Sohn, leitende Angestellte oder das Modell des Konzerns. Natürlich ist hier auch festgehalten, ob man der Mörder ist oder nicht.

Aufwendiges Verkleiden ist nicht vorgesehen, es sind eher lockere Empfehlungen, beispielsweise in der Form "geht nie ohne Hemd und Krawatte aus dem Haus" oder "trägt im Urlaub einen Tropenhelm". Daraus läßt sich dann vielleicht ableiten, dass man auf (un-)modische Kopfbedeckungen steht und nutzt das entsprechend.

Hat man es sich also am Tisch gemütlich gemacht, beginnt die erste Runde. Die Charaktere entnehmen dem Hinweisumschlag die erste Notiz: Informationen, was sie gestern taten, und auch, wann und ob sie die anderen gesehen haben. Anhand der Rollenbeschreibung stellt man sich dann kurz vor, etwa dass man der Anwalt der Firma Sänger ist und Georg als Geschäftsführer gut kannte.

In der zweiten Runde startet das Spiel dann richtig durch, die Diskussion und das große Rätselraten beginnt. Erst einmal gibt es einen persönlichen Hinweis, der vielleicht Verdachtsmomente gegen andere hervorbringt oder auch Informationen, um den Verdacht anderer abzuwehren. Dann beginnt das gegenseitige Befragen, beispielsweise "Ich habe gestern aus Deinem Zimmer Stimmen gehört. Wer war das?", um auf eine heiße Spur zu gelangen. Die normalen Charaktere dürfen hierbei nicht lügen, wenn auch die Wahrheit ausschmücken, der Mörder hingegen darf das Blaue vom Himmel erzählen, obwohl im nahe gelegt wird, eng an der Wahrheit zu bleiben, gerade was die Ereignisse vor und nach dem Mord betrifft, da er sich ansonsten möglicherweise schnell in Widersprüche verstrickt.

Insgesamt sind sieben Runden vorgesehen - neben mehreren Hinweisrunden gibt es noch die Gerüchterunde, die dann einiges zu den Charakteren untereinander offenbart, die Anklagerunde, bei welcher dann die Spieler ihre Sicht der Dinge darstellen und zuletzt die Lösung. Jede Runde wird mit neuen Hinweisen angeheizt und die Lösung befindet sich in einem seperaten Umschlag. Als optische Hilfe wird der Grundriss des Hauses genutzt, um wirklich zu klären, wer wann wo war.

In der Umsetzung offenbart sich alllerdings dann auch die Schwierigkeit. Hat man die Rollenbeschreibungen vorher verteilt und einer von acht Spieler taucht nicht auf, dann hat man ein dickes Problem. Da es keine Kopien der Rolle gibt und kein Spielleiter, der alles weiß, vorgesehen ist, fehlt dann eine wichtige Rolle und der mögliche Mörder... Andererseits ist es natürlich angenehm auch als Ausrichter nicht am Rande zu stehen, sondern voll einzusteigen.

Im Vergleich zu ähnlichen Spielen wie Sylvesterexpress schneidet "Duft des Mordes" gut ab. Dort darf beispielsweise niemand lügen, man brauchte mehrere Räume, getrennte Interaktion. Hier braucht es nur einen Raum, den man schön herrichten kann und der sich irgendwo auf dem Anwesen der Sängers befindet.

Die Wiederspielbarkeit ist nur für einen anderen Personenkreis gegeben, wenn man die Hinweise und Beschreibungen wieder verpackt. Allerdings bietet der Verlag noch weitere Krimispiele, kreative Geister können natürlich auch nach diesem Prinzip weitere Varianten ersinnen.

Das Material ist für den Preis von knapp unter 20 Euro fair. Sicher verstaut warten handverpackte Umschläge in einer stabilen Videobox, die nur über den Versand unter www.krimitotal.de zu erstehen ist, auf den Käufer.

Fazit: Ein gelungenes interaktives Spiel, für welches keine Vorkenntnisse notwendig ist, auch für (Live-) Rollenspieler. Insofern ist es noch besser geeignet, um es mit Nicht-Rollenspielern zu spielen und ihnen so eine Idee von Rollenspiel zu vermitteln - für Erwachsene möglicherweise ein besserer Einstieg als eine Runde mit alten Hasen, unter denen sich ein Newbie nicht zurechtfindet. Zu guter Letzt eine originelle Idee, um einer Party etwas mehr Würze zu verleihen.




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