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Kriegerherzen
Von Volker Thies

Rezension erschienen: 11.04.2006, Serie: Filme, Autor(en): Lars Gatting & Rainer ZIPP Fränzen, Verlag: LaGARAFA Productions, Seiten: , Erschienen: 2006, Preis: 22,00 Euro


Zugegeben, mit der "Herr der Ringe"-Verfilmung braucht sich Kriegerherzen nicht zu messen. Schließlich hatten die Mannen um Peter Jackson ein Millionenbudget, hochgerüstete Aufnahme- und Bearbeitungstechnik sowie Schauspieler zur Verfügung, die auf eine jahrelange Ausbildung sowie reichlich Film- und Bühnenerfahrung zurückgreifen können. Für Kriegerherzen-Regisseur und Drehbuchautor Rainer Fränzen gilt das genaue Gegenteil: Praktisch ohne Budget, mit bescheidener Kameratechnik und Laiendarstellern ging er an das ehrgeizige Vorhaben, einen abendfüllenden Fantasyfilm zu schaffen. Dass dieses auf den ersten Blick an Größenwahn grenzende Projekt dennoch ein sehenswertes Ergebnis hervorgebracht hat, ist vor allem auf den Enthusiasmus zurückzuführen, mit denen die insgesamt mehr als 270 Mitwirkenden vor und hinter der Kamera an die Herausforderung herangegangen sind.

Die Geschichte entspricht klassischen Fantasymotiven: Im Grenzland des Reiches Vallconnan liegt es an einer kleinen Schar von Helden, die Pläne düsterer Magier und ihrer Ork-Lakaien zu vereiteln. Die junge Evelyn und Vincent, der arrogante und verweichlichte Sohn eines Edelmanns, werden von Orks entführt und in die Höhlen der düsteren Blutmagier, der Gijak Shatraugh, verschleppt. Dort sehen sie unter grausamer Folter einem düsteren Ritual entgegen. Währenddessen machen sich der verbitterte Veteran Murdock und der junge, idealistische Ritter Lear auf die Suche nach ihnen. Gleichzeitig verdichten sich die Anzeichen, dass die Gijak Shatraugh um ihren düsteren Anführer Seriat einen größeren Plan verfolgen. Schließlich gelingt es, die Gefangenen zu befreien. Doch der Zauberer sendet seine Orkhorden aus, um das Reich der Menschen zu überfallen. Es kommt zur entscheidenden Schlacht. Letztendlich jedoch entscheidet nicht der offene Waffengang über das Schicksal der Helden, sondern Ereignisse, die sich zunächst unbemerkt hinter den Reihen der Ritter abspielen.

Die schauspielerische Leistung beim Umsetzen dieser Geschichte kann sich sehen lassen. Besonders in Szenen, in denen es um die "großen Gefühle" wie Hass, Liebe und Verzweiflung geht, laufen die Darsteller zu beeindruckenden Leistungen auf, die fast vergessen lassen, dass es sich bei ihnen um Laien handelt. Großartig gelungen sind auch die hochdramatischen Kämpfe, denen man anmerkt, dass die Filmemacher fachmännische Unterstützung aus den Reihen der Mittelalterszene bekommen haben. Die geschickt gesetzten Schnitte steuern ihren Teil zur Wirkung bei. Wenn das Tempo etwas nachlässt, beispielsweise bei Beratungen im Heerlager der Ritter, kommt es dafür hier und da schon einmal zu ein paar Holperern im Text. Ein echtes Schmuckstück sind die Zerwürfnisse, die auch die Helden untereinender ausfechten, beispielsweise der vom Ritterethos erfüllte Lear und der vom Leben abgehärtete Murdock. Hier geht das Drehbuch weit über das hinaus, was manche "profesionelle" Fantasyfilme mit ihren eindimensionalen Charakteren bieten und die Schauspieler setzen diese Tiefgründigkeit, die innere Handlung, im Rahmen ihrer Möglichkeiten hervorragend um.

Übrigens können sich sowohl Ausarbeitung als auch Darstellung der Nebencharaktere ganz besonders sehen lassen. Ein gutes Beispiel ist der gollumhafte verfluchte Ritter Jordan. Die Bösewichte beeindrucken noch einmal besonders: Selten hat man so schrecklich-schöne, expressionistische SM-Blutmagier gesehen, allen voran der missgestaltete und tragische Kretin Isan. Auch was die Locations angeht, hat das Team eine Menge geleistet. Historische Burgen am Mittelrhein, ein Schaubergwerk und urige Wälder tragen viel zur Stimmung bei.

Kriegerherzen umfasst zwei DVDs, den 156 Minuten langen Hauptfilm, den es mit englischer und orkischer Tonspur gibt, und eine DVD mit üppigem Bonusmaterial. Zwei längere Reportagen berichten über die 44 Drehtage und über die Postproduktion. Zahlreiche Schauspieler und andere Mitwirkende kommen zu Wort. Die entfallenen und erweiterten Szenen umfassen nur relativ kleine Veränderungen. Natürlich dürfen auch die Outtakes mit lustigen Pannen während der Produktion nicht fehlen. Trailer, das Kriegerherzen-Musikvideo mit dem eigens von "Minotaurus" eingespielten Song zum Film, Informationen zu den Drehorten sowie viele Produktionsfotos runden den DVD-Inhalt ab.

Fazit: Kriegerherzen ist ein einzigartiges Projekt. Mit Unterhaltungskino der Marke Hollywood kann es in einigen Punkten zwar nicht mithalten, aber das ist auch gar nicht das Ziel. Der Film zeigt, was mit Engagement und Einsatzbereitschaft verwirklicht werden kann. Und wem diese Hintergründe egal sind, der kann zumindest eine Fantasygeschichte mit einer angenehmen Portion Tiefgang genießen, der kleinere technische Unebenheiten keinen Abbruch tun.




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